Milchkuh sucht während der Hitzewelle nach Futter
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Die Regierung hat den Landwirten Finanzhilfen für die ausgefallene Ernte wegen der Dürre zugesprochen. Doch für viele ist das gar nicht sinnvoll.

Milchviehbauer Karl-Heinz Rück aus Roßdorf zeigt in seinem Heuballenlager auf die magere Ausbeute dieses Sommers. Nur im Juli war ein Grünlandschnitt möglich. Danach aber – Totalausfall. Normalerweise mache er vier, manchmal fünf Schnitte, sagt er. Er hofft nun noch auf Regen, damit er vielleicht Ende Oktober noch einen Schnitt machen kann. "Wenn jetzt kein Schnitt mehr kommt, dann ist es zu knapp", sagt er.

Vorsorglich hat der Kreislandwirt von Darmstadt-Dieburg seine Milchviehherde auch schon verkleinert. Vier Ältere Tiere mussten zum Schlachter, vier Monate früher als geplant im Hinblick auf den Futterengpass. Erschwerend kommt hinzu: Die rund 100 Kühe von Bauer Rück geben bei der Hitze auch noch weniger Milch. Und neben dem Grünlandschnitt fiel auch die Ernte auf seinen Weizen- und Maisfeldern ziemlich mau aus. Wenn er für sich bilanziert, dann fehlt ihm 30 bis 40 Prozent Ertrag. Wie sich das finanziell auf ihn auswirke, könne er allerdings erst im Frühjahr sagen. "Weil ich ja nicht weiß, wie sich die Preise entwickeln. Betriebe die finanziell Liquiditätsschwierigkeiten haben, die stehen jetzt natürlich mit dem Rücken an der Wand. Und die müssen jetzt kruzfristig auch irgendwo geholfen kriegen", sagt Rück.

Kein Freund von Subventionen

Trotzdem ist der Milchviehbauer kein Freund millardenschwerer Subventionen. Viel lieber wäre ihm, dass er sich in fetten Jahren ein Finanzpolster anlegen könnte. Und zwar steuerfrei. Denn dann könne er das zurückgelegte Geld in einem schlechten Jahr wieder in den Betrieb fließen lassen. Das falle dann nicht so ins Gewicht wie eine Milliarde an Subventionen, die auf einmal gezahlt werden müsste. "Das wäre weitaus geringer und würde einfach den Landwirten gerecht helfen. Ohne Bürokratie. Ohne, dass man da irgendetwas verteilt. Das wäre mein Appell an die Landwirtschaftsministerin", sagt Rück.

Ähnlich sieht das auch Jürgen Rademer, ein Milchviehbauer aus Babenhausen. Er schätzt, dass ihm beim Grünlandfutter sowie bei der Raps- und Weizenernte unterm Strich in dieser Saison mindestens 20.000 Euro fehlen. Einen Verlustausgleich lehnt er trotzdem ab. "Wir Landwirte wollen nicht als Subventionsempfänger darstehen", sagt er. Für Betriebe, die am Existenzminimum hängen, sei das möglicherweise hilfreich. "Aber von der Milliarde wächst kein Gras. Das Entscheidende ist, dass wir kostendeckende Erlöse bekommen. Dass unsere Produkte entsprechend ihres Wertes bezahlt werden. Da könnte sich jeder Betrieb Rücklagen bilden und sich in einem solchen Jahr davon nehmen", erklärt Rademer.

Er fordert zudem von der Bundesregierung, dass sie anstelle von Agrarsubeventionen lieber wieder das Thema Klimaschutz stärker in ihren Fokus rückt. "Wenn wir den Klimaforschern Glauben schenken kann, werden solche Sommer zur Normalität. Und da habe ich schon Angst davor."

Sendung: hr-iNFO, 22.8.2018, 14.10 Uhr

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