Tempolimit 130

Die Diskussion um ein Tempolimit ist hoch emotional aufgeladen. Aber was sind die Fakten? Ein Überblick darüber, was man tatsächlich über die Wirkung eines Tempolimits weiß – und was nicht.

Bringt ein Tempolimit etwas für den Klimaschutz?

Klare Antwort: Ja. Und zwar rein physikalisch begründet. Der Luftwiderstand ist umso höher, je schneller man fährt, und er steigt überproportional mit der Geschwindigkeit. Das heißt konkret: Wenn zwei Autos die gleiche Strecke auf der Autobahn zurücklegen, eins mit 160 und eines mit 130 km/h, verbraucht das 160-km/h-Auto bis zu 35 Prozent mehr Energie und mehr Sprit – und stößt also auch bis zu 35 Prozent mehr CO2 aus.

Wie groß ist der Klimaschutz-Effekt des Tempolimits konkret?

Das hängt von vielen Faktoren ab: vor allem davon, wie schnell derzeit wo gefahren wird. Es gibt teilweise längst Autobahnstrecken mit Geschwindigkeitsbegrenzung, und es gibt Baustellen und Staus. Und es gibt die, denen 120 oder 130 als Höchstgeschwindigkeit auch jetzt schon reicht. Außerdem hängt es davon ab, wie streng man so ein Tempolimit kontrollieren würde, wie sehr sich also die Autofahrer und –fahrerinnen daran halten.

Interessanterweise sind sich die Tempolimit-Befürworter und –Gegner, was die Größenordnung des CO2-Effektes betrifft, sogar relativ einig: Rund zwei bis drei Millionen Tonnen CO2 könnte Deutschland danach mit einem Tempolimit von 120 km/h einsparen, ein bis zwei Millionen Tonnen immerhin bei Autobahn-Tempo 130. Das unterschreibt das Umweltbundesamt genauso wie Umweltverbände, ADAC und Automobilwirtschaft.

Rechnet man der Einfachheit halber mit zwei Millionen Tonnen, bleibt die Frage: Ist das nun viel oder wenig? Zwei Millionen Tonnen CO2-Einsparung durch ein Tempolimit - das sind gerade mal gut 0,2 Prozent des gesamten deutschen CO2-Ausstoßes. Man kann sagen: Das ist quasi nichts. Man kann auch sagen: Das ist immerhin ein Fünfhundertstel. Jede fünfhundertste Tonne CO2 gespart. Und das, anders als bei vielen anderen Klimaschutz-Maßnahmen, ohne großen Aufwand oder Kosten. Es ist also Ansichtssache. Glas halb voll oder Glas halb leer.

Macht ein Tempolimit die Autobahnen sicherer?

Die blanke Physik spricht auch hier dafür. Denn auch der Bremsweg steigt überproportional mit der Geschwindigkeit. Anders ausgedrückt: Wer langsamer fährt, hat in Gefahrensituationen mehr Zeit zu reagieren. Die Tempolimit-Gegner verweisen darauf, dass die deutschen Autobahnen im internationalen Vergleich sehr sicher seien. Das stimmt. Es gibt viele Länder, auch viele mit einem Tempolimit, in denen mehr Unfälle passieren. Zum Beispiel Italien oder die USA. Es gibt aber auch Länder, wie die Schweiz oder die Niederlande, in denen es gut ausgebaute Autobahnen und ein Tempolimit gibt und auch weniger Unfalltote als in Deutschland.

In Brandenburg wurde auf einer deutschen Autobahn, konkret der A24, im Jahr 2003 ein Tempolimit von 130 km/h eingeführt – die Unfälle gingen daraufhin deutlich zurück. Das Beispiel führen Tempolimit-Befürworter gerne an. Die Gegner sagen: Nur weil ein Tempolimit in dem einen Fall auf genau der Strecke die Sicherheit erhöht hat, kann man davon nicht auf den Effekt für das gesamte Autobahnnetz schließen. Was bringt also ein allgemeines Tempolimit für die Sicherheit? Die Antwort ist: Man weiß es nicht. Ganz genau wüsste man es letztlich wohl erst, wenn man es ausprobieren würde.

hr-iNFO Aktuell, 14.2.2020, 15 bis 18 Uhr

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