Eine Lehrerin unterrichtet in einer Schule in Sindelfingen (Baden-Württemberg). (dpa)

Trotz steigender Inzidenzen sollen die Schulen offen bleiben. Aber wie wären sie inzwischen aufgestellt, falls es doch anders kommt? Was Videokonferenzen angeht, herrscht noch immer bunte Vielfalt. Ein einheitliches System gibt es auch nach knapp zwei Jahren Pandemie nicht.

Stefan Hein, der Schulleiter der Darmstädter Eleonorenschule, setzt auf Open Source. Das heißt, seine Schule nutzt ein Videokonferenz-System, hinter dem kein kommerzieller Konzern steckt. BigBlueButton heißt es und inzwischen ist es in Darmstadt auch das System der Wahl, denn die Stadt als Schulträger stellt es ihren Schulen auf einem eigenen Server zur Verfügung.

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Wie lange geht das gut? Der Präsenz-Unterricht an Schulen

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"Wir können sehr gut mit dem System arbeiten", sagt Hein. Man erreiche die Ziele, die man im Distanzunterricht habe. "Ich würde mal sagen, es ist ein relativ einfaches Videokonferenz-System ohne viel zusätzlichen Schnickschnack, aber mit allen Funktionen, die man benötigt, um in Distanz unterrichten zu können."

Ab 30 Teilnehmern ruckelt es

Während das Darmstädter Gymnasium von Anfang an mit BigBlueButton gearbeitet hat, hat die Gutenberg-Gesamtschule in Darmstadt-Eberstadt auch andere Anbieter ausprobiert, sagt Arne Huwald, der Leiter des Haupt- und Realschulbereichs: "Wir haben angefangen mit Zoom, das lief sehr stabil, wurde dann aber aus Datenschutzgründen verboten. Genau das gleiche mit Teams: Teams ist speziell bei größeren Gruppen sehr, sehr zuverlässig gewesen, bietet wesentliche Funktionen, wo auch die Schüler zusammenarbeiten können." Die biete BigBlueButton so nicht, aber es sei eben das einzige System, das nach ihrem Kenntnisstand bisher zugelassen sei.

Zwar lief der Distanzunterricht dann auch mit BigBlueButton ganz gut, überzeugt ist Arne Huwald aber nicht. "BigBlueButton ist sehr abhängig vom Server und von Prozessoren. Das heißt, ab 25, 30 Teilnehmenden heißt es immer, machen Sie bitte ihren Bildschirm aus beziehungsweise ihre Kamera, auch um die Daten zu begrenzen." Man könne beim kollaborativen Lernen auch nicht sehen, wer was geschrieben habe. "Das heißt, ich weiß nicht, welches Kind jetzt gerade seine Meinung ausgedrückt hat, ich kann es nicht speichern." Man könne das über Tricks machen, aber das sei eigentlich nicht seine Aufgabe, sagt Huwald. "Ich will unterrichten, ich will nicht rumtricksen."

Hier erlaubt, dort verboten

Ganz anders stellt sich die Situation für die benachbarten Schulen im Landkreis Darmstadt Dieburg dar. Dort hat der Schulträger sein Okay für das Arbeiten mit Microsoft Teams gegeben und stellt dafür auch einen Server zur Verfügung. Dirk Karl Pilgram, der Schulleiter der Lichtenbergschule, einer IGS in Ober-Ramstadt, ist begeistert von den vielen Möglichkeiten, die sich dadurch bieten.

"Wir brauchen ein System, das sowohl die Möglichkeit beinhaltet, in Videokontakt zu treten, was ja über Teams möglich ist, auch relativ einfach mit Terminsetzungen arbeitet, was dann über Outlook gleichzeitig die Möglichkeit des E-Mail-Kontakts bietet", so der Schulleiter. Weiterhin brauche es die Möglichkeit, Dateien und Arbeitsergebnisse hochzuladen und sie zu bewerten oder Umfragen schnell und niederschwellig zu erstellen. Auch das sei mit diesem Paket machbar.

Wichtig: einfach zu bedienen und stabil

Allerdings gibt es im Landkreis auch das Open-Source-Modell BigBlueButton. Das kam als Parallelsystem dazu, als die Diskussionen um den Datenschutz losgingen, berichtet der Schullleiter. Vor allem für Besprechungen außerhalb des Unterrichts sollen die Schulen es nutzen. "Spannend in den Zusammenhang finde ich, dass das Ministerum selbst kein BigBlueButton nutzt", sagt Pilgram. "Da frage ich mich natürlich: Warum hat man es den Schulen aufs Auge gedrückt, nutzt es aber selbst nicht mehr?"

Von Angst vor einem weiteren Systemwechsel auf ein dann möglicherweise hessenweit einheitliches Programm hat niemand an den Schulen gesprochen. Dass es ruhig etwas mehr können darf, darin sind sich alle einig. Ganz wichtig ist aber: Was auch immer kommt, es muss sich gut in die bestehenden Systeme einfügen lassen, muss leicht zugänglich sein, einfach zu bedienen und stabil laufen.

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