Andrea Nahles
Andrea Nahles Bild © picture-alliance/dpa

Andrea Nahles ist gerade einmal ein halbes Jahr SPD-Chefin, doch schon jetzt hängt ihre Zukunft auch von der hessischen Landtagswahl ab. Sollte es nach der Pleite in Bayern zu einem weiteren Misserfolg kommen, dürfte bei der SPD kein Stein auf dem anderen bleiben. Was macht Nahles aus und wer könnte sie im Falle des Falles beerben?

Der politische Weg der Andrea Nahles

Andrea Nahles ist keine, die sich schnell kleinkriegen lässt. Sie packt gern fest zu, haut auch verbal mal einen raus. Die GroKo hätte es ohne die 48-Jährige aus der Eifel nicht gegeben. Mit voller Kraft packt Nahles die widerspenstigen genossen, als die SPD nach dem Jamaika-Aus einspringt. Sie wird Partei- und Fraktionsvorsitzende - als erste Frau an der Spitze der SPD.

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Das Interview mit Andrea Nahles

Am Mittwoch (24.10.) haben Katja Marx (hr-iNFO-Programmleiterin) und Andreas Reuter (Leiter hr-iNFO-Haupstadtstudio) die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles zum Interview getroffen. [mehr]

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Bekannt geworden ist Andrea Nahles in den 90ern als lautstarke, linke Juso-Chefin. Kanzler Schröder beschimpfte sie mal als Abrissbirne der sozialdemokratischen Programmatik. Schröders Hartz IV-Reformen waren Teufelszeug für Nahles. Als Krawallschachtel galt sie spätestens 2005, als sie – fast unfreiwillig – den damaligen Vorsitzenden Müntefering stürzte.

Als Arbeitsministerin legt sie später ein Gesetz nach dem anderen vor - und bekommt sozialdemokratische Herzensthemen durch: den Mindestlohn und die Rente mit 63. Bis der Streit in der neuen Großen Koalition alles überdeckt. Nahles macht Fehler - wie bei der Affäre Maaßen. Sie korrigiert sich zwar schnell, und sorgt dafür, dass der geschasste Verfassungsschutzchef nicht noch befördert wird. Aber der Schaden ist da. Nahles habe kein Gespür mehr für die Basis, werfen ihr Genossen vor. Die Chefin ist angeschlagen, angespannt. Der Druck wächst, der Rückhalt schwindet. Dass die SPD noch vergleichsweise still hält, liegt an der Hoffnung, die Hessen-Wahl möge für sie besser ausgehen. Und, dass sich keine wirkliche Alternative zu Andrea Nahles anbietet.

Doch wer könnte es machen? Wer könnte die SPD raus aus der Groko führen, wenn Andrea Nahles aufgibt?

Katarina Barley

Katarina Barley, die Justizministerin, liebt ihre Partei so sehr, dass sie für sie ins Exil geht, nach Europa, als Spitzenkandidatin. Gut für die SPD in Europa, schlecht für die SPD in Berlin, denn Barley, die fröhliche Triererin, konnte immer gefragt werden, wenn die SPD mal wieder in Personalnot war.

Malu Dreyer

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz in Mainz wird von ihrer Partei innig geliebt. Ihre Kombination von beinharter Freundlichkeit, sanfter Härte und unbedingter Loyalität zur SPD ist unschlagbar. Doch Dreyer hat schon voriges Jahr abgewinkt, sie ist gerne in Mainz. Und dann ist da ja auch noch ihre angegriffene Gesundheit.

Olaf Scholz

Auch Olaf Scholz ist einer, der immer genannt wird. Erfolgreicher erster Bürgermeister von Hamburg, nun Finanzminister und Vizekanzler - doch so richtig geliebt wird er in der SPD nicht. Zu hanseatisch womöglich. Zudem ist er ein Architekt der Groko. Scholz, der Pragmatiker, wird die SPD nicht begeistern können.

Kevin Kühnert

Er hingegen kann's: Kevin Kühnert, der Juso-Chef, der Kopf der No-Groko-Bewegung. Der Student aus Berlin ist keine 30. Kann er mehr als bewegen, kann er auch führen? Kann er Inhalt? Aus dem wird mal was, hört man. Aber noch nicht jetzt.

Manuela Schwesig

Noch nicht jetzt: Das gilt auch für Manuela Schwesig, die gerade erst Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern geworden ist.

Martin Bulig

Noch nicht, heißt es auch über Martin Dulig, 44, den selbstbewussten Chef der SPD in Sachsen.

Stephan Weil

Und so wird die Frage "Wer soll's denn machen?" mal wieder mit Verweis auf Niedersachen beantwortet. Dort, in Hannover, hat die SPD schon so viel Führungspersonal rekrutiert. Gerhard Schröder, der vorerst letzte SPD-Kanzler kam von dort. Könnte Stephan Weil der nächste sein? Stephan Weil ist 59 Jahre alt und seit über fünf Jahren Ministerpräsident. Geräuschslos, effizient, bodenständig. Und ein kleines bisschen langweilig.

Sendung: hr-iNFO, 24.10.2018, 06:10 Uhr

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