Die Innenstädte müssen nun weitestgehend leer sein. So wie hier in der Barockstadt Fulda.

Leerstehende Geschäfte, verwaiste Gaststätten und kaum Menschen unterwegs: Das ist das Horror-Szenario für die Innenstädte nach dem Corona-Lockdown. Gerade in den kleineren und mittleren Städten wie etwa Herborn fürchtet man die Folgen. Einige Kommunen in Hessen machen aber schon vor, wie es anders gehen könnte.

Ursula Waschke schlendert gerade durch die historische Altstadt von Herborn in Mittelhessen. Sie bleibt vor dem Schaufenster eines kleinen geschlossenen Ladens in einem der vielen Fachwerkhäuser stehen. "Ich habe schon davor Angst, dass weniger Geschäfte vorhanden sind, dass es immer leerer wird, dass man weniger die Dinge in die Hand nehmen kann, sondern mehr Online kaufen muss."

Auch Philipp Flick macht sich Sorgen um "seine" Altstadt, in der er auch seit einigen Jahren wohnt: "Es ist natürlich langfristig eine sehr, sehr harte Situation, ob die Läden alle wieder aufmachen können. Ich glaube, dass Modeboutiquen es schwer haben werden." Er hofft, dass es hier nach Corona wieder so lebendig wird wie vorher.

Das hat er mit Bürgermeisterin Katja Gronau gemeinsam: "Herborn lebt wirklich von dieser Kleingastronomie in der Innenstadt und von den kleinen Läden, also es ist gemütlich und davon lebt Herborn. Die Innenstadt an sich möchte ich mir so gar nicht anders vorstellen, weil ich glaube, das wäre ein Frevel."

Konkurrenz durch Online-Handel wird bleiben

Seit dem Lockdown steht im Haushalt ihrer Stadt ein fettes Minus, es fehlen die Steuereinnahmen aus den geschlossenen Läden. Ähnlich geht es Gronaus Kollegen Marcus Dittrich in Bad Karlshafen, ganz im Norden Hessens: "Das schmerzt schon sehr, sowohl was die Entwicklung, die Belebung der Innenstadt als auch das Haushaltstechnische angeht, waren wir wirklich auf dem aufstrebenden Ast und dann hat uns Corona jetzt richtig zwischen die Beine gegrätscht."

Um die heftigsten Coronafolgen abzufedern, bekommen die Kommunen von der Landesregierung rund drei Milliarden Euro. Aber damit alleine ist es nicht getan. Denn auch wenn die Pandemie irgendwann mal zu Ende geht - die Konkurrenz durch den Online-Handel bleibt.

Events als Besuchermagneten

Deshalb braucht es in Zukunft mehr, um Menschen in die Innenstädte zu ziehen, sagt Johannes Heger, Geschäftsführer vom Hessischen Städte- und Gemeindebund. "Es geht um neue Nutzungen, eine Mischung, die Frage der Attraktivität, zum Beispiel Gastronomie, Kultur, Veranstaltungen. Generell dann auch Events in den Innenstädten zu veranstalten, um die Leute dann auch wirklich von der Innenstadt zu überzeugen."

Wie sowas funktionieren kann, zeigt Fulda. Seit einigen Jahren bringt Peter Scholz mit seinem Musical-Sommer zahlende Gäste aus aller Welt in die Innenstadt. "Durch diese win-win-Situation machen die Hotels auch für den Musical-Sommer Werbung und so macht eigentlich in Fulda jeder für jeden Werbung. Wir sind ja auch vom Einzelhandel abhängig, auch von der Gastronomie."

"Wie dreimal Weihnachten"

Die Stadt Eschwege veranstaltet mit dem Open Flair sogar ein eigenes Festival in direkter Innenstadtnähe. Auf hr-Anfrage teilt die Stadt mit, für die Innenstadt wirke das "wie Turbopower oder dreimal Weihnachten. Die Besucher geben pro Festivaltag bis zu 40 Euro aus. Das ergibt bei fünf Festivaltagen noch einmal etwa 3,5 bis 4 Millionen Euro Umsatz für unseren Einzelhandel."

Auch Herborn will in Zukunft mehr auf Events wie das örtliche Weinfest setzen und vor allem mehr Touristen in die Innenstadt locken. Damit Einzelhandel und Gastronomie auch nach Corona eine Chance haben.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 22.2.2021, 12 bis 15 Uhr

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