Stapel von Münzen liegen auf Euro-Geldscheinen (dpa)

Trotz Kurzarbeit und Lockdown hat die Mehrheit der Deutschen durch die Corona-Pandemie laut einer aktuellen Umfrage nicht weniger im Portemonnaie als vorher - manche sogar mehr. Es zeigt sich aber auch eine deutlich ungleiche Verteilung der Lasten.

Familie Loi aus Eschborn bei Frankfurt hat Corona natürlich auch zu spüren bekommen: Homeoffice für die Eltern, Homeschooling für die 14-jährige Tochter, die dazu ein neues Tablet brauchte. Aber mal eben 500 Euro ausgeben? Mutter Michaela Loi sagt, vor Corona hätte es lange Diskussionen darum gegeben – und womöglich kein neues Tablet. Aber in der Pandemie sei plötzlich genug Geld dagewesen: "Ehrlich gesagt haben wir nicht lange überlegt und das dann schnell gekauft, auch mit Extras, und haben uns weniger Gedanken gemacht als vorher." Denn vorher habe man schauen müssen: Wie sieht's aus in diesem Monat? Was steht noch an? "Aber diesmal war das dann wirklich eine ganz schnelle Nummer. Und dann war das innerhalb von der Woche gekauft, installiert und seitdem ist meine Tochter glücklich."

Klingt paradox – in der Krise einfach mal so 500 Euro ausgeben. Aber sie und ihr Mann hätten auch während der Pandemie normal weitergearbeitet, sagt Michaela Loi, sie mussten nicht in Kurzarbeit. Und vor allem seien jeden Monat viele Ausgaben weggefallen: Urlaube, Klassenfahrten, Restaurantbesuche. "Uns als Familie hat Corona finanziell nicht geschadet, sondern es hat uns insofern genutzt, wir haben jetzt am Ende des Monats mehr Geld auf dem Konto"

Wohin mit dem Geld?

Vor Corona musste die Familie immer wieder genau schauen, da ging es auf dem Konto auch schon mal ins Minus. Jetzt bleiben 300, 400 oder auch mal 500 Euro im Monat übrig. Damit ist Familie Loi bei weitem kein Einzelfall.

Anne-Cathrin Hartwig arbeitet seit 20 Jahren in der Kundenberatung der Commerzbank und stellt fest, dass "viel, viel mehr Kunden monatlich Geld überhaben", das habe man in der Vergangenheit so noch nicht gehabt. Es würden sich Gelder auf den Konten ansammeln und der Anlage-Notstand und -Bedarf bei den Kunden wachsen, "um für eine Alternative zum Tagesgeld und zum Sparbuch zu schauen."

Je niedriger das Einkommen, desto stärker betroffen

Viele Leute wissen im Moment also gar nicht, was sie mit ihrem Geld machen sollen. Eine exklusive Umfrage von Infratest-dimap im Auftrag der ARD-Sendung PlusMinus [PDF - 183kb] zeigt, dass es in der Pandemie den meisten Menschen finanziell nicht schlechter geht als vor Corona.

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19.5.2021, 21.45 Uhr

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Demnach ist in knapp drei Vierteln der Haushalte das verfügbare Einkommen gleichgeblieben oder sogar gestiegen. Rund ein Viertel hat dagegen weniger Geld zur Verfügung – und je niedriger das Einkommen, desto stärker sind die Menschen betroffen. Diese ungleiche Verteilung der Lasten in der Corona-Pandemie hat auch Wirtschaftswissenschaftler Andreas Hackethal vom House of Finance an der Frankfurter Goetheuniversität festgestellt: "Das ist das harte an dieser Pandemie - dass es ökonomisch, aber auch gesundheitlich immer zwei Gruppen gibt." Die einen würden es kaum merken und mit der Situation hervorragend zurecht kommen, die anderen seien besonders hart getroffen, weil sie krank würden oder ihre Existenz wegfalle. "Das ist Zufälligkeit, aber auch Ungerechtigkeit dieser Krise."

Die rund 20 Millionen Rentner bekommen ihre Rente unverändert. Beamte, aber auch viele Angestellte in Kliniken, Pflegeheimen, im Lebensmittel-Einzelhandel oder der Industrie arbeiten unverändert weiter – ohne Einbußen. Aber viele Beschäftigte in Hotels und Gaststätten, im Veranstaltungsgewerbe oder im Textileinzelhandel sind in Kurzarbeit, teilweise seit Beginn der Pandemie, oder haben sogar ihren Job verloren.

Es geht um die Existenz

Ann-Sophie Przyludzki ist Junior-Chefin im Hotel und Restaurant Kronenhof im Weserbergland in Nordhessen. Der monatelange Lockdown habe alle Rücklagen aufgezehrt, sagt sie, Kredite seien nötig gewesen und müssten zurückgezahlt werden.

Deshalb habe sie sich mit ihrer Familie dazu entschlossen, die Preise für Essen und Übernachtung leicht zu erhöhen, anders sei es nicht gegangen: "Zum einen natürlich, um Verluste aus dem letzten Jahr irgendwie zu kompensieren. Da geht es aber nicht um Gewinnmaximierung, sondern eher um die Existenzsicherung. Zum anderen auch, um unsere Angestellten zukünftig weiterhin fair entlohnen zu können." Sie hätten lange Zeit unter der Kurzarbeit gelitten, auch die Trinkgelder seien weggebrochen. Jetzt will Ann-Sophie Przyludzki verhindern, dass das Hotel wegen Corona am Ende schließen muss.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 19.5.2021, 6 bis 9 Uhr

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