Weisheit

Papier ist zum begehrten Rohstoff geworden: Erste Buchverlage klagen, dass sie nicht mehr die komplette Auflage gedruckt bekommen, Verpackungen aus Pappe fehlen teilweise. Das bekommen auch die Kunden schon zu spüren.

Mario Sahner steht in der Lager- und Produktionshalle von "Ott und Sohn" in Obertshausen. Um ihn herum sind meterhoch Pappen gestapelt, an Maschinen werden die Pappen zu Kartons oder Papp-Aufstellern verarbeitet. Nach Materialknappheit sieht das eigentlich nicht aus.

"Dieses Jahr zu Jahresbegnn war es so, dass uns die Rohstoffknappheit eingeholt hat und die Rohstoffe immer schwieriger zu bekommen waren, zudem sind sie unsagbar teuer geworden", erklärt Sahner. Also hätten sie sich damals dazu entschlossen, den Materialbestand zu erhöhen und so viel wie möglich einzukaufen. "Das ist jetzt hier und will verarbeitet werden."

"Eine sehr nervenaufreibende Situation"

Holz und die daraus gewonnen Zellstoffe, die Grundstoffe für die Papierproduktion, sind derzeit knapp. Und: Es gibt nicht genügend Altpapier. Während der Corona-Pandemie sei weniger Altpapier angefallen und viel gehe nach China, sagt Mario Sahner: "Vor Corona haben sie eine Materialbestellung gemacht und fünf Tage später war das da. Mittlerweile sind wir bei fast 20 Wochen angekommen, die sie brauchen, bis Material geliefert wird."

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Und während der langen Lieferzeit steigen die Preise für die Pappen weiter, sagt Einkaufsleiterin Diana Eitel: "Das ist eine sehr stressige, nervenaufreibende Situatuon - nicht nur bei uns, auch bei unseren Lieferanten und bei unseren Kunden." Täglich würden die Preise erhöht, nach 20 Wochen Lieferzeit gelte nicht mehr der Preis wie zum Zeitpunkt der Bestellung. "Und der Kunde muss die Preiserhöhung auch mitgeteilt bekommen und akzeptieren – das ist in der Tat sehr nervenaufreibend."

Preise für Altpapier auf Langzeithoch

Das Problem: Nicht nur die Pappen werden teurer, die Energiekosten steigen, der Transport sei teurer geworden und allein die Paletten, auf denen die Pappen lagern und transportiert werden, kosten 15 bis 18 Euro. Das ist drei bis vier Mal so viel wie vor Corona, sagt Diana Eitel, das sorge oft für Unverständnis bei den Kunden. Immerhin sind sie beim Verpackungsunternehmen "Ott und Sohn" in Obertshausen zuversichtlich, genügend Material auch für die Weihnachtszeit zu haben.

Gregor Geiger vom Verband der Papierindustrie sagt, die Preise für Altpapier seien auf einem Langzeithoch, unter anderem, weil während der Pandemie weniger Zeitungen gedruckt wurden und der Bedarf an Zellstoff in Asien enorm sei. Das führe zu Lieferengpässen und steigenden Preisen in Europa.

Toilettenpapier könnte teurer werden

Etwas anders ist die Lage bei Essity im nordhessischen Witzenhausen. Hier wird Toilettenpapier hergestellt. "Wir stellen unser eigenes Papier her und verarbeiten es gleich weiter, pro Tag laufen hier ungefähr 700.000 Röllchen aus dem Werk", sagt Werksleiter Dietmar Haschke. Und das soll sich auch nicht ändern – langfristige Lieferverträge sichern die Versorgung mit den notwendigen Zellstoffen für das Toilettenpapier, sagt Dietmar Haschke.

Allerdings denkt der schwedische Mutterkonzern darüber nach, die Preise zu erhöhen: "Da gibt es Verhandlungen mit dem Einzelhandel - die Preise werden steigen, weil die Zellstoffpreise massiv nach oben gegangen sind, die Energiepreise steigen massiv an und das wird sich irgendwann auch beim Produkt niederschlagen."

Probleme auch bei Druckereien

Diese Entwicklungen gehen auch an den Druckereien nicht spurlos vorüber. Bei VRM Druck werden unter anderem täglich 250.000 Exemplare des Wiesbadener Kuriers, des Darmstädter Echos und der Allgemeinen Zeitung Mainz gedruckt.  Im Papierlager stehen tonnenschwere Papierrollen meterhoch gestapelt. Geschäftsführer Martin Kümmerling machen die Lücken im Lager aber Sorgen: "Unser Papierlager ist nicht so gefüllt, wie wir es gerne hätten." Es sei nur zu 60 Prozent gefüllt und Papier sei schwer zu bekommen, man bekomme Verträge mengenmäßig nicht erfüllt - "und wenn, werden in den Vertrag hinein Preissteigerungen verlangt", sagt Kümmerling.

Und rund um Weihnachten und Neujahr rechnet Martin Kümmerling damit, dass drei Wochen lang gar kein Papier kommt, weil die LKW-Fahrer nicht arbeiten. Er hofft, dass das Papier im Lager und das Papier, das bis Ende des Jahres noch geliefert wird, irgendwie bis in den Januar reicht. Dann, so seine Hoffnung, dürfte sich die Lage wieder entspannen, unter anderem weil wieder mehr Altpapier da ist.

Ein bisschen Hoffnung

Und in der Corona-Panedemie seien zu Beginn dieses Jahres die langfristigen Preise für Zeitungspapier so sehr gefallen, dass im Moment einige Produzenten gar kein Interesse daran hätten, das Papier zu verkaufen: "Ab 1. Januar gelten neue Kontrakte, die werden zwar erst im Frühjahr ausgehandelt und die Preise dann rückwirkend ausgerechnet, aber es ist zu erwarten, dass es eine deutliche Preissteigerung geben wird und damit wird sich die Lieferbereitschaft der Papierfabriken hoffentlich wieder zu unseren Gunsten verbessern", sagt Kümmerling.

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Papier und die Rohstoffe sind inzwischen knapp und teuer. Viel Holz wird nach China und in die USA verkauft; in der Pandemie ist weniger Altpapier angefallen; der Bedarf an Papp-Verpackungen ist während der Pandemie enorm gestiegen, weil viel mehr online bestellt und ausgeliefert wird. Die Papierknappheit trifft fast alle Branchen, weil weltweit die Produktion wieder hochgefahren wird. Und auch Kunden bekommen das zu spüren - weil Produkte teurer werden könnten und es in manchen Supermärkten keinen Papiertüten mehr gibt.

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