Goethe Statue mit neuen Bäumen
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Viele heimische Baumarten kommen mit den steigenden Temperaturen in deutschen Großstädten nicht mehr klar. Deshalb sucht Frankfurt verstärkt in Asien und Nordamerika nach Ersatz. Billig ist die Umrüstung nicht.

Auf dem Goetheplatz in Frankfurt schaut die Goethe-Skulptur von seinem Denkmal auf Bäume, die der Dichter zu seiner Zeit hier nicht gesehen hätte – die er vielleicht sogar gar nicht kannte: Christian May vom Frankfurter Grünflächenamt kann helfen. "Wir sehen hier auf dem Platz Schnurbäume, sogenannte Sophoren. Und auf der anderen Straßenseite sehen wir Liquidamba, den Amber-Baum", erklärt May.

Der Amber-Baum komme aus Nordamerika, der Schnurbaum hingegen aus Korea und China. Die Bäume gehören zu einer neuen Generation von Stadtbäumen. Christian May hofft, dass sie mit der Hitze und der Trockenheit auf dem Goetheplatz zurechtkommen. "Eine Eiche würde hier innerhalb von zwei bis drei Jahren eingehen, weil es einfach zu warm wird", sagt May.

Und warum keine Palmen?

Besonders schlecht für die Bäume in der Stadt sei die Hitze, die der versiegelte Boden und die Mauern der Häuser in der Nacht abstrahlen. Die Hitze des Tages bleibt, dazu kommt wochenlange Trockenheit. May sagt, dass in den nächsten 20 bis 30 Jahren die heimischen Baumarten komplett verschwinden würden. Auch weil mit den warmen Temperaturen neue Schädlinge angekommen seien: Etwa die Miniermotte in den Kastanien, oder die Masaria-Pilz-Krankheit bei den Platanen.

Frankfurt braucht neue Bäume. Die Stadt hat mit der Klima-Anpassung bereits begonnen: Die Neuen müssen mit Trockenheit und Hitze, aber auch mit Frost im Winter klarkommen. Deshalb werden in der Stadt zum Beispiel keine Palmen gepflanzt. Erprobt werden Bäume, die aus dem nordamerikanischen Raum kommen, dem vorderasiatischen Raum, China, dem Kaukasus, Japan und zum Teil Afrika.

Den Hitze-Kollaps vermeiden

Noch ist der perfekte Zukunfts-Mix nicht gefunden. Klar ist aber jetzt schon, dass die Klima-Anpassung teuer wird. Neue Bäume müssen angeschafft werden und die werden wahrscheinlich nicht mehr so alt: Früher haben Bäume in der Stadt 70 bis 100 Jahre durchgehalten. Zukünftig werden es nur noch 30 bis 40 Jahre sein. Zu viele Stressfaktoren kommen zusammen.    

Gleichzeitig wird viel Grün in der Stadt immer wichtiger. Denn Bäume bringen Schatten und sie kühlen durch das Verdunsten von Wasser. Nur so, davon ist Hans-Georg Dannert vom Umweltamt überzeugt, kann der Hitze-Kollaps zukünftig vermieden werden. "Wir haben mittlerweile Programme, die auch auf der Mikroklima-Ebene in diesen Hinterhofbereichen, in Straßenzügen das Klima simulieren können. Man kann sehr schön sehen, wie Verdunstungskälte hier zu einer Abkühlung führt, Verschattung dazu führt, dass diese extreme Einstrahlung in Grenzen gehalten wird und sich die Flächen nicht so aufheizen", so Dannert.

Stadt übernimmt Hälfte der Kosten

Um Frankfurt fit zu machen für die Hitze der Zukunft, hat die Stadt ein Förderprogramm aufgelegt: Jeder private Hauseigentümer, der mehr Grün in die besonders von Überwärmung betroffenen Stadtteile bringt, bekommt bis zu 50 Prozent seiner Kosten von der Stadt erstattet. Dächer und Fassaden sollen begrünt, Hinterhöfe bepflanzt werden. Nur die grüne Stadt ist fit für die Zukunft.  

Sendung: hr-iNFO, 10.8.18, 6.10 Uhr

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