Symbolbild: Das Coronavirus mutiert

Immer wieder hört man, dass das Coronavirus mutiert. Was vielen Menschen Angst macht, ist rein wissenschaftlich betrachtet ganz normal.

Irgendwie haben sie ein Imageproblem, diese Mutationen. Klar: Gerade in Corona-Zeiten wollen die meisten von uns lieber von anderem hören als von neuen Virus-Varianten, entstanden durch Mutation. Aber Mutationen gab es ja auch schon vor SARS-CoV-2.

Anpassungen an die Umwelt

Mutationen sind ein Grundmechanismus des Lebens. Es sind, salopp gesagt, spontan auftretende, dauerhafte Erbgut-Kopierfehler. Und die gibt‘s bei Viren ebenso wie bei Tulpen, Tigern oder Menschen.

Das Praktische dabei ist: Die Bedingungen in unserer Umwelt, die verändern sich ja dauernd. Und dank Mutationen sind immer Lebewesen einer Art da, die besonders gut mit den gerade herrschenden Umweltbedingungen zurechtkommen. Sie sind es, die am Ende überleben und sich fortpflanzen werden, Stichwort: natürliche Auslese. So breiten sich die Mutationen immer weiter aus, tragen zum Fortbestand einer Art bei, und am Ende entsteht biologische Vielfalt. Erst eben auf genetischer Ebene und dann auch auf den Ebenen der Arten und der Ökosysteme.

Die Basis der Evolutionstheorie

Erst Mutieren, dann Selektieren. Für Charles Darwin wurde dieses Wechselspiel zur Basis seiner Evolutionstheorie. Und die gilt eben auch für Viren. Auch Viren wollen vorrangig überleben. Dass wir Menschen sie fürchten, interessiert sie dabei nicht wirklich. Sie wollen ihr Erbgut weitergeben. Und da ist es für Viren eben praktisch, besonders ansteckend zu sein.

So ein Virus braucht zum Überleben einen Wirt. Und im Kampf ums Dasein besonders erfolgreiche Viren besiedeln in kurzer Zeit möglichst viele Wirte. Der Schlüssel zum Erfolg: Mutationen und durch Mutation entstandene Virusvarianten. SARS-CoV-2-Mutationen soll es laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) 12.000 geben. Andere Schätzungen liegen noch darüber.

Eine Mutation macht noch keine Variante

Beruhigend ist dabei: 12.000 bekannte Mutationen heißt nicht 12.000 in Umlauf befindliche Virusvarianten. Zum einen sind viele dieser Mutationen sogenannte "neutrale Mutationen". Sie haben weder positive noch negative Konsequenzen für Virus und Wirt. Und zum anderen kann eine Virusvariante problemlos mehrere Mutationen in sich tragen. Bei der britischen Variante B.1.1.7 sind es zum Beispiel 23 Mutationen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 20.04.2021, 6-9 Uhr

Jetzt im Programm