Ein Zollbeamter hält Pillen zum Muskelaufbau in der Hand.

Man muss zeigen, dass man stark ist. Das wird in unserer Gesellschaft immer wichtiger. Am besten lässt sich das per Hobby-Sport demonstrieren. Und wer nicht stark genug ist, greift eben zu Hilfsmitteln.

Im Profi-Bereich geht es um viel Geld, um Titel und um Ruhm. Im Amateur-Sport spielt all das  kaum eine Rolle. Trotzdem nehmen viele Sportler ihr Hobby sehr ernst. Sie sind extrem verbissen und wollen ihre Vorstellungen unbedingt durchsetzen. So war das auch bei Fabian (Name von der Redaktion geändert), der Handball spielt. "Ich brauchte einfach diesen Impuls. Der hätte nicht mit Training, Diät oder sonstigem geklappt", sagt er. Am Ende sei es die Ungeduld gewesen, die ihn zum Doping gebracht hätten.

Fabian nahm mehrere Wochen Ephedrin, ein  Mittel, das schnelleres Abnehmen und höhere Wachsamkeit verspricht. "Ich habe vier Kilo abgenommen und war einfach super fit. Auch tagsüber, wenn man sonst mal mit Müdigkeit zu kämpfen hat: nix!" Die möglichen, heftigen Nebenwirkungen wie Herzrasen, Depressionen oder Organschäden schreckten ihn nicht ab. Sein Motto: Solange ich nichts spüre, habe ich alles unter Kontrolle.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel 234 Festnahmen nach Anti-Doping-Razzia

Podcast aktuell
Ende des Audiobeitrags

Alvin plagt das schlechte Gewissen

Das ist laut Ärzten aber ein absoluter Trugschluss. Viele Dopingmittel  machen süchtig und beeinflussen die Wahrnehmung, sodass der Konsument die Nebenwirkungen eventuell gar nicht mehr bemerkt. Auch Alvin (Name von der Redaktion geändert) spürt noch keine Nebenwirkungen. Er ist Hobby-Fußballer, Mitte 20, kommt aus Nordrhein-Westfalen und nimmt seit zwei Jahren Anabolika-Tabletten. Alvin wurde eine Zeit lang gemobbt. Das frustrierte ihn. "Ich wurde bloßgestellt. Das hat mich traurig gemacht", erzählt Alvin.

Mit den Dopingmitteln fühlt er sich gut. Er sei kräftiger und ein besserer Fußballer geworden. Nach eigenen Aussagen bekommt er seitdem mehr Lob und Anerkennung. Trotzdem hat Alvin seiner Familie, den Fans und Mitspielern gegenüber ein schlechtes Gewissen. "Ich denke mir manchmal: Wenn die wüssten, wie ich das gemacht habe, wie die dann reagieren würden", erzählt er und hofft: "Hoffentlich kommt diese Sache niemals raus."

Thema wird oft verharmlost

Für Alvin ist der Sport eine Möglichkeit im Mittelpunkt zu stehen. Früher hätten sich die Menschen meistens über ihren Job profiliert. Mittlerweile sei es immer wieder auch über den Sport, sagt Mischa Kläber. Er ist Wissenschaftler an der TU Darmstadt und arbeitet beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Zeigen, dass man stark ist, werde in unserer Gesellschaft immer wichtiger. "Man tackert die Zeiten an die Bürotür, damit jeder weiß, man ist ein leistungsbereiter Mensch, der in der Lage ist, solche Höchstleistungen wie eine Marathon-Veranstaltung abzuwickeln", sagt er.

Kläber warnt wie viele andere Wissenschaftler vor Doping im Hobby-Sport. Das Thema werde nicht ernst genommen und oft verharmlost. Sowohl von den Sportverbänden als auch von den Sportlern. Handballer Fabian findet es zum Beispiel überhaupt nicht verwerflich, dass er dopt. Sein Argument: Das ist doch nur Hobby-Sport. "Wenn ich viel Geld damit verdienen würde, würde ich es nicht machen. Dann ist das mein Haupt-Job und dann ist es mein Job, nicht zu pfuschen."

Jetzt im Programm