Ein SUV überholt einen Radfahrer mit extrem geringem Seitenabstand.

Wohl kaum ein Fahrzeug polarisiert so sehr wie der SUV. Und dennoch steigt die Zahl der Neuzulassungen stetig: 2019 waren es erstmals über eine Million. Warum setzen so viele Menschen auch in Städten auf die großen Vehikel?

Allein in Frankfurt, einer vergleichsweise engen und dicht bebauten Stadt, fahren über 30.000 SUV und Geländewagen durch die Straßen. Das gefällt nicht jedem: "Ich finde sie furchtbar hier in der Stadt. Zu groß. Brauchen wir doch gar nicht", sagt ein Frankfurter. Ein anderer findet sie "toll, sehen super aus, sind schick. Aber ich würde mir so ein Ding nie kaufen wegen dem Benzinverbrauch." Außerdem würden sie die Umwelt verpesten und nähmen Riesen-Parkplätze ein.

Neid der Besitzlosen?

Bei der Zufallsumfrage im Stadtteil Bornheim überwiegen die kritischen Stimmen, oft wird SUV-Fahrern mangelndes Umwelt-Bewusstsein unterstellt. In der Sendung "Engel fragt" konfrontierte hr-Moderator Philipp Engel kürzlich eine SUV-Fahrerin mit diesem Vorurteil. "Sollen die Leute denken, wie sie wollen", sagt sie. SUV-Fahrer würden zu Unrecht "gedisst", aber das sei schon immer so gewesen: "Wenn ein Mensch ein schönes Auto gefahren ist, gerade wenn da eine Frau am Steuer ist, heißt es doch immer: 'Aber ein großes Auto fahren ...'.

Ist es nur der Neid der Besitzlosen? Eine andere SUV-Fahrerin kann Umwelt-Bedenken zwar nachvollziehen, aber: "Das war tatsächlich einmal mein Traum, einmal eine etwas andere Sichthöhe und Einstiegshöhe zu genießen. Wenn man mit Ach und Krach 120 Stundenkilometer auf der Autobahn hinbekommen hat in einem Kleinwagen, wo man Angst hatte, dass einem alles auseinanderfliegt, gibt einem so ein Wagen schon ein etwas anderes Gefühl."

Bessere Sitzposition und mehr gefühlte Sicherheit

Eine komfortable Sitzposition und mehr gefühlte Sicherheit – zwei Argumente, die offenbar für immer mehr Kunden den Ausschlag geben. Ob Kompakt-SUV oder die Luxus-Ausgabe mit 2,5 Tonnen Gewicht - der Absatz der Autos steigt und steigt, seit Toyota vor 25 Jahren mit dem RAV4 das erste Modells dieser Art auf den deutschen Markt brachte.

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Zum Artikel "Das Wort SUV wurde als Feindbild aufgebaut"

SUV werden im Opel-Werk in Eisenach montiert.
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Längst mischen die deutschen Autohersteller mit in diesem Geschäft - und das soll auch so bleiben, wie VW-Chef Herbert Diess kürzlich auf der Automesse IAA erklärte: "Wir bauen Fahrzeuge, die müssen den Kunden gefallen. Die Kunden müssen diese Fahrzeuge wollen. Und da ist es einfach so, dass viele Kunden höher sitzen wollen, höhere Fahrzeuge bevorzugen. Wir müssen einfach sehen, dass diese SUV auch sehr viel nachhaltiger werden."

Keine ökologischen Bedenken

Auch Opel teilte auf hr-Anfrage mit, den SUV-Anteil an seiner Produktion noch weiter steigern zu wollen. Ökologische Bedenken hat das Unternehmen nicht, denn die Motoren seien sehr effizient, und bald werde von jedem Modell auch eine vollelektrische Variante angeboten.

Manchen SUV-Käufer schauen aber gar nicht erst auf die Öko-Bilanz. Für sie zählen andere Werte. Der stolze Besitzer eines 450-PS-Autos erklärte kürzlich im hr, er drücke solange auf die Tube, wie er noch dürfe: "Sag ich ganz ehrlich: Solang die Politik da nicht irgendeinen Riegel vorschiebt, verzichte ich auch nicht. Wenn das aber kommen sollte, ist es okay, dann würde ich mir auch entsprechend ein anderes Auto holen."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 11.12.2019, 15 bis 18 Uhr

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