Reisende mit Koffern stehen vor einem Corona-Testzentrum auf dem Flughafen in München an. (dpa)

Doppelt Geimpfte können die Diskussion über Reiserückkehrer bislang relativ entspannt verfolgen. Doch auch bei ihnen besteht die Gefahr, das Virus mit zurückzubringen. Experten wie der Virologe Marko Binder fordern deshalb eine Testpflicht auch bei vollständig Geimpften.

Wenn Menschen deutlich erkranken, werden Impfdurchbrüche offensichtlich. Aber das ist eher selten bei Geimpften, die keine Vorerkrankungen haben. Meistens verlaufen die Infektionen fast symptomlos und bleiben unentdeckt. Manchmal hilft der Zufall, weil es zum Beispiel einen Ausbruch in einer Schulklasse gibt und man alle durchtestet. Und ausgerechnet der doppelt geimpfte Lehrer der Patient ist, der das Virus in die Klasse eingebracht hat.

Diese wahre Geschichte erzählt der Molekular-Virologe Marko Binder aus Heidelberg: "Nur durch diesen indirekten Nachweis merkt man dann, dass es tatsächlich ein Impfdurchbruch war und eine geimpfte Person nicht nur sich selbst angesteckt hat, sondern dann sogar das Virus so gut und effizient in sich vermehrt hat, dass es ausreichte, um noch mehrere andere Personen im Umfeld anzustecken."

Verzicht auf Testung ist "fahrlässig"

Geimpfte müssen sich ohne Anlass in der Regel nicht testen lassen, das gilt bislang auch für geimpfte Reiserückkehrer. "Wir sehen aber tatsächlich schon, dass Reiserückkehrer gehäuft dazu beitragen, Infektionen nach Deutschland zu bringen", sagt Binder. "Es ist natürlich keine Hauptquelle an Infektionen, aber wir sehen schon einen Anstieg. Und das liegt sicherlich auch darin begründet, dass wir bei den Geimpften und Genesenen komplett auf die Testung verzichten, auch wenn sie aus Hochrisikogebieten kommen."

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer bezeichnet das im Morgenmagazin von ARD und ZDF vor wenigen Tagen als fahrlässig. Denn die Impfung gegen das Sars-Cov-2 Virus bringt keine sterile Immunität wie beispielsweise die Masern-Impfung: Einmal geimpft, kann man sich und andere nicht mehr anstecken. Die Corona-Impfung wird in der Regel zwar dafür sorgen, dass man selbst zum Beispiel keine Lungenentzündung bekommt, weil das Immunsystem die T-Zellen ins Rennen schickt, die infizierte Zellen abtöten. Aber mit schwachen Antikörpern kann es zu einer Infektion in den oberen Atemwegen kommen und es besteht das Risiko, andere durch Spechen, Husten, Niesen oder Singen anzustecken. Die Prognose von Molekular-Virologe Marco Binder: "Der Schutz vor Ansteckung Dritter wird weniger lange anhalten als der Schutz vor eigener Erkrankung."

Delta-Variante spielt vermutlich eine Rolle

Die Zahl der Impfdurchbrüche steigt, das ist zum Teil Statistik – mehr Impfungen bedeuten in absoltuten Zahlen auch mehr Impfdurchbrüche. Marco Binder vermutet, dass aber auch die Delta-Variante eine Rolle spielt. Denn sie erzeugt grundsätzlich eine viel höhere Viruslast: "Die Varianten können durchaus für einen Teil dieses Effekts verantwortlich sein. Mit Delta haben wir sicher mehr Impfdurchbrüche als mit anderen Varianten und wer weiß, was für Varianten in Zukunft noch kommen."

Wie also umgehen mit geimpften oder genesenen Reiserückkehrern? Marco Binder spricht sich für Tests aus: "Es macht Sinn, da wir bei doppelt Geimpften mittlerweile relativ häufig Infektionen sehen und nicht ausschließen können, dass diese Infektionen auch ansteckend sind und damit diese doppelt geimpften Personen zur Verbreitung des Virus beitragen können. Von daher bin ich für diesen Vorschlag durchaus aufgeschlossen, dass Reiserückkehrer - egal wie der Impfstaus ist - sich testen lassen sollten, um auszuschließen, dass übermäßig viele Fälle eingetragen werden nach der Urlaubssaison."

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