Weihnachtsgeschenke unterm Tannenbaum
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Wieso tun wir uns den Stress mit den Geschenken für die Weihnachtszeit eigentlich jedes Jahr wieder an? Unsere Reporterin ist mal in sich gegangen und hat ein paar Thesen aufgestellt.

Grund 1: Zu spät

Wir fangen zu spät an. Jedes Jahr beim medaillenreifen Geschenke-Endspurt durchs Einkaufszentrum mit höchst ungesunden Blutdruck-Werten nehme ich mir vor: nie wieder. Nächstes Jahr mach ich alles anders. Mit einer ganz simplen Strategie:

Gegenmaßnahme 1

Einfach früher anfangen, nicht erst in der letzten Adventswoche. Soweit zumindest die naheliegende Strategie und Theorie. Die aber leider von der Praxis ausgehebelt werden. Denn: Die Stimmung muss stimmen. Unser Hirnareal für Geschenkideen kommt erst ab Temperaturen unter zehn Grad auf Touren. Bei Herbstsonne und buntem Laub ist dieses Hirnareal inaktiv. Der Geschenke-Funke springt erst über, wenn die Lichterketten funkeln.  Das ist das Fazit meiner Privat-Empirie über Dekaden von Weihnachtseinkäufen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die zu Beschenkenden jegliche Frühstarter-Ambitionen torpedieren. Fragen wir unsere Nächsten, was sie sich wünschen, kommt erst drei Tage vor Weihnachten die erste ernstzunehmende Antwort. Ähnlich schwierig: Kinder unter zehn Jahren, die nur durch das nächste teure, mobile Endgerät ruhiggestellt werden.

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Denn Kinderweihnachtswünsche entwickeln sich erst, wenn nur noch überschaubare vier oder fünf Türchen am Adventskalender zu öffnen sind. Also die wirklichen, wichtigsten, sehnlichsten Wünsche. Wer da schon Anfang November die Geschenke im Schrank hat, hat sogar doppelten Stress: 'Kann ich das noch umtauschen? Wo ist die Quitttung? Was?!? Trotz Expressversand-Lieferung erst nach Weihnachten? Wo soll  ich denn jetzt genau das Skateboard herzaubern?'

Grund 2: Irgendwas ist immer ...

Es kommt immer etwas dazwischen: wie Krankheiten, ist halt Erkältungszeit. Man selbst liegt im Bett oder die Kinder werden krank, die man hüten muss. Oder die Kollegen werden krank, die man vertreten muss. Oder die Oma kommt in die Klinik. Gerne alles gleichzeitig an den Tagen, die man fürs Geschenkekaufen frei geschaufelt hatte.

Gegenmaßnahme 2

Alles online bestellen – geht auch mit Fieber im Bett. Aber Obacht: Lieferung erst nach Weihnachten. Außerdem: Schlecht für den Einzelhandel am Ort, schlecht für die Umwelt, schlecht für den Stau, schlecht für das Verhältnis zu den Nachbarn, die für alle acht Parteien im Haus rausgeklingelt werden, wenn der Paketbote vor der Haustür eine Skyline aus Paketen baut.

Grund 3: Fehlende Ideen

Uns fehlen die Ideen für passende Geschenke. In unserem vor Luxus und Überfluss überbordenden Leben fällt es schwer, etwas zu finden, das der zu Beschenkende entweder wirklich braucht oder aber über das er sich wirklich freut und auch noch halbwegs gebrauchen kann. Ob der Schwager wirklich diese Pfeffermühle mit Motor und Beleuchtung braucht? Hm …

Gegenmaßnahme 3a

Bleibt nur noch: sich nichts schenken. Darauf fall' ich aber nicht mehr rein. Alle kommen dann doch mit "nur eine Kleinigkeit" um die Ecke und ich stehe mit leeren Händen da. Außerdem ist doch Weihnachten … und ich will ja etwas schenken …. Bleibt also nur noch:

Gegenmaßnahme 3b

Den Stress akzeptieren, den die Schenkerei nun mal mit sich bringt. Frühzeitig zwei Tage in zwei verschiedenen Wochen freinehmen für die Geschenkepirsch. Und im Zweifel Aktions-Gutscheine verschenken: Rasenmähen im Frühling bei den Schwiegereltern, beim Garage ausmisten helfen oder im nächsten Dezember mit der Schwester in die Stadt gehen zum Geschenkefinden.

Die Gutscheine löst man dann eh nicht ein. Aber man zeigt, dass man die Bedürfnisse des Anderen wahrnimmt. Und keiner bekommt Dinge, die er eigentlich nicht braucht.

Sendung: hr-iNFO, 18.12.2018, 9.10 Uhr

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