Wahlplakate zur Landtagswahl in Hessen in Darmstadt, Volker Bouffier und Thorsten Schäfer-Gümbel sind zu sehen, während im Vordergrund ein Fahrradfahrer vorbeifährt
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Die Landtagswahl in Hessen geht auf die Zielgerade zu. Die Städte sind mit Wahlplakaten, die für Kandidaten werben, volltapeziert. Doch erreichen die überhaupt ihr Ziel?

Wer in diesen Vorwahltagen durch Kassel schlendert, hat das Gefühl, verfolgt zu werden. Landtagskandidaten von links bis rechts blicken von hunderten Plakaten. Auch auf dem Opernplatz steht ein Schilderwald. Das Angebot ist groß. Aber diese Frauengruppe ist nicht zufrieden mit dem, was sie da sieht. Eine der Frauen sagt, sie fände es einfach zu viel: "Wegen mir ist das überflüssig, ich brauche keine Plakate. Das spricht mich nicht an", sagt sie und macht auf das Wahlplakat von der Linken aufmerksam. "Je Lehrer desto schlauer", steht da drauf. "Da könnte ich schon irre werden, was ist das denn für'n Deutsch?“, regt sie sich auf.

Die Linkspartei scheint mit ihrem Wortspiel offenbar nicht bei allen anzukommen. Einige Meter weiter hat die SPD einen Laternenpfahl für sich reserviert. Dieter Reimer, von Beruf Bauarbeiter, betrachtet das Plakat, das dort hängt, und macht sich so seine Gedanken über das Foto. Es zeigt zwei Männer, die einen schweren Balken schleppen. Dazu der Spruch: "Bezahlbare Mietwohnungen schaffen. Zukunft jetzt machen." Er sagt, das Bild spreche eine widersprüchliche Sprache. "Die sind an der Arbeit und tragen keine Helme. Da weiß ich auch nicht, was das sein soll", sagt Reimer. Der Mann vorne im Bild hat die Ärmel seines Karo- Hemdes hoch gekrempelt. Trotzdem sieht man ihm irgendwie an, dass er nicht täglich Balken schleppt. Vielleicht liegt es auch an diesem Rollentausch, dass der Wähler den SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel nicht erkennt. "Wird auch so'n Politiker sein, schätze ich ma, ne?", sagt Reimer.

Bildsprache und wirkliche Hingucker

Die FDP hat mit ihren Plakaten unter anderem den Königsplatz erobert. Die örtlichen Landtags-Kandidaten sind jung und smart. In der Präsentation allerdings so unauffällig, dass man sie glatt übersehen kann, finden Detlef und Andrea Falk. Den beiden ist das zu bieder: "auch farblich. Das verschwimmt. Graues Sacko, hellblaues Hemd und dann ist der Hintergrund auch noch hellblau – also was er sich dabei gedacht hat? Nichtssagend", lautet ihr Fazit.

Insgesamt, findet das Ehepaar, seien die Plakate dieser Landtagswahl eher blass und fantasielos. Kaum ein Hingucker. Dabei habe doch zum Beispiel erst kürzlich die FDP unter Beweis gestellt, dass sie das eigentlich auch anders kann, meint Detlef Falk. Er möge den Lindner ja nicht, sagt er, aber bei der Bundestagswahl habe er sich im Unterhemd ablichten lassen: "Da hast Du hingeguckt. Weil, ein Mann im Unterhemd? Wer ist denn das? Ah, der Lindner! Sieht ganz gut aus im Unterhemd. Das meine ich", sagt Falk.

Sendung: hr-info, 26.10.2018, 16:30 Uhr

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