Künstliche Intelligenz
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Ob bei der Ausgabe von Toilettenpapier, Rotsündern an der Ampel oder der Kriminalitätsbekämpfung: Künstliche Intelligenz gilt in China als Allheilmittel. Bis 2030 will das Land Supermacht im Bereich KI werden. Das ist gut für die Wirtschaft, eignet sich aber auch dazu, autoritäre Herrschaft effienzienter zu gestalten.

Ein Toilettenhäuschen im berühmten Himmelstempel-Park in Peking: der typische Charme einer Park- Toilette,  nur an der Wand hängt ein weißes Hightech-Gerät. Es scannt die Gesichter der Toilettenbesucher, dann kommt aus dem Automat Toilettenpapier.

Ein Besucher hält einen Streifen Papier in der Hand: „Ich habe es gerade ausprobiert - es funktioniert. Wenn man seine Notdurft verrichten muss, ist die Menge an Papier aber nicht genug.“ 60 Zentimeter gibt der Automat pro Gesicht frei. Die Gesichtserkennung soll Papierverschwendung verhindern. Bedient sich jemand mehrfach, merkt das der Automat und weist ihn höflich ab.

Regierung treibt Forschung massiv voran

China ist beim Einsatz von Gesichtserkennung weltweit führend: Eine Pekinger Universität hat Gesichtsscanner installiert, um zu verhindern, dass Unbefugte die Studentenwohnheime betreten; in der Stadt Jinnan werden Fußgänger mit Namen auf Monitoren angeprangert, wenn sie bei Rot über die Ampel laufen und im Fastfood Restaurant Kentucky Fried Chicken in Hangzhou kann der Kunde via Gesichtserkennung bezahlen.

In einem Imagevideo des Pekinger Unternehmens Megvii geht es um die Chancen durch künstliche Intelligenz. Die Botschaft: Das Leben wird einfacher und sicherer. 'Stärke den Menschen mit künstlicher Intelligenz' heißt der Slogan von Megvii. Mitarbeiter brauchen bei Megvii keinen Firmenausweis, das Gesicht genügt und die Glastür am Eingang gleitet auf.

2011 haben drei Studenten das Pekinger Startup gegründet, heute arbeiten 700 Mitarbeiter an der Entwicklung von künstlicher Intelligenz und Gesichtserkennung. Xie Yinan ist Marketingdirektor bei Mac: „Jedes Gesicht hat einen einzigartigen Code. Wenn du vor einer Kamera stehst und registriert bist, wissen wir sofort, wer du bist“, sagt er. Die chinesische Regierung treibt die Forschung zur Gesichtserkennung massiv voran, ebenso wie die praktische Anwendung. Kameras von Megvii sind in ganz China im Einsatz und dabei immer öfter auf der Jagd nach Kriminellen.

"Sozialkreditsystem": bewerten, belohnen, bestrafen

Aber der chinesische Staat hat noch ein anderes Interesse: Er nutzt die Daten auch für ein gigantisches Sozialkreditsystem. Die Idee: Der Staat sammelt Daten über seine Bürger und wertet sie aus. Jeder bekommt ein Punktekonto und auf dieser Grundlage kann der Staat dann bewerten, belohnen oder auch bestrafen.

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Bis 2020 will China das System flächendeckend einführen, derzeit gibt es über 40 Pilotprojekte. Die Überwachung durch intelligente Kameras ist dafür zentral: Alles, was die Menschen im Alltag tun oder lassen, kann Einfluss auf die Bewertung haben. Und es gibt bereits schwarze Listen. Fast zehn Millionen Menschen wurden vom Ticketkauf für Schnellzug oder Flugzeug bereits vorübergehend ausgeschlossen. Da in China jeder Ticketkauf über die Ausweisnummer funktioniert, ist eine Identifizierung der Käufer problemlos möglich. Und wenn das Gesicht zum Ausweis wird, reicht künftig die Kamera vom Bahnhof. Wer auf der schwarzen Liste steht, kommt gar nicht erst rein.

Sendung: hr-iNFO, 26.2.2019

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