Durchgestrichenes Schild mit Hinweis auf Impfzentrum

An diesem Donnerstag schließen die letzten Impfzentren in Hessen - obwohl nach wie vor ein Drittel der Menschen nicht geimpft ist. Wie geht es jetzt weiter? Und wie wichtig und sinnvoll waren die Zentren für die Impfkampagne?

Schön war’s im Impfzentrum, sagt Udo Liebich, der das Zentrum in Heuchelheim bei Gießen geleitet hat. Vor allem für ältere Menschen sei der Besuch im Impfzentrum so etwas wie ein Festtag gewesen: "Viele von ihnen hatten sich das Sonntagskostüm oder den Sonntagsanzug aus dem Schrank geholt. In den Gesprächen wurde immer wieder deutlich, wie ihnen die Kontakte mit den Kindern und den Enkeln gefehlt haben und wie sie dem entgegenfiebern, ihre Lieben endlich wieder in den Arm zu nehmen."

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Nach Weihnachten ging es los: Erst impften mobile Teams in Altenheimen und Anfang Januar dann kamen die ersten Impflinge in die Impfzentren, zuerst Menschen über 80 oder mit Vorerkrankungen. Danach kamen Menschen über 70 an die Reihe und nach und nach wurde der Kreis immer erweitert.

Sechs Mal teurer als beim Arzt

Auch Thomas Busse hat seine erste Impfung im Impfzentrum bekommen, in der Frankfurter Festhalle. Er ist Gesundheitsökonom an der Frankfurt University of Applied Sciences. Ihm fiel auf, wie wenig in der riesigen Halle los war, wie entspannt es zuging: "Das, was ich mir in Krankenhäusern wünsche, dass an jeder Ecke jemand steht und fragt: 'Kann ich was für sie tun?', das war im Impfzentrum so." Aber auch wenn er sich ein Gesundheitssystem so vorstelle, "wo ganz viel auf den Patienten geachtet wird", habe man im Hinterkopf natürlich die Frage: Wer bezahlt das eigentlich, wenn da jemand den ganzen Tag herumstehe?

Bezahlt wird es je zur Hälfte vom Bund und vom Land Hessen. Das schätzt die Gesamtkosten auf über eine halbe Milliarde Euro, was auf die einzelne Spritze heruntergerechnet, über 120 Euro pro Spritze sind. Verglichen mit den 20 Euro, die ein Hausarzt für eine Spritze abrechnet, ist das sechs Mal so viel. Das liegt auch daran, dass die Impfzentren fast nie ausgelastet waren. Dennoch sagt der Ökonom Busse: "Wenn Sie sich überlegen, eine Impfung kostet 120 bis 130 Euro, ein Corona-Patient im Schnitt 10.000 Euro im Krankenhaus, bei schwerem Verlauf auf der Intensivstation 40.000, dann war es natürlich gerechtfertigt zu sagen: 'Komm, wir schaffen diese Impfzentren.'"

Wie es jetzt weitergeht

Jetzt muss es ohne die Impfzentren gehen. Die meisten Impfwilligen müssen sich die Spritze jetzt in einer Arztpraxis holen. Nur einzelne Städte und Kreise machen noch zusätzliche Impfangebote – Frankfurt, Gießen und Erbach etwa betreiben Mini-Impfzentren, der Hochtaunus- und der Main-Kinzig-Kreis wollen Impflokale einrichten, übers Kreisgebiet verteilt, und die Stadt und der Landkreis Kassel lassen zwei Impfbusse herumfahren, sagt Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD): "Kostenlos - jeder, der will, der kann noch drankommen und wir werden weiter alle Kraftanstrengungen unternehmen. Wir gehen eben zu den Menschen und lassen die Menschen jetzt nicht mehr zu uns kommen." Verbunden mit der Hoffnung, dass die Impfquote bis zum Winter doch noch deutlich steigt.

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