Waldschäden

Wer aufmerksam durch den Wald geht, kann es kaum mehr übersehen: Den Bäumen geht es schlecht. Der Sommer 2020 habe die Lage nochmal deutlich verändert, sagt ein Förster in Südhessen. Mit Wissen aus dem Lehrbuch kommen er und seine Kollegen oft nicht mehr weiter.

Die Erde unter den Füßen staubt, der Oberboden ist knochentrocken. Und dass die fahlen, weißen Gerippe im Wald bei Groß-Gerau einmal Buchen waren, ist kaum mehr zu erkennen. Das verraten höchstens die vertrockneten Buchenblättern am Boden. "Das ist nicht der Herbst, der hier schon eingesetzt hat, sondern das ist leider der Tod, der hier die Buchen dahingerafft hat", erklärt Forstamtsleiter Klaus Velbecker.

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Der deutsche Wald leidet stark unter Trockenheit und Hitze
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Die rund 140 Jahre alten Bäume sind nicht mehr zu retten. Die Trockenheit in den Sommermonaten hat ihnen den Rest gegeben. Für Velbecker und sein Team heißt es jetzt nur noch: prüfen, dass keiner der Bäume beim nächsten Sturm auf den Forstweg fällt. Der Sommer 2020 hat den Wald nochmal deutlich verändert, erzählt auch Ralph Baumgärtel, Revierförster im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue: "Mir scheinen die Absterbeprozesse noch drastischer in dieser Region, als in den letzten beiden Jahren. Vor allem, was die Geschwindigkeit angeht."

Nährboden für Flammen

Zwischen den lichten Bäumen wächst Gras auf dem Boden – mitten im Wald. Für Klaus Velbecker Grund zur Sorge. Denn trocknet das Gras im Sommer ab, dann wird es zum idealen Nährboden für Flammen. Welches Ausmaß ein Waldbrand dann annehmen kann, hat Velbecker im August erlebt. Bei dem größten Waldbrand in Hessen seit Jahrzehnten, erzählt er. Über Tage haben die Einsatzkräfte gegen die Flammen gekämpft.

Zwischen den verkohlten Baumstämmen kämpft sich die Natur schon zurück. Es wächst: neues Gras. "Alle Bäume, die verbrannt sind, werden entnommen. Und dann werden wir versuchen, die gesamte Fläche von 19 Hektar komplett wieder mit einem Laubmischwald zu begrünen", erklärt der Forstamtsleiter das weitere Vorgehen.

Ales Forstwissen hilft kaum weiter

Eiche, Winterlinde, Heinbuche: Rund 190.000 junge Bäume sollen hier vielleicht sogar im Winter schon wieder gepflanzt oder gesät werden. Die grob geschätzten Kosten: eine halbe Million Euro. Unsicherheit inklusive, so Velbecker. Was damit gemeint ist, zeigt sich im Naturschutzgebiet Mönchbruch. Dort stehen Reihen von kniehohen, jungen Eichenbäumen – allesamt vertrocknet. Insgesamt haben Velbecker und sein Team im Frühjahr 125.000 solcher junger Bäume gepflanzt: "Leider muss man sagen, ist das Gros der Bäume über den Sommer hingerafft worden. Ich geh mal davon aus, dass wir 80 Prozent Ausfälle haben."

Der Forstamtsleiter fühlt sich inzwischen eher wie ein Krisenmanager. Lehrbücher und altes Forstwissen helfen ihm kaum mehr weiter. Ständig würden neue Probleme auftauchen. Und so versucht er, seine eigenen Lehren zu ziehen und gute Entscheidungen zu treffen.

Sendung: hr-iNFO, Das Thema, 17.09.2020, 15 bis 18 Uhr

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