Frau mit Kopftuch an türkischen Wahlurnen in Hessen
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In der Türkei wird am Wochenende gewählt. Auch einige Deutsch-Türken aus Hessen gehen zu den Wahlurnen. Wie nehmen sie die Wahl wahr?

Hilime Arslaner-Gölbasi freut sich auf die Wahl am Sonntag, sie freut sich vor allem auf einen möglichen Umschwung. Ihre Hoffnung liegt auf dem Erdogan-Herausforderer Muharrem Ince von der größten Oppositionspartei CHP. "Viele sagen, jetzt ist die Chance da. Durch einen Begriff, den Erdogan selbst in Spiel geworfen hat: "Tamam", das heißt es reicht. Jetzt wird auch viel damit gespielt. Erdogan hat ja auch gesagt: Wenn man Volk sagt, es reicht, dann ziehe ich mich auch zurück. Und jetzt sagen viele es reicht. Und jetzt gibt es eine Alternative, was in den Wahlen vorher nicht so gesehen wurde. Und deswegen gibt es jetzt eine Euphoriestimmung", sagt Arslaner-Gölbasi.

Die sich auch unter Deutsch-Türken verbreite, erzählt die Grüne Kommunalpolitikerin aus Frankfurt. Auch ohne türkischen Pass ist sie doch nah dran an der Wahl. "Zum einen habe ich auch noch Familie in der Türkei. Und zum anderen haben wir auch noch unsere Partnerstadt in der Türkei, Eskisehir. Da habe ich auch direkte Kontakte. Habe auch mit Freude festgestellt, dass zwei Dezernentinnen, die ich seit vier Jahren kenne, Kandidatinnen sind bei der CHP", sagt Arslaner-Gölbasi.

"Ruhiger und besonnener"

Hüseyin Kurt ist Mitglied im Kommunalen Ausländerparlaments Frankfurt. Anders als die Grüne Kommunalpolitikerin fiebert er nicht einem Sieg des Oppositionslagers entgegen. "In meinem Bekanntenkreis sind die Leute ganz locker. Wir haben eine Regierung, die seit 16 Jahren an der Macht ist und wenn die böse Absichten hätten, wie hier oft dargelegt wird, hätte sie schon längst Gelegenheit gehabt, diese tatkräftig umzusetzen", sagt Kurt.

Der Ton zwischen deutschen und türkischen Politikern habe sich gegenüber 2017 wohltuend beruhigt, sagt Kurt. Damals ging es um das Referendum für eine neue Verfassung. Und um Auftritte türkischer Politiker in Deutschland. "Wahrscheinlich ist das auch ein Grund, weil die Autritte der Politiker aus der Türkei nicht stattgefunden haben. Das hat dazu beigetragen, dass es insgesamt ruhiger und besonnener war", sagt Kurt.

Am Sonntagabend ist es dann so weit, die Wahlergebnisse werden über das türkische Fernsehen und über das Internet verbreitet. Hilime Arslaner-Gölbasi fiebert in einem Frankfurter Theater den Hochrechnungen entgegen. Dort haben Anhänger der CHP eine Wahlparty organisiert. Hüseyin Kurt hat Einladungen von beiden politischen Lagern ausgeschlagen. Er schaut vom Sofa aus zu. "Sonntag ist bei mir in der Regel Familientag, da werde ich innerhalb meiner Familie die Ergebnisse anschauen", sagt er.

Sendung: hr-iNFO, 22.6.2018, 13.30 Uhr

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