Auf dem Handy leuchtet das Logo der Trading-App Robinhood auf.

Sie sind günstig, sie sind hipp und derzeit in aller Munde: Neobroker. Immer mehr junge Menschen nutzen die Apps, um an der Börse zu spekulieren. Der Wirbel um Gamestop hat dem Ruf der Trading-Apps aber nicht gerade geholfen.

Ihr Geschäftsmodell: unkompliziertes, einfaches Handeln mit Wertpapieren. Zu niedrigen oder gar keinen Gebühren. Ihre Namen: hipp, anglophil, verlockend. Kein Zweifel: Der Hype um Neobroker wie Trade Republic, JustTrade oder Smartbroker hat Deutschland längst erreicht.

Philipp Schied, 29 Jahre aus Speyer, legte sein erstes Aktien-Depot schon mit 18 an. Seit zwei Jahren ist er auch Kunde beim Berliner Neobroker Trade Republic. Mit deren App könne er innerhalb von nur zwei Sekunden eine Aktie kaufen und in sein Depot legen, erzählt er. "Diese Niederschwelligkeit, auf dem Smartphone, das wir eh den ganzen Tag in der Hand haben: Das ist einfach etwas, was näher an unserem Leben dran ist als sich an den PC zu setzen und mit Wertpapier-Kennnummern zu arbeiten." So wie es die meisten anderen Online-Banken noch vorschreiben.

Viel Zeit, geringe Kosten

Natürlich trägt zum Erfolg der Trading-Apps auch die Corona-Pandemie und die aktuelle Nullzinsphase bei. Viele Menschen haben plötzlich Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wo ihr Geld noch für sie arbeiten könnte.

Anziehend seien bei den Neobrokern aber auch die niedrigen Gebühren, gibt Michael Bernd Busshaus zu, Geschäftsführer beim Frankfurter Neobroker JustTrade. Für Wertpapiertransaktionen verlangt seine Firma null Provision. "Wir kriegen durchaus Feedback von Kunden, die sagen: 'Ich probiere das einfach mal aus.' Und das würden die bei einer 20-Euro-Ordergebühr nicht tun", erzählt er.

Vom Hobby zur Sucht?

Kooperationspartner von JustTrade ist die Hamburger Privatbank Sutorbank. JustTrade finanziert sich nach eigenen Angaben über Rückvergütungen, die der Billigbroker von Handelspartnern für jede getätigte Order bekommt. Auch andere Trading-Apps haben in der Regel Partnerschaften mit Banken vereinbart, um ihre Wertpapiergeschäfte abwickeln zu können. Doch birgt das viele mobile Traden ohne große Hürden nicht das Risiko, eine neue Generation von jugendlichen Börsen-Zockern heranzuziehen?

Professor Andreas Hackethal von der Frankfurter Goethe-Uni beschwichtigt. Unerfahrene Anleger könnten sich zwar immer in unvorsichtige Transaktionen hineinsteigern. Allerdings: "Das gab es schon immer. Wir kennen das von Sportwetten. Da ist die Eigenverantwortung der Anleger gefragt", sagt der Professor.

Negative Schlagzeilen durch Gamestop

Zuletzt sind Neobroker aber nicht nur durch ihre günstigen Konditionen, sondern auch durch die Kurskapriolen der US-Firma Gamestop in die Schlagzeilen geraten. Die amerikanische Trading-Plattform Robin Hood und Trade Republic in Deutschland hatten den Handel mit Gamestop-Aktien teilweise gestoppt, als Tausende von Kleinanlegern die Papiere kauften, um Hedgefonds anzugreifen. Seitdem stehen die beiden Neobroker unter Verdacht, mit den großen Hedgefonds gemeinsame Sache zu machen. Eine für viele junge Kleinanleger indiskutable Vorstellung. Es wird sich zeigen, wie viel Vertrauen die Neobroker damit verspielt haben.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 3.2.2021, 15 bis 18 Uhr

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