Identitäre in Berlin
Identitäre in Berlin Bild © picture-alliance/dpa

Sie geben sich jung, hip und intellektuell - und versuchen so, junge Menschen zu erreichen, die man mit herkömmlicher rechter Propaganda nicht anlocken kann. "Identitär" bedeutet: Sie wollen ein Land mit ethnisch "homogener" Bevölkerung. Ein Einblick in eine noch recht junge Bewegung.

Ihre Wurzeln haben die "Identitären" in Frankreich. Dort wurden sie schon 2003 gegründet. In Deutschland entstand die "Identitäre Bewegung" vor sechs Jahren auf Facebook. "Wir sind Europas am schnellsten wachsende Jugendbewegung", behaupten die "Identitären" von sich selbst. Laut Verfassungschutz haben sie in Deutschland 500 Mitglieder, 2016 waren es 300. Sie nennen sich patriotisch und sind gegen Multikulti, sie beklagen die zunehmende Islamisierung und wollen Migranten zurückschicken. Ihre Aktionsformen aber haben sie sich bei linken Gruppen oder bei Greenpeace abgeguckt. "Nadelstichartige, provokante Aktionen" nennen sie das. So kletterten Aktivisten der Identitären auf das Brandenburger Tor in Berlin. Dort befestigten sie ein Transparent. "Sichere Grenzen - sichere Zukunft" stand darauf.

Identitären-Schiff "C-Star"
Mit dem Schiff "C-Star" wollten Identitäre Bootsflüchtlinge im Mittelmeer zurückbringen. Bild © picture-alliance/dpa

Sie geben sich intellektueller als viele eher derbe, rechte Aktivisten. Sie reden nicht wie Rechtsextremisten von "Volksgemeinschaft" oder "Rasse". Sie sprechen von "Identität" und "Ethnopluralismus". Die Identitären arbeiteten mit zeitgemäßen Elementen der Popkultur, um so ihre rechtsextremistischen Positionen "gesellschaftsfähig zu machen", so der hessische Verfassungsschutz. Hessens Verfassungsschutzpräsident Robert Schäfer sagte vor zwei Jahren: "Ich unterstelle der 'Identitären Bewegung Hessen', dass sie versucht, Rechtsextremisten unter ihrem Dach zu vernetzen und für ihre Sache zu werben und zu gewinnen."

"Verteidigt Europa"

Im vergangenen Jahr charterten Identitäre ein Schiff, die "C-Star", um damit im Mittelmeer andere Schiffe zu behindern, die Flüchtlinge retten wollten. "Defend Europe" nannten sie das, "verteidigt Europa". Ihre Aktion scheiterte. Malta verbot der "C-Star", Häfen des Landes anzufahren.

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Verfassungsschutzbericht: Identitäre Bewegung erhält Zulauf

Die Zahl der Anhänger der rechtsextremen Identitären Bewegung hat sich 2017 verdoppelt. Das teilte der Verfassungsschutz mit. In der AfD besteht zwar ein Nichtvereinbarkeitsbeschluss. Doch der hält Spitzenpolitiker der Partei nicht von offener Sympathie für die Bewegung ab. [mehr auf hessenschau.de]

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Jetzt aber freute sich Martin Sellner aus Österreich, der prominenteste Vertreter der Identitären in Europa, auf seinem Youtube-Kanal, "dass das, was wir vorweggenommen haben, in dieser Mission, jetzt zur politischen Wirklichkeit wird." Und dass die Bewegung in allem recht bekommen habe, insbesondere vom "großartigen Salvini, dem Patrioten jenseits der Alpen. Und dass es den sogenannten Seenotrettern jetzt ähnlich ergeht wie es uns damals erging", so Sellner. Er lobt den neuen rechten italienischen Innenminister Matteo Salvini. In Italien dürfen private Schiffe keine Rettungseinsätze mehr fahren - mehrere Schiffe werden in maltesischen Häfen festgehalten. Der Kapitän der "C-Star", Robert Timm, wurde nach seiner Rückkehr bei einer Pegida-Kundgebung in Dresden begeistert begrüßt.

Nähe zur AfD

Die AfD hat zwar einen Abgrenzungsbeschluss zur Identitären Bewegung. Das nehmen viele in der Partei aber nicht so ernst. Immer wieder arbeiteten Identitäre für AfD-Abgeordnete. Und: Erst vergangene Woche lobte der Fuldaer AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann die Identitären, wie die Frankfurter Rundschau berichtete: Er habe kein Problem mit ihnen, so Hohmann. Sie trügen dazu bei,  "dass unser politisches Leben bunt, fantasievoll und vielfältig" sei. Er wünschte den Identitären "weitere Erfolge".

Sendung: hr-iNFO, 26.7.2018, 15.10 Uhr

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