eingeschweißte Salatgurken

In Deutschland wird immer mehr Verpackungsmüll produziert. Knapp die Hälfte davon stammt aus privaten Haushalten. Aber selbst wenn man als Verbraucher daran bewusst etwas ändern möchte, ist das leichter gesagt als getan. Ein Erfahrungsbericht.

Sind wir mal ehrlich: Sich heutzutage überhaupt nicht mit dem eigenen ökologischen Fußabdruck zu beschäftigen, ist nicht nur riskant, weil man sich schnell dem Zorn von besonders fleißigen Umweltaktivisten aussetzt, sondern es ist auch einfach bescheuert.

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Denn, auch wenn es abgedroschen klingt: Wir haben nur diese eine Erde und was dabei herauskommt, wenn wir sie zum Beispiel mit unserem Abfall zumüllen, sieht man ja an den Weltmeeren. Dort landen nämlich jedes Jahr rund zehn Millionen Tonnen Plastik. Und wir deutschen Verbraucher produzieren jährlich mehr als 100 Kilo Verpackungsmüll pro Kopf.

Umweltfreundliche Alternativen: ja bitte

Sich bewusst zu machen, dass man dieses große Gespenst Umweltschutz ein Stück weit selbst in der Hand hat, ist der erste Schritt. Das Problem ist aber, dass einem die Umsetzung nicht immer einfach gemacht wird.

Ich versuche seit einer Weile bewusst darauf zu achten, Verpackungen einzusparen. Oder umweltverträglichere Varianten zu nutzen: also Glasflaschen statt PET, die Pasta kaufe ich im Karton statt in Plastikpackungen.

In meiner Handtasche habe ich eigentlich immer einen kleinen Einkaufsbeutel dabei, den man schön praktisch zusammenfalten kann. Dann komme ich nicht in die Bredouille, eine Tasche im Supermarkt kaufen zu müssen. Denn auch das ist ja mittlerweile klar: Die Papiertüten an der Kasse sind keine wirklich gute Alternative zum Plastik.

Die Schizophrenie der Supermärkte

Aber wenn ich dann im Supermarkt stehe, habe ich letztlich das Problem, dass das, was in meinem umweltfreundlichen Beutel landet, alles andere als umweltfreundlich ist. Klar, beim Obst und Gemüse gibt es mittlerweile diese kleinen Netze – und wenn ich die vergessen habe, dann bin ich auch so konsequent, dass ich lieber nichts kaufe, statt auf die Verpackung zurückzugreifen.

Aber zum Beispiel beim Kauf von Wurst und Käse wird die Schizophrenie des vermeintlichen Umweltbewusstseins der Supermärkte so richtig deutlich. Denn ich kann zwar meine eigene Dose mitbringen, aber die Ware wird vorher trotzdem in so dünne Papierchen eingewickelt. Viel Verpackung gespart habe ich da also nicht.

Wenn das Umweltbewusstsein den Feierabend crasht

Und bevor jetzt Schlaumeier kommen und sagen: Dann geh halt zum Metzger und auf den Wochenmarkt! Das geht in meinem Fall sicherlich in Ausnahmefällen, aber die Öffnungszeiten haben sich leider bisher nicht an meine Arbeitszeiten angepasst.

Und klar, man kann das schon alles irgendwie hinbekommen: Ich könnte zum Bauer bei mir zwei Orte weiter fahren und da Milch abfüllen und Eier kaufen. Ich könnte auf dem Heimweg einen Umweg zum Unverpacktladen fahren und mir dort Nudeln und Reis mitnehmen.

Die Frage ist: Ist das dann noch umweltverträglich, wenn ich mit meinem Auto all diese Stationen abfahre? Oder bin ich am Ende - sollte ich mit dem ÖPNV fahren – vielleicht sogar so lange unterwegs, dass mein Umweltbewusstsein meinen ganzen Feierabend crasht? So wirklich befriedigend ist das alles nicht.

Umweltfreundlich aber teuer

Ganz zu schweigen von der Frage des Geldes. Denn umweltfreundliche Alternativen sind noch nicht so richtig flächendeckend vorhanden. Also ist das, was es gibt, oft auch noch ziemlich teuer.

Und so bleibt mir derzeit erstmal nur, mein Bestes zu geben, um meinen eigenen Verpackungsmüll zu reduzieren. Und darauf zu hoffen, dass die Hersteller und Verkäufer meine Bereitschaft in Zukunft noch ein bisschen besser unterstützen.

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Der Standpunkt gibt grundsätzlich die Meinung der Autorin und nicht die der Redaktion wieder.

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Sendung: hr-iNFO, 18.11.19 15-18 Uhr

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