Pakete
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Durch den Boom im Onlinehandel fällt immer mehr Müll an - vor allem Pappe. Händler suchen nach Wegen, die oft überdimensionierten Pakete zu verkleinern. Doch das ist nicht ganz einfach.

Der Anstieg ist deutlich: Im Jahr 2000 wurden in Deutschland 1,7 Milliarden Pakete verschickt. In diesem Jahr dürften es fast 3,5 Milliarden Pakete sein. Also fast doppelt so viele. Die Dienstleister machen dafür vor allem den Boom beim Onlinehandel verantwortlich. Kein Wunder also, dass durch den Online-Versandhandel auch deutlich mehr Verpackungsmüll entsteht.

Dabei würden die Händler eigentlich gerne möglichst wenig Verpackungen verwenden, sagt Max Thinius,  der sich beim Versandhandels- und E-Commerce Verband mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst: "Das Thema Verpackung ist für den Händler natürlich sehr lästig, weil der Händler am liebesten gar keine Verpackung verwendet. Weil keine Verpackung bedeutet natürlich die meiste Ersparnis."

Produktverpackung = Versandverpackung

Viele Verbaucher dürften aber auch schon erlebt haben, dass ein realtiv kleines Produkt in einem sehr viel größeren Paket ankommt. Max Thinius sagt, das ändere sich. Bessere Daten zu den Artikeln, intelligentere Lagerhaltungsysteme und flexibelere Verpackungen könnten also den Verpackungsaufwand künftig pro Sendung verringern. Ein Trend geht auch dahin, dass die Produktverpackung gleichzeitig die Versandverpackung ist. Das bringt zumindest dann etwas, wenn nicht mehrere Dinge bestellt wurden.

Das ist aber für die Hersteller von Verpackungen wiederum eine Herausforderung. Kim Cheng, Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstitutes, sagt, früher sei klar gewesen, wie und wohin ein Produkt transportiert wird - etwa auf einer Palette in einen Supermarkt. Heute sei das nicht mehr so klar: "Weil man heute einfach nicht mehr weiß, wie das Produkt transportiert wird. Zum Beispiel in einer Versandverpackung eines Onlinehändlers mit X anderen Produkten. Hier die Verpackung richtig zu dimensionieren, damit sie allen Temperatur- und Druckbelatsungen standhält, ist extrem schwierig."

Verpackungsindustrie profitiert

Dennoch profitiert vor allem die Verpackungsindustrie vom boomenden Online Shopping. 2017 haben die deutschen Hersteller mehr als 7,8 Milliarden Quadratmeter Wellpappe  abgesetzt – damit könnte man fast die Insel Zypern bedecken. Das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig sind aber auch die Rohstoffpreise deutlich gestiegen. Kosten, die in der Regel an Händler und Konsumenten nur schwer weiterzugeben sind. Wohl auch deswegen sind moderne Pappkartons nach Angaben der Industrie deutlich umweltschonender. So kann man aus der gleichen Menge Holz 80 Prozent mehr Karton gewinnen als noch vor dreißig Jahren.

Industrie und Handel wollen künftig verstärkt auf Mehrwegversandverpackungen setzen, Systeme sind in der Entwicklung. Im Lebensmittelbereich gibt es das teilweise schon. Doch es gilt noch einige Fragen zu klären.:Wie kann etwa vermieden werden, dass sich die Kisten bei den Kunden stapeln? Und ist es sinnvoll, leere Verpackungen durch die Gegend zu fahren?

Sendung: hr-iNFO, 27.11.2018, 16:10 Uhr

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