Symbolbild: Sonnanbeter liegen am Strand in Neuseeland

Vor der Pandemie hat die Reisebranche in Deutschland einen Rekord nach dem anderen verbucht. Corona hat alles durcheinandergewirbelt. Oder nicht? hr-iNFO erklärt, wohin die Deutschen vor Corona am liebsten gereist sind und was sich durch die Pandemie verändert hat.

Die Reiselust der Deutschen hat der gesamten Touristikbranche in den vergangenen Jahren einen Rekord nach dem anderen beschert – Fast 80 Prozent sind 2019 gereist: mehr als je zuvor. Das wichtigste Reiseziel ist seit Jahren Deutschland selbst. Hier wurden 2019 fast 500 Millionen Übernachtungen gezählt – ebenfalls ein Rekord.

Passagierzahlen um 75 Prozent eingebrochen

Und auch für die hessische Tourismusbranche war 2019 der bisherige Höhepunkt: über 35 Millionen Übernachtungen von Kassel über die Röhn, das Lahntal und den Vogelsberg bis in den Odenwald bedeuteten den 8. Besucherrekord in Folge. 2019 haben die Deutschen fast 70 Milliarden Euro für Urlaubsreisen, Städtetrips oder Kurzreisen im In- und Ausland ausgegeben, rund die Hälfte davon bei Reisebüros und Reiseveranstaltern. Und dann kam das Jahr 2020.

Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband hatte jahrelang vor allem Wachstum zu verkünden. das hat sich auf einen Schlag geändert. "Im vergangenen Jahr gab es Umsatzrückgänge von über 80 Prozent, das heißt über 28 Milliarden Euro weniger ist bei Reisebüros und Reiseveranstaltern gelandet", bilanziert er. Durch Corona und die Reisebeschränkungen, Quarantäne-Bestimmungen und zeitweiligen Grenzschließungen sind sowohl Auslandsreisen eingebrochen also auch Reisen innerhalb Deutschlands. Das zeigt sich schon bei den Flügen: Über das gesamte Jahr gesehen sind die Passagierzahlen um 75 Prozent eingebrochen, in den wichtigen Reisemonaten April bis Juni waren es sogar über 90 Prozent weniger.

Campingplätze als große Gewinner

Das war natürlich auch bei den in den letzten Jahren immer beliebter gewordenen Kreuzfahrten so, sagt Detlev Schäferjohann, Geschäftsführer von E-Hoi, einem Unternehmen mit Sitz in Frankfurt, dass unter anderem Kreuzfahrten online vermittelt und auch veranstaltet. "Das Kreuzfahrtgeschäft ist fast komplett zum Erliegen gekommen, es fahren für deutsche Gäste ein paar Schiffe auf den Kanaren aber zu den Volumina im Vergleich zu vor der Pandemie ist das verschwindend gering", erzählt er.

Deutschland war gerade in der Corona-Pandemie das wichtigste Reiseziel. Trotzdem gab es auch hier massive Einbrüche. In Hessen wurden nur noch knapp sieben Millionen Gäste gezählt nach 16 Millionen im Jahr vor Corona. Dabei wurden einige Regionen im vergangenen Jahr in den Sommermonaten regelrecht überrannt. Campingplätze waren teilweise überfüllt, aber auch Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen oder Häuser waren zwischen dem ersten und dem zweiten Lockdown gut gebucht. Im Landkreis Limburg-Weilburg etwa rechnet man bei der zuständigen Wirtschaftsförderung damit, dass es auch in diesem Sommer wieder so sein wird. Noch seien aber viele Urlauber und auch Anbieter zurückhaltend.

Impfen und Tests als Zukunftsformel

Laut Deutschem Reiseverband wird seit Beginn der Impfungen wieder etwas mehr gebucht. Die aktuellen Meldungen über mehr Impfstoff und kostenlose Schnelltests machen die Branche aber wieder zuversichtlicher. "Alle Umfragen der letzten Wochen zeigen: Die Menschen wollen raus, sie wollen wieder Urlaub machen und dieser Wunsch steigt je mehr Impfungen vorgenommen werden, je mehr Impfdosen zur Verfügung stehen und je mehr das Thema Test wieder in den Vordergrund gerückt wird", sagt Torsten Schäfer vom Reiseverband. "Das ist eine gute Kombination: Impfen und Tests. Das ist die Zukunftsformel für dieses Jahr." Aber eben noch eine Zukunftsformel.

Damit Kunden zur Zeit überhaupt buchen bieten viele Reiseveranstalter ungewöhnlich kurze Stornierungsfristen an – bis zwei Wochen vor Urlaubsbeginn können Kunden wegen all der Unsicherheiten in der Pandemie oft noch kostenlos von der Reise zurücktreten.

Sendung: hr-iNFO, 18.02.2021, 15-18 Uhr

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