EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

Die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat ein sehr ehrgeiziges Ziel: Bis 2050 soll die EU klimaneutral werden. Ein Mammutprojekt, denn die Klimawende gibt es nicht umsonst.

Eine Billion Euro klingt nach einer unfassbaren Summe – aber ist das realistisch?

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Absolut. Die Summe soll eingesetzt werden, um die Erderwärmung zu stoppen. Natürlich nicht auf einmal, sondern auf mehrere Jahre gestreckt. Von der Leyen fordert diese Summe für ihre Legislaturperiode, also für die kommenden fünf Jahre. Die FAZ hat sogar berichtet, dass die EU pro Jahr 300 Milliarden Euro veranschlagt – bis zum Jahr 2030. Das wären dann unvorstellbare drei Billionen Euro. Diese Zahl wurde allerdings dementiert.

Die Pläne sind noch nicht festgezurrt, aber klar ist, dass die EU tatsächlich pro Jahr 180 Milliarden Euro investieren muss, um den Klimazielen gerecht zu werden und die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Da geht es um Investitionen in Straßen, Gebäude, Energie oder in die Mobilität.

Wo sollen die 180 Milliarden Euro herkommen, die für Investitionen jährlich gebraucht werden?

Die genauen Pläne liegen noch nicht auf dem Tisch. Aber so wie es aussieht, soll die Hälfte der Summe direkt von der EU kommen – die andere Hälfte sollen die Mitgliedstaaten und der Privatsektor stemmen. Und da wird es spannend, denn schon seit langem – also schon lange vor Ursula von der Leyens Klima-Plänen – hat die EU den Finanzsektor in ihre Klima-Planung miteinbezogen.

Denn da kommt ja schließlich das Geld her. Die EU will den Finanzsektor deshalb sozusagen auf 'Nachhaltigkeit' trimmen. An alle Produkte sollen nachhaltige Kriterien angelegt werden. Der Sektor ist also bei der Klimawende ein sehr wichtiger Hebel.

Von nachhaltigen Geldanlagen hört man immer öfter. Aber ist da wirklich was dran?

Ja, es ist was dran – aber es ist noch sehr viel Luft nach oben. Das Thema wird in der Finanzbranche fast schon gehypt: Jeder will sich inzwischen einen grünen Anstrich geben, weil auch die Kundschaft danach fragt. Die Wachstumsraten bei Fonds, bei Anleihen, sind auch enorm, aber im Vergleich zu normalen Geldanlagen, die mit Klimaschutz überhaupt nichts zu tun haben, ist es bisher nur ein Bruchteil.

Eine Hausnummer: Der weltweite Anleihemarkt, also der Markt mit festverzinslichen Wertpapieren, hat ein Volumen von 100 Billionen Dollar – das sind 100.000 Milliarden. Davon machen Green Bonds, also Ökoanleihen, die für Investitionen in Klimaschutz verwendet werden, gerade mal 760 Milliarden aus. Hört sich viel an, ist aber weniger als ein Prozent. Trotzdem: Die Richtung stimmt - nachhaltige Geldanlagen nehmen Fahrt auf.

Wie kann man wissen, dass eine Geldanlage wirklich 'grün' ist?

Das ist tatsächlich ein großes Problem. Nicht immer ist der Inhalt grün, auch wenn es auf dem Etikett steht. Es gibt einige Fonds, die sich nachhaltig nennen, aber auch in die Öl- oder in die Waffenindustrie investieren. Die EU hat dieses Problem aber erkannt und arbeitet – zusammen mit Experten  - an einer sogenannten Taxonomie, um genau zu definieren, was nachhaltig ist.

Das muss man sich wie ein Gütesiegel vorstellen. Damit sollen dann auch Fondsmanager oder Banken arbeiten, die auch Kredite an Unternehmen vergeben. Geld für den Klimaschutz ist also auf jeden Fall da – die Politik muss aber die passenden Weichen stellen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 29.11.19, 15-18 Uhr

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