Wissenschaft
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Wenn Politiker Entscheidungen treffen müssen zu Themen, bei denen sie selbst zu wenig Ahnung haben, dann brauchen sie die Expertise von Wissenschaftlern, die sie beraten. Doch was, wenn das Ergebnis bei den Wählern nicht gut ankommt?

Gelehrte Menschen wuseln ständig im und um den Bundestag und in den Ministerien herum. Warum das zum Beispiel im Bundestag so ist, erklärt ein Video. Darin heißt es: "Die Ausschüsse laden häufig Sachverständige und Experten von außerhalb zu Anhörungen ein. So können sie sich ein noch besseres Bild zu einem Thema machen".

Denn Abgeordnete können nicht selber Experten für alles sein - etwa beim Thema Klimawandel. Der Physiker Hans Joachim Schellnhuber ist Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Berater der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen. Es gebe keine Anzeichen dafür, die globale Erwärmung nicht mehr ernstnehmen zu müssen, sagte er 2013.

Eigenen Willen von Forschern bestätigt wissen

Auch die EU hält die Beratung durch Wissenschaftler für notwendig, so die damalige EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard, ebenfalls 2013: "Dieses Bündnis von Wissenschaftlern, mit ihren Klimakenntnissen, und Politikern ist absolut notwendig, um richtige Entscheidungen zu treffen - auch in schwierigen Situationen".

Ein Politiker braucht einerseits Sachverstand der Wissenschaft - andererseits aber steht er unter dem Druck von Lobbies und politischen Stimmungen. Da will natürlich möglichst jeder von den Forschern bestätigt hören, was man als Politiker machen will. "Fracking ist das wahrscheinlich berüchtigste Beispiel", sagt der Geowissenschaftler Jonas Kley von der Uni Göttingen, "aber auch die atomare Endlagerung ist ein Beispiel, weil dort klar ist, dass es gemacht werden muss und die Frage ist nur, wie". Und wo: Denn ein Atomendlager vor der eigenen Haustür ist nicht unbedingt das, was Wähler von ihrer Regierung haben wollen, auch wenn Experten sagen: 'Hier wäre ein besonders geeigneter Ort dafür'.

Entscheidungen müssen Politiker treffen

Aussagen von Wissenschaftlern werden deshalb nicht unbedingt in Gesetze umgemünzt, erklärte zum Beispiel vor einem Jahr Marcel Langner vom Umweltbundesamt: "Jeder Grenzwert ist immer ein politischer Grenzwert - und es gibt wenige Fälle, wo sozusagen die wissenschaftliche Erkenntnis eins zu eins in den Grenzwert umgesetzt worden ist". Das sei zum Beispiel beim NO2 der Fall, beim Feinstaub allerdings nicht. "Da ist der Grenzwert doppelt so hoch im Vergleich zu dem, was die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt."

Das gilt nicht nur für Naturwissenschaften: Dr. Isabel Schnabel, Professorin für Finanzmarktökonomie und eine von fünf sogenannten Wirtschaftsweisen, erwartet gar nicht, dass die Politik alles umsetzt, was sie vorschlagen. "Die Idee ist ja eher die, dass wir verschiedene Optionen aufzeigen und bewerten", sagt sie, "aber wir können den Politikern ihre politische Entscheidung nicht abnehmen".

Diese Entscheidung müssen immer die Politiker treffen. Die manchmal sogar früher Wissenschaftler waren, meint Jürgen Troe, ehemaliger Göttinger Professor für physikalische Chemie: "Ein wissenschaftliches Training ist für einen Politiker eine optimale Voraussetzung, nicht zuletzt sehen Sie das an unserer Bundeskanzlerin". Die ja bekanntlich gelernte Physikerin ist.

Sendung: hr-iNFO, 5.2.19, 06:10 Uhr

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