AstraZeneca

Mit dem AstraZeneca-Impfstoff ist der dritte Corona-Impfstoff für die EU zugelassen worden. Anders als bei den Produkten von BioNTech/Pfizer und Moderna handelt es sich dabei nicht um einen mRNA-, sondern einen Vektor-Impfstoff. Wir erklären, was das bedeutet und worin sich die Impfstoffe noch unterscheiden.

Der Impfstoff von Astra Zeneca ist kein mRNA- Impfstoff, er beruht auf einer Vektor-Methode - eine Methode, die schon länger bekannt ist. Dabei wird ein Stück der Erbsubstanz eines Virus einem anderen Virus eingebaut und dieser transportiert es - wie eine Fähre - in die Körperzellen hinein. Der Gießener Virologe Professor Friedemann Weber erklärt das so: "Ein Vektor ist ja ein Träger, das ist in diesem Fall der Träger für das SARS-Coronavirus-2. Das sind meistens Viren, eben harmlose Erkältungsviren, manchmal sind es auch Viren, die in Tieren Erkältungen auslösen, aber nicht im Menschen - also Viren, die harmlos sind für den Menschen. Und die benutzt man als Träger, um eben ein Fremd-Antigen zu explizieren."

"Verkleidet" mit Erbsubstanz von SARS-CoV-2

Dieses Trägervirus des AstraZeneca-Impfstoffes basiert auf modifizierten Adenoviren. Das sind Schnupfenviren, die bei Schimpansen Erkältungen auslösen, aber nicht beim Menschen. Damit der Körper eine passende Abwehrreaktion erzeugen kann, wird das Virus um einen Teil der Erbsubstanz von SARS-CoV-2 ergänzt, und damit praktisch "verkleidet". Das gaukelt dem Körper eine Infektion vor. Er löst dann die Produktion von Antikörpern aus. Wenn der geimpfte Mensch dann tatsächlich in Kontakt mit einem kompletten SARS-CoV-2-Virus kommt, ist die körpereigene Abwehr schon vorbereitet.

mRNA-Impfstoffe funktionieren im Prinzip ähnlich. Auch hier wird nur ein Teil des Erregers in den menschlichen Körper gebracht. Bei mRNA-Impfstoffen ist es sogenannte messenger-RNA. Sie übermittelt den Bauplan für die Produktion bestimmter Viren-Proteine. Die aktivieren wiederum das menschliche Immunsystem. "Die mRNA Impfstoffe beruhen auf keinem speziellen Träger, sondern sie imitieren quasi das, was in der infizierten Zelle geschieht, aber nur mit einem einzigen der vielen, vielen Gene des Virus, nämlich dem Spike -Protein", erklärt Virologe Friedemann Weber. Was man auch in infizierten Zellen finde, werde einfach nachgebaut.

Widerstandsfähiger und einfacher herzustellen

Im Grunde ist das Prinzip beider Impfstoff-Typen ähnlich. Sie regen mit einem kleinen Bauteil des Erregers den menschlichen Körper dazu an, Antikörper zu produzieren. Doch trotz dieser Ähnlichkeit gibt es bedeutende Unterschiede: Der mRNA-Impfstoff ist komplett neu, es fehlt der Erfahrungsschatz. Die mRNA ist sehr sensibel und muss bei extremer Kälte tiefgekühlt werden. Beim Impfstoff von BionNTtech/Pfizer sind das minus 70 Grad. Der AstraZeneca-Impfstoff hingegen lässt sich im Kühlschrank bis zu sechs Monate lang lagern. Da Adenoviren sehr widerstandsfähig sind, ist in ihnen der Wirkstoff der AstraZeneca-Vakzine sehr gut geschützt.

Auch die Herstellung sei wesentlich einfacher als beim Impfstoff von zum Beispiel BioNTech-Pfizer, sagt Manfred Schubert-Zsilavecz, Professor für pharmazeutische Chemie an der Uni Frankfurt: "Da musste man natürlich schauen, wie gelingt es, ein relativ empfindliches Molekül messenger-RNA so zu produzieren, dass eine gleichbleibende Qualität da ist, dass sichergestellt ist, dass es nicht zu einem Abbau kommt, bevor es sozusagen verimpft wird. Und da braucht man schon eine spezielle Expertise, um sicherzustellen, dass das hundertprozentig funktioniert." Deshalb sei es auch nicht so einfach, die Produktion eben mal zu verzehnfachen. Dazu bedürfe es "klug, überlegter Schritte, wo jeder einzelne Punkt kontrolliert werden muss im Sinne der Qualitätssicherung, um sicherzustellen, dass am Ende tatsächlich die Qualität immer stimmt", so Schubert-Zsilavecz.

Unterschied in Wirksamkeit noch unklar

Unklar ist noch der Unterschied in der Wirksamkeit der jeweiligen Impfstoffe: BioNTech/Pfizer und Moderna haben eine extrem hohe Wirksamkeit von 94 beziehungsweise 95 Prozent. Wie wirksam AstraZeneca hingegen ist, wird sich nach dem Zulassungsverfahren zeigen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 29.1.2021, 6 bis 9 Uhr

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