Ein Haufen Avocado
Für den Avocado-Anbau wird eine Menge Wasser benötigt. Bild © picture-alliance/dpa

Die Avocado hat vor einigen Jahren die Herzen der Deutschen gewonnen. Das Problem: Für den Anbau von einem Kilo Avocado werden 1.000 Liter Wasser benötigt. Und das ist im Exportland Chile eine knappe Ressource geworden.

Über 200.000 Tonnen Avocados werden im chilenischen Petorca jährlich geerntet. Ein Superfood, das zu großen Teilen exportiert wird, auch nach Europa. Cremig-frisch sind sie, grün und nahrhaft. Sandig-braun ist dagegen das Anbaugebiet, das rund 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago de Chile gelegen ist. Das Superfood Avacodo hat einen Superdurst. Für die Aufzucht von einem Kilo Avocado werden 1.000 Liter Wasser benötigt – achtmal mehr als für ein Kilo Kartoffeln.

In der Provinz Petorca gibt es eine kleine Gruppe von Avocado-Produzenten, die ihre Plantagen auf steinigen Berghängen angelegt haben. Die Böden seien dafür aber eigentlich gar nicht geeignet, sagt Rodrigo Mundaca. "Als ihnen das Wasser fehlte, haben sie Flüsse trockengelegt, das Grundwasser mit illegal gegrabenen Brunnen angezapft und außerdem die Zäune ihrer Grundstücke so versetzt, dass sie direkt um die Flussläufe herum liegen", sagt der Generalsekretär der "Bewegung zur Verteidigung des Zugangs zu Wasser, der Erde und des Umweltschutzes" (Modatima).

Privates Wasser, privates Verteilungsmanagement

Seit 2010 prangert Mundaca den Wasserraub in der Provinz an. Dafür wurde er Dutzende Male verhaftet, bedroht und sogar zusammengeschlagen. Derzeit steht er unter Polizeischutz. Wasser ist in Chile eine der am meisten umkämpften Ressourcen. Der Staat tritt dabei nicht als Regulierer auf, er vergibt Nutzungsrechte an Dritte, meist sind das die großen Player im Agrar-, Bergwerks- und Forstwirtschaftssektor. "Chile ist das einzige Land der Welt, das nicht nur seine Wasserquellen privatisiert hat, sondern auch die Verteilung und das Management des Wassers", kritisiert Mundaca. Die Privatisierung habe schon jetzt einen irreversiblen Schaden hinterlassen und den gesamten Wasserkreislauf beeinträchtigt.

Heute sind viele Anwohner und Kleinbauern auf Wasser aus Tanklastern angewiesen. Für ihre eigenen Gärten, Beete und Felder bleibt kaum etwas übrig, erzählt Monica Vilches, die sich in ihrer Gemeinde San José für sauberes Wasser einsetzt. "Es macht wütend und es tut weh zu sehen, dass die großen Produzenten Massen an Wasser horten, während die normalen Bauern und Arbeiter auf Wasser aus Tanklastern angewiesen sind", klagt Vilches. "Wir sammeln das Spülwasser, das Wasser vom Duschen, vom Geschirrspülen, und damit gießen wir unsere eigenen Avocado-Bäume und Pflanzen, um hier noch etwas Grün am Leben zu halten." Es gibt Wasser für die Exportwirtschaft, die lokale Bevölkerung sitzt auf dem Trockenen.

Nicht genügend Investitionen in die Infrastruktur

Ähnlich ist die Situation in anderen Regionen des Gastgeberlandes der diesjährigen Klimaschutzkonferenz. Nahe der Stadt Paine, ein wichtiges Anbaugebiet unter anderem für Kirschen unweit der Hauptstadt Santiago, lag einst das beliebte Naherholungsgebiet um die Lagune Aculeo. Der einst zwölf Quadratkilometer große See ist komplett ausgetrocknet, als hätte einer den Stöpsel gezogen. Marco Contreras, der dort einen Campingplatz unterhält, steht vor dem Nichts. "Es gibt keinen Tourismus mehr. Keiner macht mehr Camping. Es gibt kein Geschäft mehr", erzählt er.

Es ist aber nicht nur die Landwirtschaft, auch die private Nutzung, neue Immobilienprojekte, all das hat zugenommen – während Investitionen in die Infrastruktur hinterherhinken. Verschärft wird die Situation vor allem durch den Klimawandel. "Meine Großeltern haben erzählt, dass es früher auch mal eine Woche lang geregnet hat. Heute sind es höchstens zwei Tage", weiß Camila Nunez, die in der Gegend wohnt.

Dürreland Chile

Lag der durchschnittliche Niederschlag in Chile in den 1980er Jahren noch bei fast 350 Millimetern pro Jahr, hat sich die Menge heute halbiert. Gleichzeitig sind die Temperaturen angestiegen. Heute leben rund 70 Prozent der Chilenen in Gebieten, die von Dürre betroffen sind.

Sendung: hr-iNFO, 22.3.2019, 16:30 Uhr

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