Dunkelrote Lippenstifte in goldener Fassung

Kaum ein Material erhitzt derzeit die Gemüter so sehr wie Plastik. Und es gibt über 200 verschiedene Arten - darunter Flüssigplastik, für dessen Einsatz Hessen jetzt schärfere Regeln im Bundesrat fordert.

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Zum Artikel Priska Hinz: Was tun gegen flüssiges Plastik?

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Flüssigplastik findet sich in vielen Produkten, die es in jedem Haushalt gibt. Beispielsweise in Waschmitteln. Dort verhindert es, dass sich Grauschleier oder Verfärbungen bilden. Flüssigplastik taucht aber auch in Kosmetik auf. In Lippenstiften sorgt es für mehr Glanz auf den Lippen. Make-up beschert es eine gute Abdeckwirkung und in Sonnencremes etwa sorgt es dafür, dass sie beim Baden auf der Haut bleiben.

Doch Flüssigplastik kommt auch in anderen Bereichen zum Einsatz. Etwa beim Bauen, wenn es ums Abdichten geht. Denn Flüssigplastik schützt den Untergrund vor Nässe und Feuchtigkeit.

Chemisch gesehen besteht Flüssigplastik aus langen, kettenförmigen Molekülen. Ihre Bestandteile wiederholen sich immer und immer wieder. Flüssigplastik hört auf Namen wie Acrylates Crosspolymer-4 oder Polyquaternium, von dem gibt es obendrein verschiedene Typen.

Es fehlen aussagekräftige Daten

Welches Flüssigplastik in welchen Produkten steckt, ist am besten bei Kosmetika bekannt. Denn hier müssen die Hersteller alle Bestandteile auf der Verpackung angeben. Umweltorganisationen wie Greenpeace kritisieren, das Plastik überhaupt in Kosmetika verwendet wird. In der Kritik stehen vor allem die Kosmetikkonzerne, die damit werben, auf Mikroplastik zu verzichten – und weiterhin Flüssigplastik und andere Kunststoffe einsetzen.

Von Herstellern ist immer wieder zu hören, Flüssigplastik stelle nach heutigem Wissen keine Gefahr für Umwelt und Gesundheit dar. Und ja: Stoffe in kosmetischen Produkten sind auf Hautverträglichkeit und giftige Wirkung auf Menschen getestet. Und Plastik löst keine Allergien und Irritationen aus. Doch Daten zu den Umweltfolgen der Flüssigkunststoffe fehlen weitgehend.

Gibt es Alternativen?

Allerdings gibt es hier Hinweise, die zur Vorsicht mahnen. Um bei den verschiedenen Polyquartenium-Typen zu bleiben, die etwa in Haut- und Haarpflegeprodukten sind: Einige von ihnen sind giftig für Wasserorganismen. Und in Produkten, für die Polyquarteniuim-7 verwendet wurde, können Spuren des krebserregenden Acrylamids sein.

Bleibt die Frage: Wie sieht es mit Flüssigplastik-Alternativen aus? Hier besteht noch einiges an Forschungspotenzial. Aber die Erfolge beim Mikroplastik stimmen optimistisch. Wo Mikroplastik lange Usus war, finden sich mittlerweile immer öfter Nussschalen, Holz, Sand, Zucker und dergleichen. Und der vielleicht sicherste Verbrauchertipp lässt sich zum Thema Kosmetika geben: Wer auf Nummer Sicher gehen will, der kauft am besten Naturkosmetika.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 11.10.19, 6-9 Uhr

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