Rasensprenger

In ganz Hessen rufen Wasserversorger und Kommunen zum Wassersparen auf, die ersten Gemeinden im Taunus haben vor kurzem den Trinkwassernotstand ausgerufen. Wir erklären, wie ernst die Lage tatsächlich ist und worauf jeder Einzelne achten sollte.

Wenn Michael Lellbach über Wasserverbrauch spricht, hat er eine Sorgenfalte auf der Stirn. Er ist in der Gemeinde Mörlenbach im Odenwald für die Wasserversorgung zuständig. Sein Problem: An den heißen Wochenenden kommt es so weit, dass die Brunnen 24 Stunden laufen. Und sie bekommen es gerade so hin, den Bedarf zu decken. Es sind dann keine Reserven mehr da. Der Bedarf sei in diesem Jahr besonders gestiegen, sagt er. Durch Corona seien viele zu Hause geblieben und, so seine Vermutung, haben oft den Rasen gewässert und sich einen Pool in den Garten gestellt.

"Keine flächendeckenden Engpässe zu befürchten"

Vor zwei Wochen haben die Taunusgemeinden Grävenwiesbach, Schmitten und Weilrod den Wassernotstand ausgerufen, ihre eigenen Brunnen liefern nach der Trockenphase nicht mehr genügend Wasser. Das liegt daran, dass Mittelgebirgsregionen wie der Taunus durch ihre Bodenbeschaffenheit ein geringes Speichervolumen für Wasser haben, erklärt Mario Hergesell.

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Er ist beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie für das Grundwasser zuständig. In Hessen drohe aber keine flächendeckende Knappheit, sagt Hergesell. "Und es sind auch keine flächendeckenden Engpässe bei der Trinkwasserversorgung zu befürchten. Wir haben zwar vielerorts unterdurchschnittliche Grundwasserstände, aber es ist immer noch ausreichend Grundwasser vorhanden, sodass die Grundwasserversorgung in den meisten Landesteilen nach wie vor gesichert ist."

"Dürresommer weniger problematisch als Dürrewinter"

Dass die Grundwasserstände jetzt gerade in Hessen unterdurchschnittlich sind, führt Hergesell noch immer auf die zehnmonatige Trockenheit 2018 zurück, nicht auf die aktuelle Hitze. Denn Grundwasser sei träge und die Pegel würden jeden Sommer sinken. "Dürresommer sind weniger problematisch für das Grundwasser als Dürrewinter, weil die Grundwasserbildung im Winter stattfindet", sagt er. "Dürresommer sorgen aber dafür, dass die Böden tiefgründig austrocknen."

Bis die ausgetrockneten Böden wieder Wasser aufnehmen können, braucht es Zeit. Es dauert also, bis sich neues Grundwasser bildet. Im Hessischen Ried, dem Trinkwasserspeicher für die Rhein-Main-Region, sind die Grundwasserstände allerdings einigermaßen stabil. Hier lässt man schon seit Jahren für entnommenes Trinkwasser wieder Rheinwasser im Boden versickern. So wird das Grundwasser künstlich angereichert.

Vorsicht beim Wasserverbrauch

Das aktuelle Problem ist laut Hubert Schreiber deshalb nicht die Verfügbarkeit von Wasser, sondern der Transport durch die Leitungen bis in die Haushalte. Das belaste die technischen Systeme, "weil wirklich alles läuft und auf hohem Niveau läuft. Und es erfordert aber auch einen hohen Aufwand für unser Lastenmanagment." Und wenn jede einzelne Anlage gebraucht wird, darf auch keine ausfallen. Entspannung soll deshalb die geplante Riedleitung zwischen dem Hessischen Ried und dem Rhein-Main-Gebiet bringen. Doch bis die fertig gebaut ist, werden noch Jahre vergehen.

Die Trockenheit wird uns weiter begleiten, glaubt Schreiber, und mahnt deshalb zur Vorsicht beim Wasserverbrauch: "Erst der Mensch, dann das Tier und dann vielleicht der Rasen und dann vielleicht noch der Pool. Und das funktioniert mal mehr und mal weniger gut." In Mörlenbach müssen sich Anwohner seit Juli bei der Gemeinde melden, wenn sie ihren Pool füllen wollen. Das funktioniert gut, sagt Michael Lellbach. Das Bewusstsein zum Wassersparen sei dadurch größer geworden.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 24.8.2020, 6 bis 9 Uhr

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