Donald Trump und Kim Jong-un

Eine Welt ohne Atomwaffen – heute wird zumindest mal wieder darüber geredet, wenn US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim sich in Hanoi treffen. Dass die beiden ehemaligen Erzfeinde sich inzwischen annähern, ist eine Entwicklung, die schon vor Jahren begonnen hat.

Drohungen und Misstrauen prägen das Verhältnis der beiden Staaten, zwischendurch aber auch immer mal wieder kurze Phasen der Annäherung. So wie Anfang der 90er Jahre: Als die Sowjetunion zusammenbricht, ziehen die USA ihre Atomwaffen aus Südkorea ab. Ohne die sowjetische Schutzmacht im Rücken, erklärt sich Nordkorea bereit, sein Atomprogramm einzufrieren.

Doch der Frieden hielt nur kurz. Als ein US-Hubschrauber über Nordkorea abgefangen wird, bricht das alte Misstrauen wieder auf. Eiszeit, Erzfeind – die Umschreibungen der Beziehung zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten sind seitdem schon ziemlich deftig. Maßgeblich dazu beigetragen hatte auch George W. Bush. Seine Formulierung von der Achse des Bösen 2002 ist ja schon fast legendär. Bush bezeichnet Nordkorea als Land, das Massenvernichtungswaffen entwickelt, während die Bevölkerung hungert.

Sanktionen ohne Wirkung

Als Nordkorea 2006 eine Atombombe testet, beginnt die Spirale der UN-Sanktionen. Zum Beispiel werden Öl-Einfuhren in das Land gedeckelt, Ausfuhren von Lebensmitteln ganz verboten. Als Barack Obama 2008 Präsident der USA wird, keimt kurz Hoffnung auf. Obama träumt von einer Welt ohne Atomwaffen, wird sogar mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Doch Nordkorea provoziert immer wieder mit Atomtests, Obama klingt desillusioniert: "Das Regime in Nordkorea muss wissen: Sie werden nur Sicherheit und Wachstum erreichen, wenn sie ihre internationalen Verpflichtungen einhalten, und Drohungen werden sie nur weiter isolieren. Wir werden die Führung übernehmen, auf solche Drohungen zu reagieren."

Ab 2013 nähern sich die Sanktionen der USA gegen das Kim-Regime ihrem Höhepunkt. Sie sollen verstanden werden als Strafe für die Atomtests. Die es aber auch danach wieder gibt – so wie 2016 den Test der fünften und bis dahin stärksten Atombombe. Begleitet von Jubel-Arien im Staatsfernsehen.

"Mit Feuer und Zorn"

Im UN-Sicherheitsrat setzen sich die USA an die Spitze einer Bewegung, die immer schärfere Sanktionen fordert - und auch durchsetzt, sogar mit Unterstützung von China und Russland. Reiseverbote werden verhängt, Schiffe kontrolliert. Am Unabhängigkeitstag der USA im Juli 2017 zündet das Regime in Pjöngjang eine ballistische Langstreckenrakete. Dem neuen US-Präsidenten Trump platzt der Kragen. Er reagiert mit einer Militärübung und sagt, die Ära der strategischen Geduld sei zu Ende: "Nordkorea sollte den USA besser nicht mehr drohen, das wird mit Feuer und Zorn beantwortet, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat."

Nach der zehnten Sanktionsrunde Ende 2017 ist vom schärfsten Sanktionsregime in der Geschichte der Vereinten Nationen die Rede. Allerdings wird vor gut einem Jahr auch deutlich, dass immer mehr Firmen und Nationen die Sanktionen bewusst unterlaufen - genau wie Nordkorea selbst.

Und heute: Skepsis bei vielen, Optimismus bei Donald Trump. Während sich sein Vorgänger Barack Obama noch auf einen möglichen Krieg eingestellt habe, sei die Gefahr heute – Trump sei Dank - viel kleiner. Er freue sich darauf, den Vorsitzenden Kim zu sehen. "Wir haben eine gute Beziehung zueinander aufgebaut", so Trump, "was es vorher nie zwischen ihm und seiner Familie und den Vereinigten Staaten gab." Ob die Vorfreude berechtigt war, wird sich beim Treffen in Hanoi zeigen.

Sendung: hr-iNFO, 27.2.2019, 06:10 Uhr

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