Verliebte
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Wir haben Schmetterlinge im Bauch, laufen grinsend durch die Gegend und können nicht mehr schlafen. Ganz klar: Wir sind verliebt, bis über beide Ohren. Und in diesem Spruch steckt wohl auch die ganze Wahrheit, denn Liebe hat vor allem mit dem Kopf zu tun.

Nur drei Sekunden dauert es, bis wir uns verlieben. Auf was wir bei einem Menschen reagieren, ist vielfältig und kulturell bedingt. Wichtig sind das Aussehen und die Duftstoffe, die Pheromone. In ihnen steckt nämlich eine wichtige Botschaft, weiß hr-iNFO-Wissenschaftsredakteur Stephan Hübner: "Wenn wir uns in jemanden verlieben, dann optimal in jemanden, der ganz andere Gene in sich trägt als wir das tun".

Denn es gehe eigentlich darum, einen Sexualpartner zu finden, mit dem man auch Kinder zeugt. "Und wenn sich dann möglichst unterschiedliche Gene miteinander vermischen, dann kommen hinterher Kinder raus, die gesund sind, die fit sind, die ein gutes Immunsystem haben, wenig krankheitsanfällig sind. Und ob man da auf der richtigen Spur ist, das entscheidet dieses Abgleichen der Pheromone im Gehirn."

Und genau dort geht es dann auch weiter. Unsere Drüsen im Kopf schütten einen riesigen Cocktail an Hormonen aus. "Endorphin und Cortisol, die sind für die Glücksgefühle, für den Liebesrausch, aber auch für das grenzenlose Wohlbefinden zuständig", so Hübner.

Liebende geradzu psychisch krank

Für das Gefühl der Euphorie sorgt das Dopamin. Das Hormon Adrenalin lässt unser Herz rasen, die Knie werden weich, wir haben Schmetterlinge im Bauch, sagt Hübner: "Normalerweise ist Adrenalin ein Stresshormon, das in Angriffs- und Fluchtsituationen ausgeschüttet wird". Bei der Liebe handele es sich aber um positiven Stress. "Das Adrenalin ist im Übrigen auch dafür verantwortlich, dass wir so wirken, als ob wir die Vernunft ausgeschaltet haben und sehr instinktiv handeln - also dafür, dass man blind vor Liebe werden kann."

Liebende sind meist völlig besessen. Sie vergessen die Zeit, bekommen einen Tunnelblick und denken nur noch an den einen Menschen. Für diesen Zustand ist das Serotonin verantwortlich. Erstaunlicherweise sinkt dieses Hormon, das den Menschen sonst sehr zufrieden macht. Aber genau dadurch wird der Liebende so neurotisch und geradezu psychisch krank.

Und wie heißt es so schön? Liebe ist die schönste Droge der Welt. "In der Tat erzeugt das Verliebtsein auch einen ganz angenehmen Rauschzustand, ganz ohne Nebenwirkungen", sagt Hübner. "Und es sind auch beim Verliebtsein dieselben Gehirnregionen aktiv wie bei einer Suchterkrankung, also ganz egal ob Rauschgift oder Alkohol."

Ein Parfum für die Treue

Die Natur hat aber noch mehr im Repertoire der Hormonmischung. Nach dem Verliebtsein soll schließlich die echte Liebe kommen. Damit das funktioniert, wird der Liebescocktail mit zwei weiteren Hormonen angerührt. Sie heißen Vasopressin und Oxytocin. Die Vertrauens- und Kuschelhormone entstehen, wenn sich Paare berühren und Liebe machen.

"Je mehr davon ausgeschüttet wird, desto mehr binden wir uns", so Hübner. "Man kann sagen, da steckt die Treue drin, die Liebe drin, und es gibt sogar in den USA Parfums mit diesem Oxytocin, mit dem man das Vertrauen zwischen Partnern steigern möchte." Davor allerdings warnen viele Wissenschaftler: Oxytocin wirkt von außen manchmal ganz anders als von innen. In Sachen Liebe sollte also lieber das Hirn für die richtigen Botenstoffe sorgen.

Sendung: hr-iNFO, 14.02.2019, 17:50 Uhr

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