Hebamme bei der Arbeit
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Für immer mehr Geburten in Deutschland gibt es immer weniger Hebammen. Schlechte Bezahlung und Arbeitsbedingungen machen den Beruf für viele unattraktiv. Politisch hat sich zwar einiges getan, um das zu ändern, doch ein entscheidendes Problem bleibt ungelöst.

Die Krise im Kreißsaal ist der Politik schon lange bekannt: So machte vor drei Jahren die Opposition im Bundestag wieder einmal darauf aufmerksam, dass es um die Geburtshilfe in unserem Land "wahrlich sehr, sehr schlecht" bestellt ist, so die Bundestagsabgeordnete Cornelia Möhring (Linke) – "und das seit Jahren. Der Hebammen-Beruf ist in großer Gefahr und Ihre Bundesregierung hat mitnichten irgendetwas angeschoben, was diese Situation wirklich nachhaltig verbessert."

Veränderungen auf dem Papier

Zumindest auf dem Papier hat sich seither etwas verändert: Hieß es im Koalitionsvertrag der Regierung im Jahr 2013 noch, die "Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung mit Geburtshilfe ist uns wichtig", hat sich die neue GroKo im Koalitionsvertrag von 2018 auf eine etwas konkrete Aussage festgelegt: "Zu einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung gehören für uns neben einer gut erreichbaren ärztlichen Versorgung auch eine wohnortnahe Geburtshilfe, Hebammen und Apotheken vor Ort." Die Realität ist allerdings eine andere: Immer mehr Kliniken schließen ihre Geburtsstationen.

Die Akademisierung und ihr Haken

Konkreter wird dagegen ein Vorhaben des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU). Er hatte im Oktober vergangenen Jahres angekündigt, dass Hebammen künftig studieren müssen.

Diesen Gesetzentwurf hat das Kabinett nun Mitte Mai verabschiedet - gerade noch rechtzeitig. Denn laut einer EU-Richtlinie soll bis 2020 ein Studium für Hebammen in allen Ländern Europas Pflicht werden. Damit soll der Beruf aufgewertet werden. Der Haken an der Akademisierung des Berufs: Frauen mit niedrigem Schulabschluss werden ausgeschlossen.

Schadensbegrenzung

Auch beim Thema hohe Versicherungsbeiträge hat die Politik mittlerweile reagiert. Derzeit zahlt eine freiberufliche Hebamme, wenn sie Geburten begleitet, über 7.600 Euro im Jahr – fünf Mal so viel wie noch vor zehn Jahren. Seit mehr als zwei Jahren hat der Gesetzgeber nun die Krankenkassen verpflichtet, einen Ausgleich zu zahlen: den sogenannten Sicherstellungszuschlag - bis zu einer maximalen Höhe von knapp 5.500 Euro.

Auch auf Landesebene ist man um Schadensbegrenzung bemüht. Der neue Sozialminister Kai Klose hat vor kurzem einen Runden Tisch ins Leben gerufen. Mit dabei unter anderen Hebammen, Geburtskliniken sowie Krankenkassen und Kommunale Spitzenverbände.

Bezahlung noch immer zu gering

Sie alle zusammen sollen an Lösungen arbeiten, um die Situation der Geburtenversorgung in Hessen zu verbessern. Eine Überlegung dabei ist zum Beispiel, "dass wir ein Hebammengeld zahlen wollen. Aber das sind alles Dinge, die wir noch mit den Betroffenen am Runden Tisch diskutieren wollen", so Klose.

Konkreter wird er allerdings nicht und damit bleibt ein großes Problem weiterhin ungelöst: die Bezahlung. Denn obwohl die Honorare für Hebammen zwar zum Beginn dieses Jahres um 17 Prozent angestiegen sind, ist das für viele nach wie vor zu wenig. Hier muss sich die Politik wohl noch etwas mehr einfallen lassen. 

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