Zwei leere Stühle im Impfzentrum in Frankfurt

Rund ein Drittel der Hessinnen und Hessen ist nicht gegen das Coronavirus geimpft. Durch das 2G-Modell, kostenpflichtige Tests und den Wegfall der Lohnfortzahlung im Quarantänefall wird der Druck auf sie erhöht. Aber kann es so gelingen, die Impfquote zu steigern?

Damit hatte keiner gerechnet: Kaum hat das Riesen-Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle geschlossen, weil dort oft nur noch gähnende Leere herrschte, gab es auf einmal einen kleinen Run auf die Spritzen. Vor dem Nachfolge-Impfzentrum in einer viel kleineren Messehalle haben sich zu Wochenbeginn lange Warteschlangen gebildet.

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Zum Artikel Impfdruck rauf, Entscheidungsfreiheit runter: Was bringen die neuen Coronaregeln?

Ein Banner mit der Aufschrift "Zeig dem Virus die Spritze: Jetzt impfen lassen" hängt an einer Brücke, die über eine Straße führt.
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Wer den Impfschutz möchte, hat ihn schon

Er habe sich jetzt einen Ruck gegeben, sagt ein Mann um die 60: "Ich hab's verschlafen im Endeffekt, weil ich mich immer wohlgefühlt habe. Aber mein Umfeld hat mich so gedengelt und jetzt hab ich mich halt entschlossen, doch hinzugehen." Bei einer Frau aus Darmstadt ist es genau umgekehrt: "Mein Bruder ist total dagegen, weil er die Politik sehr streng verfolgt." Er rate ihr vom Impfen ab und auch viele andere in der Familie und im Bekanntenkreis seien "wirklich dagegen". Entscheidend sei aber, was ihr Chef wolle. "Es geht nur um den Arbeitsplatz - nicht für die Regierung oder für andere. Einfach für mich und meine Arbeit würde ich mich impfen lassen."

Wer den Impfschutz wirklich selbst möchte, aus eigenem Antrieb, der hat ihn offenbar schon. Die anderen reagieren hauptsächlich auf äußeren Druck - auf finanziellen zum Beispiel, sagt Daniel Hermreck vom Deutschen Roten Kreuz in Heuchelheim bei Gießen. Er hat schon viele Impfaktionen begleitet. "Also überzeugen lassen sich momentan wirklich nur noch die, die dem Kostenfaktor entgegensehen, dass sie die Tests selber bezahlen müssen." Hin und wieder erreiche man auch noch Menschen, an denen die Impfappelle bisher schlicht vorbeigegangen seien – wegen mangelnder Deutschkenntnisse etwa.

Angst als Strategie funktioniert nicht

Dabei haben noch längst nicht alle Risikogruppen den Impfschutz, auch nicht die Älteren über 60. Allein in Hessen ist eine Viertelmillion Menschen aus dieser Altersgruppe laut RKI noch ungeimpft. Fachleute wie der Frankfurter Virologe Martin Stürmer gehen davon aus, dass Ungeimpfte sich früher oder später mit Corona infizieren werden. Und auch leichte Verläufe seien nicht ohne, warnt Stürmer: "Weil wir das Long-Covid-Syndrom zwar schon kennen, aber noch nicht vollumfänglich begriffen haben. Also das ist meiner Meinung nach jetzt schon ein hohes Risiko, einfach auch die Infektionen insgesamt durchlaufen lassen, weil ich gar nicht weiß, was ich mir in den nächsten Jahren damit an Problemem beihole."

Doch mit der Strategie, Angst zu machen, Angst vor den Folgen einer Infektion, kommt man bei vielen offenbar nicht weiter – jedenfalls nicht bei der Frau aus Darmstadt, die noch ungeimpft ist: "Ich bin Risiko, weiß ich, ich habe eine chronische Bronchitis, aber ich hab keine Angst", sagt sie. Zwei Wochen will sie mit der Impfung noch warten, bis die Corona-Schnelltests dann Geld kosten und die Lohnfortzahlung bei Quarantäne wegfällt.

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