Uiguren in China

Geheime Dokumente der Kommunistischen Partei Chinas haben die systematische Verfolgung der Uiguren enthüllt. Wer sind die Uiguren und was hat die chinesische Regierung gegen sie?

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Die Uiguren sind eine der vielen Minderheiten in der Volksrepublik China. Von über 1,4 Milliarden Einwohnern Chinas gehören rund zehn Millionen dieser Volksgruppe an. Die meisten von ihnen leben in der dünn besiedelten autonomen Provinz Xinjiang –sie ist mehr als viermal so groß wie Deutschland.

Uiguren sind meistens Muslime, ihre Sprache ist stark verwandt mit dem Türkischen. Xinjiang hat den Status einer autonomen Region. Seit den 1990er Jahren siedelt Peking dort Han-Chinesen an. Das führte zu erheblichen Spannungen zwischen Uiguren und zugewanderten Chinesen. Seit den achtziger Jahren gab es immer wieder Ausschreitungen. Vor zehn Jahren kamen dabei rund 200 Menschen bei Unruhen ums Leben.

Gezielte Angriffe auf Zivilisten

China sieht sich in einem Abwehrkampf gegen muslimische Terroristen. Tatsächlich haben uigurische Attentäter in den letzten Jahren gezielt chinesische Zivilsten angegriffen. Vor fünf Jahren gab es in Kunming etwa 30 Tote: Eine Gruppe vermummter Uiguren hatte wahllos auf Menschen mit Messern eingestochen.

Kurz vorher hatten drei Attentäter auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking ein Auto in eine Menschengruppe gelenkt - fünf Menschen starben dabei. Auf Seiten islamistischer Kämpfer in Syrien gab es auch Uiguren. China selbst sieht sich deshalb als Opfer von islamistischem Terror; das Ziel der Terroristen sei ein islamistischer Gottesstaat.

Internierungslager oder Berufsbildungszentren?

Das aber halten Menschenrechtsorganisationen für übertrieben: Sie werfen China vor, die Uiguren brutal zu unterdrücken. Rund eine Million Menschen sollen in Internierungslagern gefangen gehalten werden. Die regierende Kommunistische Partei stritt immer ab, dass es Lager gebe.

In ihren Dokumenten nennt die Regierung sie anders, so der deutsche Wissenschaftler Adrian Zenz vor einigen Monaten: "Sie geben vor, dass es sich um harmlose Berufsbildungszentren handelt, dass Menschen dort freiwillig drin sind, dass Menschen dort glücklich sind, dass sich ihr Leben dadurch verbessert". Das seien aber "ganz klar Lügen", so Zenz. "Die Regierungsdokumente sagen, dass Menschen dort in der Umerziehung sind. Das Wort Umerziehung wird direkt benutzt."

Und dass die Menschen wirklich "umerzogen" werden sollten und es dabei "Erfolge" aus Sicht der Regierung gab, bestätigte der Gouverneur der Provinz Shöhret Zakir vor vier Monaten: "Diese Menschen sind jetzt zu positiven Elementen der Gesellschaft geworden und sie bringen andere dazu, hart zu arbeiten und ein besseres Leben zu führen. Das zeigt, dass unsere Maßnahmen sehr gute Ergebnisse bringen".

Vernichtung der uigurischen Kultur

Die jetzt geleakten Dokumente belegen, dass es abgeschottete Internierungslager sind. Und sie belegen auch den Versuch der chinesischen Zentralmacht, die uigurische, islamische Kultur zu vernichten. Satellitenbilder belegen, dass Dutzende jahrhundertealte muslimische Bauwerke und Friedhöfe zerstört worden sind.

Ende Oktober kritisierten 23 Länder im Menschenrechtskomitee der Vereinten Nationen die Masseninternierungen und die Überwachung von ethnischen Uiguren - darunter waren Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Schweden und die USA.

54 andere Staaten allerdings verteidigten China in einem gemeinsamen Statement - darunter Pakistan, Russland, Serbien und  Bolivien. Durch Chinas Politik sei wieder Sicherheit zurückgekehrt, und die Menschenrechte seien dort wieder gewährleistet, behaupteten sie.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 25.11.2019, 15-18 Uhr

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