Junge sitzt an Tisch mit Buch und bedient Tablet
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Um Schulen bei der Digitalisierung zu fördern, plant der Bund für seinen Digitalpakt eine Grundgesetzänderung. Doch der Bundesrat lehnt den Entwurf ab. Eine Schule im Taunus zeigt derweil, wie so eine digitale Schule aussehen kann.

In der Eisbärenklasse liegen die Arbeitshefte auf den Tischen, direkt neben den Büchern. An der Wand hängt keine grüne Kreidetafel, sondern ein sogenanntes Active Board. Das sieht aus wie ein übergroßes Smartphone, kann wie eine Tafel beschriftet werden, hat aber eben auch Internetzugang und zahlreiche Apps. Einige Kinder in der Klasse schreiben mit gespitzten Bleistiften in ihre Hefte - andere lösen Rechenaufgaben auf Tablets.

Arbeit als Spiel

Sebastian Wauch ist Konrektor und der Klassenlehrer der Eisbärenklasse - eine dritte Klasse. Er läuft durch die Stuhlreihen und hilft den Kindern bei ihren Aufgaben. Vor allem bei Themen wie dem Einmaleins, das durch Wiederholungen eingeübt werden muss, sei die digitale Technik eine wirkliche Hilfe, sagt er. "Es gibt von mir Vorgaben, was sie arbeiten dürfen. Das schöne ist: Die Kinder haben nicht das Gefühl zu arbeiten. Die Kinder betrachten die Arbeit als spielen und das ist schön zu sehen und einfach ein anderer Lernzugang." 

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Das föderale Schulsystem

Das Bildung Ländersache ist, steht im deutschen Grundgesetz.
Ein dezentrales Schulsystem war schon vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland üblich.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Schulsystem dann zentralisiert und als Propagandamaschine genutzt.
Nach Kriegsende einigten sich die Siegermächte darauf, das zentral gesteuerte Schulsystem in der Bundesrepublik abzuschaffen.
Mit der Wiedervereinigung wurde auch im Osten Bildung zur Ländersache.

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Ein Lernen, das individuell auf den Wissensstand der Kinder zugeschnitten ist - gerade in Zeiten der Inklusion ist das immens wichtig. Das findet auch Schulleiter Jan Drumla. "Ich glaube es gelingt leichter mit der digitalen Welt jedem Kind gerecht zu werden. Ich kann adhoc die Aufgaben runterbrechen auf jedes Niveau und habe auch Aufgaben für unsere Hochbegabten, womit auch sie vorankommen." 

Technik nur als Ergänzung

Drei Jahre lang hat Drumla in einer Arbeitsgruppe im Hochtaunuskreis ein digitales Unterrichtskonzept entwickelt. Vor anderthalb Jahren startete er mit der Wiesbachschule als Pilotschule des Kreises in Richtung Digitalisierung. Mit dabei: Elf ActiveBoards, 66 Tablets - eine wahnsinnige Infrastruktur für rund 175.000 Euro.

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Eine Grundausstattung, wie Jan Drumla betont, die aber ein Vorbild sein könne für eine deutschlandweit standardisierte digitale Grundbasis. Daran fehle es nämlich, erklärt er: "Ich bin ein großer Fan davon, dass man sagt, wir finden eine basale Ausstattung und die Schulträger setzen noch eigene Nuancen oben drauf. Aber die basale Ausstattung muss meiner Meinung nach gleich sein. Hier geht es auch ein Stück weit um Bildungsgerechtigkeit." 

Zurück in der Eisbärenklasse, wo Vorlesezeit ist: Harry Potter und der Stein der Weisen. Denn bei aller Technik: Sie darf immer nur eine Ergänzung sein, sagt Konrektor Sebastian Wauch. "Die Kinder lernen mit den Händen, mit Sehen, mit Anfassen und das darf nicht fehlen. Gerade in der Grundschule ist das ein ganz wichtiger Bereich. Schreiben, Malen, das sind alles Sachen, die wir den Kindern weiter vermitteln - und als Ergänzung dazu haben wir eben das Tablet."

Sendung: hr-iNFO Das Thema, 06.12.2018, 15:20

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