Edersee Kanu

Die Entdeckung der Heimat als Reiseziel wurde nach einem kurzen Seufzen schnell zum Schick des vergangenen Sommers. Ob der Trend die Pandemie überlebt, bleibt abzuwarten. Am Edersee ist man aber zuversichtlich - und tut einiges dafür.

Für Christian Gerlach ist Corona Wohl und Wehe zugleich: Sein Hotel Werbetal am nordhessischen Edersee ist zwar seit Monaten geschlossen wegen der Pandemie, doch in deren Folgen liegt für den Waldecker Familienunternehmer eine große Chance. Urlaub in Deutschland hat nämlich einen gewaltigen Aufschwung erlebt, und auch der Stausee erfuhr einen wahren Touristen-Ansturm nach dem Lockdown im vergangenen Frühjahr. "Der darauffolgende Sommer war wirklich bombastisch", sagt er. Und das sei nicht nur am Edersee so gewesen.

Nach ein paar Tagen fiel der Groschen

Bei vielen seiner neuen Gäste war der Aufenthalt in der Heimat zunächst allerdings ernüchternd, wie der Hotelier berichtet. Urlaub am Eder- statt Kreuzfahrt auf hoher See, das habe sich bei vielen erst setzen müssen. Doch bei den allermeisten Urlaubern fiel dann nach einigen Tagen am Edersee der berühmte Groschen. "Wir haben viele Gäste davon überzeugen können, wie schön es am Edersee ist", so Gerlach.

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Der Grund dafür liegt für ihn auf der Hand – und der See mit all den Möglichkeiten direkt vor der Hoteltür: Insbesondere aktiven Touristen und Familien mit Kindern bietet sich hier eine ganze Menge: "Die Wanderwege gehen direkt an unserem Haus entlang, Wassersport ist natürlich ganz großgeschrieben, da kann man alles machen."

Beste Zahlen aller Zeiten

Mit den positiven Corona-Erfahrungen steht der Hotelier nicht allein da. Auch bei der Edersee Marketing GmbH, die die Region touristisch vermarktet, blickt man sehr positiv auf den Sommer 2020 zurück. Geschäftsführer Claus Günther bestätigt, "dass wir im letzten Jahr in den Sommermonaten die besten Zahlen aller Zeiten geschrieben haben, teils 40 Prozent über dem Vorjahr, es war wirklich ein irrer Sommer."

Auf das Gesamtjahr betrachtet habe man zwar Verluste verzeichnet. Die sind laut Geschäftsführer Claus Günther aber deutlich weniger gravierend als anderswo in Hessen. Auch der Marketingprofi vom Edersee sieht den Erfolg in der Fülle von Angeboten, die seine Region zu bieten hat. Es gebe ein "breites Naturangebot, das man zu Fuß und mit dem Rad erleben kann. Das spielt einer Region in der Pandemie in die Karten."

Hoffnung, dass es sich festigt

Weil Wandern eine immer größere Rolle spielt, will die Marketinggesellschaft das Edersee-Gebiet zur fünften Qualitäts-Wanderregion in Deutschland entwickeln. Bereits heute können Wanderer auch Touren mit zertifizierten Natur- und Landschaftsführern unternehmen. Einer von ihnen ist Wolfgang Prinz. Der 60-Jährige spürte letztes Jahr das wachsende Interesse der Deutschen an ihrer Heimat: "Da habe ich erkannt, viele Menschen machen Urlaub in Deutschland und haben dann unser naturbelassenes Paradies kennengelernt."

Hotelier Christian Gerlach glaubt, dass die Gäste zurückkehren werden, sobald die aktuellen Corona-Beschränkungen aufgehoben sind. Aber er denkt weiter und hofft, "dass es sich festigt bei den Gästen." Das hofft der Familienunternehmer aber nicht für sich allein. In naher Zukunft nämlich will er den vor rund 150 Jahren gegründeten Betrieb an seine Tochter übergeben.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 9.3.2021, 6 bis 9 Uhr

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