Klima Symposium CAES

Was vor fünf Jahren im Pariser Klimaabkommen vereinbart wurde, spielt auch in Hessen eine Rolle: Mit konkreten Projekten zum Klimaschutz beteiligen sich Kommunen und Land am Ziel, die globale Erwärmung zu begrenzen. Das klappt an einigen Stellen besser, an anderen schlechter.

Für Städte, Landkreise und Gemeinden, die sich beim Klimaschutz besonders anstrengen, oder die, die das gerne wollen und dabei noch Unterstützung suchen, bietet das Land Hessen eine Art Club: das Bündnis Klima-Kommunen-Hessen. 280 Kommunen sind schon dabei, jede musste sich verpflichten, vor Ort dafür zu sorgen, dass die Treibhausgasemissionen sinken und jährlich einen Bericht dazu schreiben. Dafür gibt’s nicht nur inhaltliche Hilfestellung, sondern auch finanzielle. Mitgliedskommunen bekommen höhere Fördersätze für Klima-Projekte.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Was man von der Weltklimakonferenz erwarten kann

Monteure verankern für Testreihen das Modell einer Anlage mit schwimmende Windräder im Greifswalder Bodden.
Ende des Audiobeitrags

Polarisierende Projekte

Mit dabei ist beispielsweise die Stadt Gießen. Die hat vergangenes Jahr beschlossen, bis 2035 klimaneutral zu werden. Und dafür wagt man sich auch an durchaus polarisierende Projekte, zum Beispiel sollen zwei Spuren des vierspurigen Anlagenrings in der Innenstadt zu Radspuren werden, noch in diesem Herbst.

Die Verkehrswende-Initiativen begrüßen das, der bisherige SPD-Fraktionschef Christopher Nübel mahnt aber zur Vorsicht: "Es muss fachlich vorbereitet sein und wir nehmen uns die Zeit, die wir dafür benötigen. Es gibt ja auch noch das Thema der Umweltspur zum Beispiel, wo Fahrradverkehr vorrangig ist und der Linienbusverkehr nachrangig diese Spur auch mit nutzen kann. All das wird aber das Fachbüro beurteilen müssen und uns da Wege aufzeigen, wie wir es konkret umsetzen können." Das war Anfang März, jetzt, nach der Kommunalwahl, sind in Gießen die Grünen die stärkste Kraft. Da dürfte es vermutlich eher schneller als langsamer mit solchen Projekten voran gehen.

Neue Radwege, Photovoltaik und Wasserstoff

Auch in Darmstadt sind im Laufe der letzten Monate immer wieder neue Radwege entstanden, auch Fahrspuren für den Kfz-Verkehr sind dafür zumindest probeweise weggefallen. Die Stadt setzt außerdem auf Photovoltaik-Anlagen, auch sie will 2035 klimaneutral sein. Björn Schulz von der Initiative Klimaentscheid ist trotzdem skeptisch: "Die Darmstädter Klimabilanz zeigt, dass wir mit dem Tempo gerade erst 2070 klimaneutral wären und damit 35 Jahre zu spät. Und das 1,5-Grad-Ziel erreichen wir damit auch nicht."

Im Kreis Bergstraße versucht man, mit Wasserstoff die Emissionen runterzuschrauben. Anfang des Jahres ist der hessische Landkreis der Wasserstoff-Modellregion Rhein-Neckar beigetreten. Mit dem vom Bund geförderten Programm soll eine integrierte Wasserstoffwirtschaft geschaffen werden. Erzeugung, Verteilung, Speicherung und natürlich die Nutzung – alles in der Region. Bernd Kappenstein, Wasserstoffexperte der Metropolregion Rhein-Neckar: "Um den größten Effekt für das Klima zu erzielen, streben wir den Einsatz von grünem Wasserstoff an. Vorzugsweise wird dieser Wasserstoff über Elektrolyseure produziert, und zwar in der Regel aus erneuerbarem Strom wie Windkraft und Solarenergie."

Luft nach oben

Ob ausreichend Strom aus erneuerbaren Energien für diese Elektrolyseure vor Ort gewonnen werden kann, damit das Ganze auch wirtschaftlich läuft, das wird gerade noch untersucht. Zu wünschen wäre es, denn die aktuellen Prognosen für das Land Hessen sind - nun ja: verbesserungswürdig. 2020 ist Hessen um ein Prozentpunkt am Ziel vorbeigeschrabbt, für 2025 sind schon vier Prozentpunkte zu wenig prognostiziert. Für Hessens Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden, sieht's schlecht aus. Hessens Umweltministerin Priska Hinz sieht da nicht ganz so schwarz: "Der Monitoring-Bericht zeigt auch, dass wir durchaus Wirkung erzielen mit unseren Maßnahmen, dass wir es also auch in der Hand haben, dazu beizutragen, ehrgeizige Klimaschutzziele zu erreichen."

Dazu hat das Land ein zusätzliches Sofortprogramm gestartet. Darin steht zum Beispiel die Förderung von Lastenradangeboten, von nachhaltig wirtschaftenden Bauernhöfen und klimaneutral arbeitenden Kantinen. Was über das Jahr 2025 hinaus angegangen werden soll, das steht im neuen Klimaschutzplan für Hessen, der für nächstes Jahr erwartet wird.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 22.4.2021, 6 bis 9 Uhr

Jetzt im Programm