Organspende
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In Deutschland fehlt es an Organspendern. Gesundheitsminister Jens Spahn will deshalb über die Widerspruchslösung diskutieren. Heißt: Wer nicht ausdrücklich widerspricht, ist automatisch Spender. Unser Kommentator meint, darüber wurde schon genug geredet.

Nichts Neues in der Sache, die Argumente sind bekannt – alle, schon lange. Der Gesundheitsminister macht es sich einfach. Es ist wieder derselbe Stein ins Wasser geworfen worden. Die zuständigen Politiker beobachten die Wellenbildung und sinnen über das Für und Wider der Organentnahme nach. Eigentlich müssten Taten folgen. Erst gesetzgeberisch, dann medizinisch. Tausende warten auf lebensrettende Spenderorgane. Manche Kranke ziehen in Länder der europäischen Union um, in denen es leichter ist, eine Spenderniere zu erhalten. Wie in Italien zum Beispiel. In Deutschland warten und hoffen 10.000 Kranke auf ein Spenderorgan.

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Das ist unwürdig. Gesundheitsminister Spahn will am System der Transplantation nichts ändern – er will nur die Organentnahme erleichtern. Wer nicht dagegen ist, ist dafür. Geboren als Organspender. Spahn ist klar, dass dadurch der Staat in die Freiheit, auch in die Unversehrtheit, des Einzelnen eingreift. Das kann man machen, wenn man die politischen Mehrheiten organisiert und das Verfassungsgericht das absegnet.

Das Warten der Kranken und Sterbenden

Was macht der verantwortliche Minister? Er will die Debatte über die Organspende. Gut, dass wir darüber reden. Das ist eine herzliche Einladung, aber keine Entschlossenheit. Das ist den Stein ins Wasser werfen und die Wellen beobachten. Das ist zu wenig.  Warum will er kein entsprechendes Gesetz vorlegen? Warum will die Große Koalition sich nicht auf ein politisches Vorgehen einigen und dann öffentlich dafür gerade stehen? Erst die Absicht, dann die Debatte, dann das Gesetz.

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Denn diskutiert über die Organspende wird schon lange. Viele sind darüber gestorben oder haben sich in anderen Ländern helfen lassen. Wir brauchen nicht mehr die breite gesellschaftliche Debatte über das Für und Wider der Organspende. Wir brauchen eine Regelung. Die Große Koalition kann das, wenn sie es will. Wenn diese Koalition dazu nicht in der Lage ist, dann soll das gesamte Parlament darüber befinden, jenseits der Parteigrenzen. Das Warten der Kranken und Sterbenden auf Organe rührt einen. Die Zögerlichkeit der Politik macht traurig.

Sendung: hr-iNFO, 3.9.2018, 12.10 Uhr

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