Kohlekraftwerk
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Auf dem Weltklimagipfel soll das Klima-Abkommen von Paris mit Leben gefüllt werden. Ziel ist es, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Wie stehen die Chancen auf konkrete Zusagen?

Rekordmeldungen, die keine guten Nachrichten sind: Es gibt immer mehr Treibhausgase in der Atmosphäre, hat die Welt-Meteorologen-Organisation WMO gerade festgestellt. "Die Konzentration steigt mindestens zehn Mal schneller an als jemals zuvor in den vergangenen 55 Millionen Jahren", sagt Vize-Chefin Elena Manaenkova.

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Der Mensch heizt der Natur ein. Und alle Hoffnungen, dass vielleicht ein Wendepunkt erreicht sein könnte, hat das Umweltprogramm der UNO, UNEP, gerade auch zerstört: "2017 ist der Ausstoß an Treibhausgasen wieder angestiegen - nach drei Jahren Stabilität", sagt Philip Drost. Er hat für die UNEP die Klimalücke vermessen, also den Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Das Ergebnis: Es müsste drei Mal mehr getan werden in Sachen Klimaschutz.

Ein unverbindliches Fernziel

Selbst was die Staaten im gefeierten Klimaabkommen von Paris beschlossen haben, reicht im Schnitt nicht aus, um das gemeinsam erklärte Ziel auch zu erreichen: nämlich den Anstieg der Temperaturen auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Effektiv kommen aber derzeit mindestens 3,2 Grad zustande.

Die Chance, dass schon in Kattowitz neue Zusagen dazukommen, ist gering. Die USA haben die Mitarbeit aufgekündigt, Brasilien unter seinem kommenden Präsidenten Bolsonaro plant ähnliches. Auch die EU bewegt sich keinen Schritt bei den konkreten Zusagen für 2030, stattdessen präsentierte EU-Klimakommissar Manuel Canete einen Vorschlag für ein unverbindliches Fernziel: "Europa wird die erste Wirtschaftsmacht der Welt sein, die bis 2050 bei Netto-Null-Emissionen sein will." Dabei wäre die EU nach ihren eigenen Analysen durchaus in der Lage, mehr konkrete Zusagen für die nächsten Jahre zu machen.

Deutschland tut sich schwer

Deutschland tut sich derweil eher schwer, seine alten Verpflichtungen zu erfüllen. Anders als geplant, wird die Umweltministerin nun bei der Klimakonferenz auch ohne Kohleausstiegsplan auftreten müssen. Die Kanzlerin hat – wie viele andere Regierungen in diesen Tagen - Innenpolitik vor Außenpolitik gesetzt und die Kohlekommission zum Nachsitzen geschickt: "Es geht nicht darum, als erstes irgendwelche Ausstiegsdaten zu beschließen, sondern es geht darum, Menschen Hoffnung zu geben, Zuversicht zu geben, um ihnen dann die Sicherheit zu geben und zu sagen: 'Ja, auch wir werden unseren Beitrag für den Klimawandel leisten'", erklärte sie.

Umweltministerin Svenja Schulze gibt dagegen die Ungerührte: "Wenn wir dafür etwas länger brauchen, dann brauchen wir eben etwas länger. Aber das Signal ist genau das richtige." Mutig formuliert sie: "Es gibt gute Gründe dafür, dass wir die Vorreiterrolle übernehmen. Wir gehen nicht mit leeren Händen nach Kattowitz. Wir können hier in Deutschland zeigen, wie wirtschaftlicher Erfolg und engagierter Klimaschutz gemeinsam vorangehen kann."

Die Erwartungen an das Treffen in Kattowitz sind nicht allzu hoch. Trotz Rekordhitze und Trockenheit in weiten Teilen der Welt, weiter steigenden Temperaturen und anderen Extremwetterereignissen, die die Forscher und Forscherinnen zumindest in den Zusammenhang mit dem Klimawandel stellen, hat das Thema derzeit nicht eben Hochkonjunktur.

Sendung: hr-iNFO, 3.12.2018, 6:10 Uhr

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