Ein Wasserglas neben einer Hand, die Medikamente zur Einnahme bereithält.

Bei manchen Medikamenten bleiben die Regale in den Apotheken immer öfter leer. Waren Lieferengpässe vor ein paar Jahren noch die absolute Ausnahme, sind sie mittlerweile schon fast normal.

Akribisch verwalten die Mitarbeiter im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn die Übersicht über Engpässe. Aufgelistet werden dabei die Mittel, die für zwei Wochen nicht geliefert wurden. "Gründe für solche Lieferengpässe können Produktionsprobleme beim Hersteller sein, dass Herstellungsprozesse umgestellt werden oder dass Ware aufgrund von Qualitätsproblemen nicht freigegeben werden kann", sagt Behördensprecher Maik Pommer.

Für die Behörde ist das erst einmal ein ganz gewöhnlicher Vorgang, der zum Alltag gehört. Ein Lieferengpass an sich ist eigentlich kein Problem. "Es stehen häufig Alternativpräparate zur Verfügung, mit denen der Patient behandelt werden kann", erklärt Pommer.

Die Apotheker müssen's ausbaden

Problematisch sind die Engpässe dagegen für die Apotheker. Die nämlich müssen den Patienten erklären, warum ein Mittel mal wieder nicht im Laden liegt. "Wir bemühen uns natürlich möglichst nach Alternativen oder nach Restbeständen zu suchen, aber sie können sich vorstellen, dass das die Arbeit unendlich kompliziert macht und verzögert", sagt Holger Seyfarth vom Hessischen Apothekerverband. 

Seyfarth fühlt selbst eine Apotheke im Frankfurter Stadtteil Bornheim. Er hat ein vergleichsweise großes Lager, weshalb er viele Medikamente auf Vorrat da hat. Vor Engpässen ist aber auch er nicht gefeit.

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Lieferprobleme häufen sich

Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte gab es 2013 Lieferprobleme bei etwa 40 Arzneimitteln. Fünf Jahre später waren es schon über 264. Die Tendenz ist weiter steigend.

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"Big Pharma tanzt uns auf der Nase rum"

In der Kritik stehen auch die Krankenkassen, weil sie sich mit Rabattverträgen an Medikamente von einzelnen Herstellern gebunden haben. Das sei damals allerdings gemacht worden, um die Kassenbeiträge für Versicherte stabil zu halten, erläutert Christopher Hermann von der AOK Baden-Württemberg, der aber noch ein ganz anderes Problem sieht: "Niemand weiß, wer bei der Pharmaindustrie wo, wann, wie viel produziert. Und das ist das eigentliche Problem, dass wir hier die Versorgung sichern wollen und Big Pharma uns auf der Nase rumtanzt."

Was aber kann getan werden, um die zeitnahe Versorgung zu gewährleisten? Eine Idee ist, den Markt zu lockern – etwa durch mehr Verträge mit europäischen Herstellern von Arznei. Im Moment werden vor allem viele sogenannte Generika in Asien produziert.

Längere Vorhaltezeiten

Ein anderer Vorschlag ist eine Verordnung einzuführen, damit die wichtigsten Medikamente länger vorgehalten werden dürfen und müssen. Bisher geht das nur wenige Wochen. "Man müsste die pharmazeutischen Unternehmer eindeutig zwingen, auch einen gewissen Lagervorrat für beispielsweise drei bis sechs Monate von versorgungsrelevanten Arzneimitteln vorzuhalten", so Wolf-Dieter Ludwig von der Deutschen Ärzteschaft.

Auch in der Politik werden viele Ideen diskutiert. Barbara Klepsch, Vorsitzende der Konferenz der Gesundheitsminister, sieht die Bundesregierung in der Pflicht. Das Thema müsse auf europäischer Ebene gelöst werden. Bis dahin könnte es aber noch dauern.

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