CDU Parteizentrale

Bei der Klausurtagung des CDU Bundesvorstands geht es um mehr als die Merkel-Nachfolge. Es ist ein Richtungsstreit entfacht. Wir haben bei Mitgliedern der CDU-Basis in Wiesbaden-Dotzheim nachgefragt, wie sie die Lage sehen.

Es sind Schlachtfest-Tage in der Stammkneipe zum Hirsch in Wiesbaden-Dotzheim. Die Chefin macht Blutwurst, Leberwurst und Schweinepfeffer selbst. Die Arbeit macht sich bezahlt: Es ist voll. Doch Arbeit macht sich nicht immer bezahlt: Die CDU-Mitglieder, die Straßenwahlkampf gemacht haben, beschleicht bei Verlusten von über 11 Prozentpunkten jedenfalls das Gefühl, dass die Mühe vielleicht umsonst war. Das ist frustrierend, aber ohne Wahlkampf geht es auch nicht, da sind sich die Parteifreunde Klaus Lorenz und Manfred Ernst einig: "Wir sagen immer mit unserem CDU-Schirm, man muss Präsenz zeigen, und wer den Kampf nicht annimmt, der hat von vornherein verloren".

Entscheidend bei den Wahlverlusten der Hessen-CDU, das sagen Umfragen, war wohl das Agieren von CDU/CSU in Berlin. Eine Denkzettel-Wahl, eine Bauchgefühl-Wahl, meint auch die Dotzheimer Basis. Hier ist man aber zuversichtlich, dass die CDU bei den nächsten Wahlen wieder Stimmen dazugewinnt und Volkspartei bleibt: "Das war jetzt eine einmalige Sache in Hessen. Insofern glaube ich nicht, dass das bleibende Verluste bei der CDU sind. Friedrich Merz spricht ja von Aufbruch - und das brauchen wir".

"Das Konservative schleifen lassen"

Angela Merkel gibt nun den Parteivorsitz ab. Die CDU erlebt einen Richtungsstreit. Weiter nach rechts? Oder in der Mitte bleiben? Die Wahl des Parteivorsitzenden oder der Parteivorsitzenden wird darüber entscheiden. Klaus Lorenz hat einen klaren Favoriten. "Also mein Kandidat ist Jens Spahn. Das ist ein junger Mann. Wir haben den konservativen Teil etwas schleifen lassen in den letzten Jahren. Konservativ im Sinne von am Althergebrachten, am Guten, festhalten."

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Den Kandidaten Friedrich Merz lehnt Klaus Lorenz ab. Der Finanzriese Blackrock, bei dem Merz Aufsichtsratsvorsitzender ist,  agiere unmoralisch. Über Annegret Kramp-Karrenbauer heißt es: "Ich war am Anfang immer für Frau Kramp-Karrenbauer als Nachfolgerin von Frau Merkel, aber mittlerweile denke ich, einer der beiden Männer würde der CDU guttun. Kramp-Karrenbauer sei eine Art "Merkel 2.0".

Wenn Spahn oder Merz gewinnen und gegen Merkel agieren, könnte es für die Kanzlerin schwer werden. Manfred Ernst sieht das kommen: "Die Gefahr besteht dann schon, dass Frau Merkel nicht mehr bis zum Ende der Kanzlerschaft bleibt, wenn die Partei dann andere Dinge forciert als Frau Merkel das macht". Doch eine Neuaufstellung der Partei sei nötig, heißt es im Dotzheimer Hirsch. Mit Blick auf Hessen überwiegt die Zuversicht, dass Schwarz-Grün mit einer Stimme Mehrheit klappt.

Sendung: hr-iNFO, 05.11.2018, 06:10 Uhr

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