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Auch wenn die Akutversorgung von Krebspatienten in Hessens Krankenhäusern gewährleistet ist, erschwert die Corona-Pandemie die Behandlung von Betroffenen. Dass Symptome häufiger verdrängt werden, ist nur einer der Gründe.

Gabriele Palmer ist zurzeit in einer Reha-Klinik. Im vorigen Jahr war bei der Frankfurterin Brustkrebs festgestellt worden. Die schon grassierende Pandemie hielt das, was nun schnell nötig war, nicht auf. "Das ging Knall auf Fall", berichtet die 67-Jährige. "Trotz Corona bin ich da ganz zeitnah operiert worden. Und die Bestrahlung wurde auch direkt im Anschluss daran gemacht."

Kapazitäten in Reha-Kliniken geschrumpft

Der Platz in der Reha ließ dann ein bisschen auf sich warten. Eine Corona-Folge, sagt Palmer. Wegen der strengen Hygiene-Regeln sind die Kapazitäten der Reha-Kliniken stark geschrumpft. Die Akut-Versorgung aber läuft normal.

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Blutprobe für Immuntherapie gegen Krebs
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Die Behandlung von Krebskranken sei in Hessens Kliniken trotz der vielen Covid19-Fälle gewährleistet, sagt Steffen Gramminger, der Geschäftsführende Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft: "Die Corona-Pandemie beeinflusst die Akut-Behandlung von Krebspatienten tatsächlich nicht. Operationen, Chemo-Therapien oder Bestrahlungen werden in dem entsprechend notwendigen Zeitfenster durchgeführt. Als Notfall auch am selben Tag."

"Symptome werden verdrängt"

Das heißt aber keineswegs, dass die Corona-Pandemie für Krebs-Patientinnen und -Patienten folgenlos bleibt. Gramminger zufolge sind 2020 bundesweit 80.000 bis 100.000 Krebskranke weniger in den Krankenhäusern behandelt worden als in den Jahren zuvor: "Das bedeutet, dass Symptome verdrängt werden, dass man sagt: ,Naja, so schlimm ist es vielleicht gar nicht, da muss ich ja noch gar nicht jetzt ins Krankenhaus.‘ Vielleicht sind Leute auch nicht zum Hausarzt gegangen. Dadurch können natürlich Symptome verschleppt werden, was dann vielleicht zu einer stärkeren Ausprägung der Erkrankung führt."

Hanna Bohnenkamp, die Leiterin der Beratungsstellen der Hessischen Krebsgesellschaft, bestätigt diese Corona-bedingte Verunsicherung bei vielen Betroffenen, die gravierende Folgen haben kann: "Wir hören, dass Leute zögern, sich an einen Arzt zu wenden; oder auch, wenn sie sich in Behandlung befinden, zögern, Beschwerden, die nicht so groß wirken, überhaupt zu thematisieren und dem nachzugehen."

Angst vor Corona-Infektion

Den Großteil ihrer Beratungstätigkeit leistet die Hessische Krebsgesellschaft nun online. Aber Bohnenkamp betont: Es sei grundsätzlich möglich und in einigen Fällen auch richtig, die Beratungsstellen weiterhin aufzusuchen. Der Bedarf an Aufklärung ist groß.

Laut Bohnenkampf sorgt Corona dafür, "dass viele sich die Frage stellen, wann können meine Untersuchungen erfolgen, wann kann die Behandlung so erfolgen, wie sie notwendig ist". Viele Betroffene hätten zudem Angst, "im dem Augenblick, in dem sie sich in eine Arztpraxis, ein Krankenhaus oder ein anderes Behandlungszentrum begeben, sich vielleicht infizieren zu können".

"Pandemie verschärft psychische Belastung"

Mit dieser Gefahr müssen auch die onkologischen Abteilungen in Hessens Krankenhäusern umgehen. Anders als im vergangenen Frühjahr sind Krankenbesuche derzeit in vielen Kliniken eingeschränkt möglich. Gerade für Krebspatienten ist persönlicher Kontakt enorm wichtig. Ein zweischneidiges Schwert, weiß Steffen Gramminger, der Direktor der Hessischen Krankenhaus-Gesellschaft: "Das ist natürlich dann immer schwierig für die Krankenhäuser, weil wir abwägen müssen zwischen der Infektionsgefahr und der Betreuung der Patienten auch gerade durch ihre Angehörigen."

Corona schafft Bedingungen, die für eine Krebspatientin nur schwer auszuhalten sind – trotz der guten Akut-Versorgung. Die Pandemie verschärfe vor allem die psychische Belastung, sagt Gabriele Palmer, die Frankfurterin, die gerade ihre Reha absolviert: "Die seelische Seite, die war extrem herausfordernd – und ist es immer noch. Das ist auch hier in der Reha so. Sie sitzen allein am Tisch, es gibt praktisch kaum Kontakte. Das ist schon bitter."

Sendung: hr-iNFO "Das Thema", 4.2.2021, 6 bis 9 Uhr

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