Supermarkt

Bundesregierung, Handel und Industrie diskutieren über angemessene Preise von Lebensmitteln. Was sind die Hessen bereit zu zahlen? Unsere Reporterin hat sich umgehört.

Dominik Bylitza empfängt mich im Cafe seines Edeka-Marktes – in der Hand eine mit Wurst belegte Laugenstange. Seit 17 Jahren schon gehört ihm der Supermarkt am Ortseingang von Fürth im Odenwald. Was die Preise in seinem Laden angeht, erklärt er: "Wenn ich möchte, kann ich jeden Preis selbst bestimmen. Größtenteils haben wir Ideen, Vorgaben, die von Edeka kommen. Und eigene Kalkulationen, wie viel wir am Produkt verdienen."

"Emotion wichtiger als Geldbeutel"

Seine 30 000 Produkte bekommt er von internationalen Lieferanten, aber auch von lokalen Lieferanten vor Ort. Mit denen kann er den Preis selbst verhandeln. Dabei gilt: "Es gibt immer Grenzen, die sind meistens nicht im Geldbeutel zu sehen, sondern in der Emotion – bin ich bereit, für ein Produkt das Geld auszugeben? Und die regionale Emotion ist das Wichtigste eigentlich", so Bylitza.

Würde er auf einen regionalen Salat 20 Cent aufschlagen, würden seine Kunden trotzdem kaufen, meint er. Bei einem Salat aus Holland sei das dagegen nicht möglich. Ob das wirklich stimmt? Ich frage einen Kunden, der vor zwei Körben mit Gurken steht. "Da steht Spanien drauf und da Deutschland. Gut, dann werde ich mir schon mal die aus Deutschland holen", sagt er. Die Gurke ist ihm 1,49 Euro wert. Bis zu zwei Euro würde er für eine regionale Gurke zahlen.

"Es muss im Verhältnis stehen"

Wenige Meter weiter greift eine Kundin gerade nach einer Packung Milch. Sie kostet 65 Cent und damit genauso viel, wie auch im Discounter. "Schande über mein Haupt", sagt sie. Es sei ja sehr viel Aufwand, Milch zu produzieren. "Und trotzdem greif ich immer wieder dahin - weil man es immer macht. Gewohnheit."

Eine andere Kundin legt die Milchpackung für 1,19 Euro in den Einkaufswagen – ein Markenprodukt. Die sei besonders bekömmlich, der Preis sei ihr egal. Auch die Proteste der Landwirte nimmt sie gelassen: "Das beeindruckt mich nicht, weil das einfach immer saisonal so ist, dass die Bauern ihre Aufstände machen. Sicher verstehe ich das mit den Preisdumping-Geschichten, aber ich denke, es muss auch irgendwo im Verhältnis stehen."

Dauertiefpreise "wichtigster Kernwert"

Wer wenig zahlen möchte, findet bei Aldi die Gurke an manchen Tagen schon für 50 Cent – rund einen Euro günstiger als bei Edeka. Auf meine Interviewanfrage antwortet Aldi schriftlich: "Dauertiefpreise sind und bleiben für uns der wichtigste Kernwert sowie Bestandteil des Geschäftskonzepts und Discount-Prinzips. Entsprechend bieten wir unsere Produkte so günstig wie möglich an."

Auf die Frage nach dem Druck für die Landwirte schreibt Aldi, der Discounter lege Wert auf vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen. Doch weiter heißt es: "Grundsätzlich entspricht die Forderung, als Korrektiv in den Markt einzugreifen beziehungsweise auf Verantwortliche aus der Politik zuzugehen, nicht unserem Verständnis eines sich selbst regulierenden Marktes."

"Jeder muss beitragen"

Edeka-Inhaber Dominik Bylitza in Fürth seufzt: "Ich glaube nicht, dass man nur auf den Handel schimpfen darf. Man darf auch nicht nur auf den Bauern schimpfen. Ganz klar haben wir Preisdruck und da muss jeder seinen Teil dazu beitragen, gute Lebensmittel wertzuschätzen." Und damit meint er alle: die Produzenten, Verkäufer und auch die Kunden.

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Fragen und Antworten: Lebensmittelpreise

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 3.2.2020, 6 bis 9 Uhr

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