Ein Baum ist auf ein Auto gestürzt.

Abgedeckte Dächer, vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume: Im Rhein-Main-Gebiet haben am Sonntag starke Unwetter Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Welche Versicherung springt in welchen Fällen ein? Ein Überblick.

Heftiger Regen, reißende Bäche - kein Problem mit der richtigen Versicherung, sagt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: "Wenn der Starkregen zum Beispiel das Mobiliar zerstört oder elektrische Geräte - gemeinhin all das, was man als Hausrat bezeichnet - hilft die Hausratsversicherung weiter, und zwar die, die auch den sogenannten Elementarschaden-Versicherungsschutz mit einschließt."

Bei Schäden an Häusern springe dagegen die sogenannte Wohngebäudeversicherung ein. Kostenpunkt: ab 200 bis 300 Euro pro Jahr, je nach Standort der Immobilie. Das gilt, wenn Hagel die Fassade beschädigt oder wenn starker Wind die Ziegel vom Dach weht. Und was passiert, wenn das eigene Auto beschädigt wird? "Da ist die Teilkasko-Versicherung völlig ausreichend", sagt Kathrin Jarosch - Sturm-, Hagel- oder Überschwemmungsschäden seien über die Teilkasko mit abgesichert. In diesem Fall gebe es auch keine Hochstufung, weil es das in der Teilkasko nicht gebe. "Das einzige, was fällig wird, ist der eventuell vereinbarte Selbstbehalt."

Mindestens alle 5 Jahre Versicherungen überprüfen

Läuft der eigene Keller voll, muss er ausgepumpt und trockengelegt werden, dann braucht es neben der Wohngebäudeversicherung einen Naturgefahrenschutz. Der werde inzwischen immer wichtiger, sagt Hermann-Josef Tenhagen vom Verbraucherportal Finanztip. "Ursprünglich hat man immer gesagt, Elementarschaden ist etwas für Leute, die an Flüssen wohnen, die regelmäßig über die Ufer gehen", so Tenhagen. Mit den Starkregenereignissen sei es jedoch verstärkt dazu gekommen, "dass auch an anderen Stellen häufiger mal Wasser im Keller steht. Und auch wenn man im 13. Stock wohnt, kann es teuer werden, wenn man denn einen Keller hat, in dem das Wasser steht.“

Tenhagen rät dazu, mindestens alle fünf Jahre die eigenen Versicherungen zu überprüfen: Reicht der Schutz für die aktuelle Lebenssituation? Und: Sind die Kosten in Ordnung? "Grundsätzlich gilt bei Versicherungen: Ich mache die dann, wenn der große Schaden eintritt, wenn ich das nicht einfach so verkraften könnte", so Tenhagen. Nur 39 Prozent der Hausbesitzer in Hessen sind im Moment gegen Überschwemmungsschäden versichert. Wenn es hart auf hart kommt, könne sich das rächen, sagt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: "Die Zahlen sprechen eine ganz deutliche Sprache: Es sind zu wenig. Das heißt, im Fall des Falles muss mehr als jeder zweite Hausbesitzer in die eigene Tasche greifen bei einem Starkregenschaden - und auch vom Staat sind hier keine Hilfen zu erwarten.“

Vor zwei Jahren hatten sich die Ministerpräsidenten darauf geeinigt, keine Hilfen mehr an Nicht-Versicherte zu zahlen. Seitdem gilt: Jeder ist für sich selbst verantwortlich.

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Wissenswert: Tornado, Hurrikan & Co.

Wann spricht man von einem Sturm? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Tornado und einem Hurrikan und wie entstehen sie?

Von Martina Knief

  • Als Sturm wird ein Wind bezeichnet, der eine Geschwindigkeit von mehr als 74 km/h hat.
  • Tornados werden auch als Windhose bezeichnet und sind örtlich begrenzt. Sie können entstehen, wenn sich große Gewitterwolken über einer Schicht aufgeheizter Luft bilden. Die Kaltluft stürzt aus mehreren Kilometern Höhe herab und eine Warmluftsäule schiebt sich nach oben. Es entsteht ein Rüssel mit hoher Geschwindigkeit. Wo dieser auf die Erde trifft, wirbelt er alles umher. Wenige Meter daneben bleibt alles ruhig. Experten gehen davon aus, dass es in Deutschland etwa 100 Tornados pro Jahr gibt. Tornados sind kurz und heftig.
  • Auch eine Fallböe kann solche Schäden anrichten. Diese tritt ebenfalls sehr lokal auf, richtet oft aber nicht diese Schneise der Verwüstung an. Der Wind läuft bei einer Fallböe nur in eine Richtung.
  • Ein Orkan erreicht eine Windgeschwindigkeit von mehr als 117 km/h und wird als Bezeichnung für starke Stürme über Mittel- und Nordeuropa verwendet. Vor allem im Herbst und im Winter brausen Orkane über Teile Europas. Kalte Luft aus der Polarregion trifft dabei auf warme Luft, die aus Richtung des Äquators kommt.
  • Tropische Wirbelstürme entstehen über dem Meer. Auf der Nordhalbkugel treten sie zwischen Juni und November auf, auf der Südhalbkugel zwischen Dezember und Mai. Sie entstehen, wenn das Meerwasser an der Oberfläche mindestens 26 Grad warm ist und stark verdunstet. Die feuchten Luftmassen steigen auf und dadurch entsteht ein riesiger Wirbel. Über dem Atlantik heißen diese Wirbelstürme Hurrikane, im asiatischen Raum Taifune und südlich des Äquators bezeichnet man sie als Zyklon. Die tropischen Wirbelstürme sind langanhaltend.
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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 19. August 2019, 15 bis 18 Uhr

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