Frau vor untergehender Sonne
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Wir sind moderne, technisch hoch ausgerüstet Menschen - und doch ziemlich abhängig davon, wie viel Licht wir abbekommen. Bei manchen Menschen löst Lichtmangel sogar Depressionen aus. Wieso ist Licht so wichtig für unseren Körper?

Dass Sonnenlicht elemantar wichtig ist, das spüren wir alle. Sonnenlicht ist für uns Menschen schließlich der Energielieferant schlechthin. Nicht nur indirekt über die Photosynthese der Pflanzen, von denen wir uns ernähren oder über die Solarzellen auf unseren Dächern. Wir tanken auch ganz direkt Sonnenenergie über unsere Haut. Und diese Sonnenenergie macht zum Beispiel, dass aus Vorstufen das lebenswichtige Vitamin D gebildet wird. Wir brauchen Licht natürlich zum Sehen, dem Sinnessystem, für das unser Gehirn den größten Aufwand betreibt. Und das Licht ist auch ein wichtiger Impulsgeber für unsere biologischen Rhythmen, für unsere inneren Uhren.

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In der Zeit um den kürzesten Tag im Jahr, den 21.12., also der Wintersonnenwende, erleben wir den kürzesten Tag und die längste Nacht. In dieser Jahreszeit ticken unsere Uhren etwas langsamer. Nachtschlaf im Winter ist dann tatsächlich länger und tiefer. Dass die inneren Uhren langsamer gehen, hat auch was mit unserer Körpertemperatur zu tun. Die ist im Winter nämlich minimal niedriger.

Außerdem haben wir im Winter mehr Melatonin im Blut - ein Hormon, das für den Schlaf wichtig ist und entsprechend müde und auch übellaunig machen kann. Die Produktion von Melatonin wird über die Epiphyse - die Zirbeldrüse im Zwischenhirn - gesteuert und diese Drüse wird über spezielle Fotorezeptoren im Auge über veränderte Lichtverhältnisse informiert. Eine Erkenntnis übrigens, die noch keine4 20 Jahre alt ist.

Licht tanken gegen die Müdigkeit

Im Winter brauchen wir mehr Licht, besonders weil wir fast den ganzen Tag drinnen bei künstlicher Beleuchtung verbringen. Zum Vergleich: In normalen Räumen gibt es in der Regel 100 Lux (Lux ist die Einheit für die Beleuchtungsstärke), ein heller Sommermittag hat 100.000 Lux, und selbst ein wolkiger Wintertag draußen hat weit über 1.000 Lux.

Wir merken oft gar nicht, wie gigantisch der Unterschied zwischen drinnen und draußen ist, weil uns unser Wahrnehmungssystem austrickts. Es passt sich an die jeweiligen Helligkeitsverhältnisse an und arbeitet logarithmisch. Das heißt, ob ein oder zwei Kerzen brennen, macht für uns einen großen Unterschied. Ob zehn oder elf Kerzen brennen, können wir schon viel schwieriger unterscheiden. Und wenn 1.000 Kerzen brennen, müssen sehr viele dazukommen, bis wir einen Unterschied bemerken. Aber die Zirbeldrüse lässt sich nicht so leicht austricksen wie unsere Wahrnehmung. Deswegen ist es wichtig, möglichst jeden Tag mindestens eine Stunde spazieren zu gehen und draußen Licht zu tanken gegen die Müdigkeit.

Lichtmangel kann Depressionen auslösen

Bei manchen Menschen kann der Lichtmangel eine regelrechte Depression auslösen. Diese Winterdepressionen sind gar nicht selten: bei uns hat sie jeder zehnte Erwachsene, in Alaska sogar jeder dritte. Eine Therapie der Wahl ist auch hier: mehr Licht. Bei der Lichttherapie wird man künstlichem Licht von mindestens 2.500 bis zu 10.000 Lux ausgesetzt, zum Beispiel von einer Tageslichtlampe. Auch depressive Patienten gesunden in Südzimmern schneller als in Nordzimmern.

Also: Wenn die Sonne scheint: raus! Und wenn sie nicht scheint: auch raus und sich an der Helligkeit des bedeckten Himmels erfreuen. Denn wie sagt ein altes Stichwort? Wo die Sonne scheint, kommt der Arzt nicht hin.

Sendung: hr-iNFO, 21.12.2018, 16.10 Uhr

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