Mann öffnet Paket

Gefühlt wird alles "immer mehr": Immer mehr Leute bestellen immer mehr im Internet. Die Folge: Immer mehr Pakete, immer mehr Verpackungen, immer mehr Boten. Aber ist das wirklich so?

Derzeit sieht man sie wieder bis in den Abend hinein in den Wohngebieten ihre Kreise ziehen: die Paketboten. Jetzt vor Weihnachten ist besonders viel zu tun, immer mehr Deutsche bestellen ihre Weihnachtsgeschenke im Internet. Die Paketzahlen sind in den vergangenen Jahren förmlich explodiert.
Roman Warschauer berichtet und war dafür unter anderem an der Bergstraße unterwegs:

Es ist früh am Morgen in Bensheim, noch zwei Wochen bis Weihnachten. Im örtlichen Post-Stützpunkt ist jede Menge los. Gerade werden hier hunderte Pakete von einem Lastwagen auf Rollcontainer verladen, anschließend schaffen die Zusteller diese dann in ihre Lieferwagen und verteilen sie bei den Empfängern in Bensheim und Umgebung. Aktuell sind es deutlich mehr Pakete als sonst und auch mehr Zusteller.

Doppelt so viele Pakete zur Weihnachtszeit

"Wir haben natürlich zusätzliche Kräfte eingesetzt, für den Starkverkehr-Paket", sagt Nicole Laser, Leiterin des Stützpunkts mit insgesamt rund 340 Mitarbeitern. "Bei Paketen sprechen wir aktuell von 14.000, das geht aber hoch bis,  ich schätze mal, 20.000 in der kommenden Woche. Pro Tag."

Die Posttochter DHL ist mit Abstand Marktführer bei den Paketdiensten in Deutschland. Und der vorweihnachtliche Boom macht sich natürlich nicht nur in Bensheim bemerkbar. "Wir haben, nur zum Vergleich, an normalen Werktagen ungefähr fünf Millionen Pakete und Päckchen in unseren 36 Paketzentren, die wir bearbeiten", sagt Post-Sprecher Stefan Heß. "Und jetzt an Spitzentagen vor Weihnachten, da werden wir sicherlich die elf Millionen Marke knacken - also haben wir mehr als eine Verdopplung."

Internethandel lässt Lieferungen extrem stark wachsen

Insgesamt lieferte DHL im vergangenen Jahr rund 1,5 Milliarden Pakete aus. Zusammen mit den anderen Paketdiensten, wie UPS, DPD oder Hermes, kommen dabei unglaubliche Sendungsmengen zusammen. "2018 waren wir bei 3,5 Milliarden Sendungen und wir erwarten für 2019 – das ist allerdings eine Prognose - im Minimum 3,6 Milliarden Sendungen", erklärt Marten Bosselmann, Vorsitzender des Bundesverbands  der Paket und Expresslogistik.

Neben den absoluten Zahlen, ist aber vor allem die Entwicklung bemerkenswert. Denn gerade der zunehmende Internethandel hat die Zahl der Pakete stark steigen lassen. Marten Bosselmann blickt dafür fast 20 Jahre zurück: "Also wir haben mehr als eine Verdopplung der Sendungen seit 2000 - ein Wachstum von 108 Prozent".

Wachstum sorgt für Schwierigkeiten

Und der Zuwachs soll noch rasanter weiter gehen. Der Verband rechnet mit einer Verdoppelung in den kommenden zehn Jahren. Doch das starke Wachstum sorgt auch für Schwierigkeiten. Die Suche nach neuen Mitarbeitern sei eine der größten Herausforderungen der Branche, sagt Bosselmann. Aber auch die zunehmenden Platzprobleme in den Innenstädten beschäftigen die Paketdienste.

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Schutz von Paketboten

Immer wieder ist zu hören, dass viele Osteuropäer hier für Subunternehmer die Pakete liefern – zu teils unmöglichen Arbeitsbedingungen. Das Gesetz zur Nachunternehmerhaftung in der Paketbranche soll sicherstellen, dass Paketboten korrekt und fair bezahlt werden. Zahlt ein Subunternehmer beispielsweise keine oder zu wenig Sozialabgaben, muss der Auftraggeber einspringen. Allerdings kritisieren Arbeitnehmervertreter, das neue Gesetz lasse zu viele Ausnahmen und Schlupflöcher.

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Neue Lösungen sind deswegen gefragt: Eine stärkere Digitalisierung, Lastenräder für die Innenstadt oder Paketboxen für größere Mehrfamilienhäuser. Kurzfristig setzt man bei der Posttochter DHL aber erst einmal auf mehr Personal, um das Weihnachtsgeschäft bewältigen zu können. "Wir haben über 10.000 Aushilfen eingestellt und über 12.000 zusätzliche Fahrzeuge im Einsatz", sagt Post-Sprecher Stefan Heß, "das heißt, wir haben an jeder Stellschraube gedreht, um die Sendungen in wirklich sehr guter Qualität ausliefern zu können". Über 120.000 Zusteller sind damit alleine bei DHL in der Vorweihnachtszeit in Deutschland unterwegs.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 18.12.19, 6-9 Uhr

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