Tafel mit Flugausfällen am Stuttgarter Flughafen
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Wegen gestrichener oder verspäteter Flüge ist die Zahl der Beschwerden von Fluggästen in den ersten neun Monaten 2018 deutlich höher als im gesamten Vorjahr. Wie kommt das?

Hochbetrieb in diesem Jahr am Frankfurter Flughafen. Von Januar bis Oktober ist die Zahl der Passagiere um mehr als acht Prozent gewachsen. Galten früher Tage mit mehr als 200.000 Passagiere als Besonderheit, so wurde diese Marke in diesem Jahr bisher schon mehr als 160 Mal geknackt.

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Am 5. Dezember treffen sich auf Einladung von Justizministerin Katharina Barley (SPD) Airlines, Flughafenbetreiber und Verbraucherschützer zum Thema Flugverspätungen. Im Mittelpunkt stehen mögliche Entschädigungen, die Kunden erhalten könnten. Die Fluggesellschaften sollen nach Barleys Ansicht bei Flugausfall unaufgefordert Entschädigungen zahlen und kompetente Anlaufstellen für die Entgegennahme von Beschwerden und die Abwicklung von Entschädigungsansprüchen bieten.

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Dabei komme das Wachstum sowohl vom Hauptkunden Lufthansa als auch von den so genannten Billigfliegern, sagt Flughafen Chef Stephan Schulte: "Wir sehen gerade jetzt, aber auch Richtung Winter, dass das Wachstum sich sowohl im kontinentalen als auch im interkontinentalen Verkehr zeigt, während der Sommer ja sehr, sehr stark im kontinentalen Bereich war und weniger im interkontinentalen".

Dieses starke Wachstum des Luftverkehrs in Europa hat, gerade im Sommer, die Schwachstellen deutlich zum Vorschein gebracht - auch an den Flughäfen. Etwa bei den Sicherheitskontrollen, die zumindest im Frühjahr häufiger überlastet waren.

Kontrollen nur kleines Problem

Als zu unflexibel gelten die Kontrollen in Deutschland. Unter anderem deswegen hat die Bundespolizei in Frankfurt gerade zwei neue Kontrollspuren eröffnet. Dort sollen die Abläufe besser funktionieren. Bundespolizeipräsident Andreas Jung ist stolz auf das neue Konzept, sagt aber auch, die größten Probleme lägen an andere Stelle.

"Nach den mir vorliegenden Erkenntnissen, sind die Ursachen für Verspätungen in einem sehr niedrigen Prozentbereich, weit unter 5 Prozent, auf die Kontrolltätigkeiten von Behörden zurückzuführen", so Jung. "Wir sind in der Ursache glaube ich, nur ein ganz kleiner." Deswegen werde man auch nur einen kleinen Beitrag leisten können. "Aber den sehr gerne."

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Als weiterer Flaschenhals gilt die Flugsicherung - nicht nur, aber auch in Deutschland. So wurden etwa in den vergangenen Jahren, auch wegen Sparvorgaben, zu wenige Lotsen ausgebildet. Das versucht man nun nachzuholen. Doch die Ausbildung dauert alles in allem rund vier Jahre. Hier kann es also weiterhin zu Engpässen kommen.

Zu enge Taktung

Die größten Probleme liegen aber offenbar bei den Fluggesellschaften selbst- beispielsweise bei der Lufthansa-Tochter Eurowings. Der Billigflieger hatte in diesem Jahr deutlich mit Wachstumsschmerzen zu kämpfen. Aus mehreren Gründen, wie Lufthansa Chef Carsten Spohr im Sommer deutlich machte: "Eurowings ist allein infolge der Air Berlin-Insolvenz um 77 Flugzeuge gewachsen. Das ist mehr als die Hälfte der ehemaligen Air Berlin-Flugzeuge", so Spohr. "Eurowings ist schon jetzt die zweitgrößte Fluggesellschaft der Lufthansa Group und sie bleibt unsere Plattform für die Konsolidierung in Europa. Aktuell ist letztendlich natürlich die Integration von Air Berlin und Brussels Airlines die größte Herausforderung für das Management."

Grundsätzlich galt für viele Fluggeselschaften in diesem Jahr: Zu wenig Piloten, voll ausgelastete Flugzeuge und oft auch zu eng getaktete Flugpläne. Wenn dann noch technische Probleme eintraten oder schlechtes Wetter den Verkehr verzögerte, waren Verspätungen oder sogar Flugausfälle nicht zu vermeiden. Alle Beteiligten geloben indes Besserung und hoffen schon im kommenden Sommer auf Fortschritte.

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Entschädigung

Die EU-Fluggastrechteverordnung regelt, welcher Betrag einem Fluggast zusteht, wenn ein Flug ausfällt oder sich verspätet. Ab einer Verspätung von drei Stunden, bei einer Flugstrecke bis 1.500 Kilometer sind es 250 Euro. Bei längeren Strecken fallen sogar bis zu 600 Euro an. Ist man zum Beispiel von einer Verspätung betroffen, empfiehlt die Verbraucherzentrale Hamburg als ersten Schritt die Airline anzuschreiben. Dabei hilft einem auch die Verbraucherzentrale. Reagiert die Airline nicht oder will keine oder nicht die volle Entschädigung zahlen, kann man auch mit Hilfe der "Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr" seine Rechte durchsetzen. Die Erfolgsquote lag dort in diesem Jahr bei über 80%.

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Sendung: hr-iNFO, 05.12.2018, 06:10 Uhr

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