Ein Regal mit homöopathischen Fläschchen
Ein Regal mit homöopathischen Fläschchen Bild © picture-alliance/dpa

Sollten Krankenkassen generell nicht mehr die Kosten für homöopathische Mittel übernehmen? Seit einem entsprechenden Vorstoß in Frankreich ist darüber auch in Deutschland eine Debatte entstanden. Aber was ist Homöopathie eigentlich genau?

Die Homöopathie gilt als alternative Medizin und gehört nicht zur wissenschaftlich orientierten Schulmedizin. Sie basiert auf dem Ideal einer individualisierten Medizin mit milderen Behandlungsmethoden.

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Erstmals tauchte der Begriff Anfang des 19. Jahrhunderts auf, in den Schriften des sächsischen Arztes Samuel Hahnemann, der als Kritiker der damaligen Schulmedizin galt. Denn die nutzte teils sehr drastische Maßnahmen wie Aderlass oder Brechkuren. Hahnemanns Ideal war hingegen eine individualisierte Medizin mit milderen Behandlungsmethoden.

Wie funktioniert Homöopathie?

Grundlage ist das Ähnlichkeitsprinzip. Es setzt voraus: Mittel, die einem Gesunden schaden könnten, sind auch in der Lage, Kranke zu heilen. Um das geeignete Mittel zu finden, werden zunächst die Symptome der Krankheit per Anamnese erfasst. Mit den Arzneien wird eine homöopathische Arzneimittelprüfung durchgeführt. Dabei lernt man, wie die Mittel wirken, die man später in Form von Kügelchen oder Tropfen zu sich nimmt.

Wie verbreitet ist die Homöopathie?

Homöopathie ist heute weltweit verbreitet. Rund 60 Prozent der Deutschen haben schon einmal homöopathische Medikamente genommen. Das erbrachte 2014 eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Die größten Märkte für solche Homöopathika sind Frankreich, die USA, Deutschland und Indien. Als Hochschulfach konnte sich die Homöopathie aber trotzdem noch nicht etablieren.

Was bezahlt der Patient für homöopathische Leistungen?

Viele homöopathische Medikamente sind relativ günstig und kosten fünf bis zehn Euro pro Packung. Teurer ist eine homöopathische Behandlung: Eine Anamnese kann 120 bis 180 Euro kosten. Sie dauert in der Regel aber auch ein bis zwei Stunden. Weitere Termine schlagen mit etwa 60 bis 90 Euro zu Buche und sind dementsprechend kürzer.

Welche Kritik gibt es an der Homöopathie?

Vor allem tauchen drei Gegenargumente auf: Erstens gehe die Wirksamkeit homöopathischer Mittel und Verfahren nicht über den Placebo-Effekt hinaus. Zweitens sei wissenschaftlich nicht plausibel zu erklären, wie und warum die Mittel und Verfahren überhaupt wirken sollten. Und drittens gäbe es innerhalb der Homöopathie selbst zu viele Widersprüche.

Warum ist Homöopathie trotzdem so erfolgreich?

Viele Patienten fühlen sich beim Homöopathen besser aufgehoben: Ein über einstündiges Anamnesegespräch – solche Zuwendung bekommt man gerade als Kassenleistung nicht so leicht. Außerdem gilt Homöopathie als risikoarm und weitgehend nebenwirkungsfrei. Deshalb behandeln sich viele auch ohne Arztbesuch selbst mit Homöopathika. Hier ist aber Vorsicht geboten: Homöopathen sagen selbst, ihre Methode habe Grenzen.

Welche Rolle spielen homöopathische Arzneimittel auf dem deutschen Arzneimittelmarkt?

2018 wurden in Deutschland rund 54 Millionen Packungen Homöopathika verkauft, so der Bundesverband der Arzneimittelhersteller. Gemeinsam mit rezeptfreien Phytopharmaka machen Homöopathika ein gutes Drittel vom Gesamtmarkt rezeptfreier Arzneimittel aus. Der Umsatz: rund 570 Millionen Euro. Weltweit liegt der Umsatz bei geschätzten zwei Milliarden Euro - das sind weniger als ein Prozent des gesamten Arzneimittelmarkts.

Im Vergleich zur Schulmedizin: Welchen Anteil geben die Kassen für Homöopathie aus?

2017 waren es 10,6 Millionen Euro im Falle der gesetzlichen Krankenversicherungen. Dieser Wert bezieht sich laut Bundesverband der pharmazeutischen Industrie auf Homöopathika auf Rezept. Insgesamt entspricht der Wert 0,03 Prozent aller Kassenausgaben in Zusammenhang mit Medikamenten. In Deutschland erstatten derzeit etwa zwei Drittel der Krankenkassen die Behandlungskosten für ärztliche Homöopathie.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 06.08.19, 6-9 Uhr

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