Hassan Rouhani, Präsident des Iran

Die USA haben neue Sanktionen gegen den Iran verhängt. Das Land sei einer der größten staatlichen Unterstützer von Terrorismus, so die Begründung. Stimmt das?

Neu ist der Vorwurf nicht, dass der Iran Spitzenreiter in Sachen Terrorismusunterstützung ist. Seit 1984 steht das Land ganz oben auf der Liste des amerikanischen Außenministeriums. Dort ist aufgelistet, welches Land in letzter Zeit als Unterstützer des internationalen Terrorismus aufgefallen ist und was in naher Zukunft diesbezüglich von diesem Land zu erwarten ist.

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Momentan stehen außerdem Syrien, Sudan und Nordkorea darauf und so schnell scheint sich die Meinung der amerikanischen Regierung hier auch nicht zu ändern. Daran lassen die jüngsten Aussagen des amerikanischen Außenministers Mike Pompeo keinen Zweifel. Er meinte, Iran sei der weltweit wichtigste Sponsor des Terrorismus - das bedeutet konkret, der Iran soll Waffen und Gelder für Terroristengruppen und fast dreißig schiitische Milizen im Libanon, Syrien, im Irak und Afghanistan bereitgestellt haben.

Geheimdienstler zweifeln an Auffassung der Regierung

Doch es gibt durchaus Stimmen, die an dieser Auffassung zweifeln: So hat eine Gruppe ehemaliger US-Geheimdienstler zum Beispiel die Regierung aufgefordert, diese Behauptung zu belegen. Zwar habe sich der Iran der Anwendung terroristischer Methoden schuldig gemacht, aber das war 1981 und nicht 2018. In den Anfängen der islamischen Republik arbeiteten iranische Agenten durchaus mit Autobomben, Entführung und Ermordung von Dissidenten und amerikanischen Bürgern. Das ist laut Aussage der US-Geheimdienstmitarbeiter schon seit vielen Jahren nicht mehr der Fall.

Sieht man sich den Jahresbericht des State Department genauer an, tauchte kaum ein Terroranschlag auf, der vom Iran oder im Namen des Iran ausgeführt wurde. Und ein Blick in die Geschichte des Landes zeigt: Die mehrheitlich schiitische Regierung hat lange Jahre die ebenfalls schiitische Terrororganisation Hisbollah unterstützt, die Beziehung des Iran zur Hisbollah hat sich jedoch verändert. In den ersten Jahren der islamischen Republik war die Hisbollah häufig eine Art Stellvertreter oder Auftragnehmer des Iran, aber in den letzten zwanzig Jahren wurde sie zu einer eigenständigen Einheit und politischen Kraft.

Auch interessant ist diese Tatsache: Die letzte Ausgabe des Global Terrorism Index, herausgegeben vom US-Heimatschutzministerium, zeigt - von vierzehn Gruppierungen, die die amerikanischen Geheimdienste als aktive Gegner der USA eingestuft hatten, waren dreizehn Sunniten und keine Schiiten, und wurden nicht vom Iran unterstützt - dagegen teilweise zum Beispiel von Saudi Arabien, aber dieses Land steht nicht auf der Liste der Länder, die Terrorismus unterstützen.

Sendung: hr-iNFO, 25.9.2018, 16:30 Uhr

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