Landtag Plenarsaal Sujet
Landtag in Wiesbaden. Bild © picture-alliance/dpa

Per Briefwahl können die Wähler schon ihre Stimmen für die Landtagswahl in Hessen abgeben. Auch die ersten Wahlplakate sind in den Städten und Kommunen zu sehen. Wie sehen die genau aus und was wollen uns die Parteien damit sagen?

René Rock in Nahaufnahme: Der Spitzenkandidat der FDP inszeniert sich lindnerähnlich, nachdenklich, ohne Anzug und unrasiert. Sein Wahlslogan: "Erfolg ist kein Privileg. Die nächste Stufe Hessen." Stufe Drei sagt auch die FDP – das klingt zwar etwas nach Alarm-Stufe, aber den Liberalen geht es um den nächsten "Schritt" für Hessen. Die FDP-Landesgeneralsekretärin Bettina Stark-Watzinger beschreibt Rocks Plakate so: "Ich würde sagen, da sitzt jemand, der einen klaren Blick hat, der fokussiert ist. Dem man anmerkt, dass er starke Überzeugungen hat, und trotzdem ein Typ ist, der auch mal zuhören kann.“

Ein Zuhörer bei den Liberalen. Ein Anpacker in Aktion bei den Sozialdemokraten – so präsentiert die SPD ihren Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel. "Zukunft jetzt machen" lautet ihr Wahlkampf-Slogan – und das soll auch sichtbar werden. In schwarz-weiß, mit hochgekrempelten Ärmeln, schleppt TSG, wie er auch genannt wird, einen Holzbalken auf seiner Schulter. Als ob er gleich selbst die fehlenden Mietwohnungen für Hessen bauen will, witzelte ein Wahlkampfstratege. SPD-Chef Schäfer-Gümbel gefällt dieser Gedanke. "Das ist natürlich der Anspruch deutlich zu machen: Es geht ums Machen, nicht ums Quatschen, nicht ums Labern. Und das ist der Unterschied zu dem, was wir seit einigen Jahren in Hessen erleben."

Der Spitzenkandidat ist immer sichtbar

Das sehen die regierenden Christdemokraten in ihrer Kampagne natürlich komplett anders. Sie präsentieren ihren Spitzenmann, Ministerpräsident Volker Bouffier, als Macher, der schon geliefert hat. Ihr Slogan lautet: "Damit Hessen stark bleibt".  Dazu Sätze wie "So viele Lehrer wie noch nie" oder "So viele Arbeitsplätze wie noch nie" – direkt platziert unter dem Gesicht des Mannes, der diese Erfolge zu verbuchen hat – so der Eindruck. CDU-Generalsekretär Manfred Pentz:

"Das ist die Erfolgswelle – das werden wir skizzieren auch im Bild. Was sind aus unserer Sicht, die Themen, die wir besonders herausgreifen für Hessen und was sind dort unsere Erfolgsthemen, die sie anhand der Plakate sehen. Der Landesvorsitzende und Spitzenkandidat wird immer bei den Plakaten im Gespräch oder porträtiert zu sehen sein."

"Unkonventionell und frisch"

Im Plakatwahlkampf der hessischen Grünen stehen zunächst Themen anstatt Köpfe im Mittelpunkt. Dort sieht man ein Plakat mit einer Biene. Der Spruch: "Auch sie sind das Volk!" Aus Angelas Merkels Wahlspruch "für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben", basteln die Grünen ein Plakat mit einem homosexuellen Paar: "Für ein Land, in dem wir gut und gerne lieben" – steht da. Das grüne Motto "Vernunft gestaltet geiler". Spitzenkandidat und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir erklärt es.

"Vernunft ist halt das Gegenteil von Trump und Seehofer. Vernunft ist, sich mit Sachpolitik auseinanderzusetzen und um die bessere Lösung zu kämpfen. Gestaltung ist das, was wir in den letzten Jahren gemacht haben und wir glauben, dass das, wenn man sich die Inhalte anschaut, richtig so wie man heute sagt "geil" geht! Wir wollen damit ausdrücken, dass wir Spaß daran haben, dass wir an dieser Stelle unkonventionell sind und frisch."

Der Kampf um Stimmen

Auch die Linke steigt vor allem thematisch in ihren Plakatwahlkampf ein. Die Botschaften sind einfach zu verstehen: Mietenwahnsinn stoppen, mehr Bus und Bahn – kostenfrei, Deine Stimme gegen rechts. "Mehr für die Mehrheit" lautet ihr Slogan. Linken-Spitzenkandidat Jan Schalauske.

"Mehr für die Mehrheit, weil viele zu wenig haben, das ist die Hauptbotschaft unserer Kampagne. Wir wollen damit die soziale Frage und die Spaltung zwischen Arm und Reich in den Mittelpunkt stellen. Mit "mehr für die Mehrheit" stellen wir selbstbewusst den Anspruch, dass wir in vielen Fragen die Interessen der großen Mehrheit zur Sprache bringen wollen."

Sechs Wochen haben die Parteien jetzt Zeit, um Wähler für sich zu gewinnen. Der Kampf um Stimmen ist eröffnet.

Sendung: hr-iNFO, 17.9.2018, 6.10 Uhr

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